Telekoms mit Kursfantasie

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Telekoms mit Kursfantasie Nassie

Telekoms mit Kursfantasie

 
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"Vor allem Telekoms haben noch Kursfantasie"
M & G-Fondsmanager Leaviss sieht weiter gute Chancen für Unternehmensanleihen - Renditevorsprung stützt
London -  Unternehmensanleihen sind der Renner. Die Investmentbranche trägt diesem Trend mit einer Flut neuer Produkte Rechnung. Beatrix Wirth sprach mit Jim Leaviss, dem Fondsmanager des M & G European Corporate Bond Fund, über die Chancen und Risiken solcher Investments.


Die Welt: Macht der Einstieg in Unternehmensanleihen nach den Kurssteigerungen der vergangenen zwölf Monate noch Sinn?


Jim Leaviss: Ich sehe trotz der beeindruckenden Performance in den vergangenen Monaten keinen Grund zur Sorge. So lange die Inflation niedrig bleibt, liefern Bonds weiter sehr gute Erträge.


Die Welt: Die Rallye dauert an?


Leaviss: Das ist die falsche Formulierung. Wer in einen Fonds mit Investmentgrade-Unternehmensanleihen investiert, sollte dies nicht in der Erwartung zweistelliger Kurssteigerungen tun, wie sie High-Yield- oder Aktienfonds erwirtschaften können. Messgröße sollten die Zinsen sein. Wenn also der Kupon eines sicheren Papiers vier Prozent beträgt, sollte man nicht mehr erwarten.


Die Welt: Aber doch nur, wenn man das Ausfallrisiko ausklammert. Wer einen sicheren Hafen sucht, dürfte doch zu Staatsanleihen greifen?


Leaviss: Dafür müssten die Investoren bereit sein, auf einen Teil der möglichen Erträge zu verzichten. Die Rendite "normaler" Rentenfonds liegt derzeit etwa ,8 Prozentpunkte unter dem eines Corporate-Bond-Fonds. Das spricht für letztere - zumal bei ihnen das Risiko wegen der breiten Streuung und der sinkenden Ausfallrate nicht viel höher ist.


Die Welt: Wird nicht ein Umdenken stattfinden, wenn sich die Aktienmärkte weiter erholen?


Leaviss: Nur wer an ein weiteres Kursplus von 20 oder 30 Prozent glaubt, muss befürchten, dass Unternehmensanleihen ins Hintertreffen geraten. Aber mein Rat lautet auch nicht: Pack Dein gesamtes Geld in Unternehmensanleihen. In ein Depot gehören neben Corporates auch Staatspapiere und Aktien aus verschiedenen Sektoren. Ich persönlich halte Aktien und Bonds zu gleichen Teilen. So ist man gewappnet, sollte die Konjunktur doch überraschend stark anziehen.


Die Welt: Wie schätzen Sie denn die wirtschaftlichen Perspektiven ein?


Leaviss: Was Deutschland angeht, bin ich skeptisch. Das Verbrauchervertrauen ist beschädigt und das Leitzinsniveau zu hoch. Die EU-Osterweiterung könnte die Probleme deutscher Unternehmen noch verschärfen: Wegen niedriger Personalkosten stellen die Firmen etwa in Polen eine ernste Konkurrenz dar. Vielleicht muss sich Deutschland damit abfinden, dass das Trendwachstum künftig geringer ausfallen wird.


Die Welt: Auf die Corporates wirkt eine schwache Konjunktur ja stützend, weil sie die Flucht in den "sicheren" Bond-Markt fördert. Andererseits erschwert sie aber auch das Gewinnwachstum. Welcher Effekt überwiegt?


Leaviss: Anleger sollten sich auf Unternehmen konzentrieren, die kein Wachstum brauchen, um ihre Schulden zu begleichen. Die Autoindustrie zum Beispiel benötigt gute Absatzzahlen. Bei den Versorgern ändert sich die Nachfrage dagegen kaum. Auch Hersteller von Nahrungsmitteln und Pharmazeutika sind attraktiv.


Die Welt: Was halten Sie von den vielfach hoch gelobten Telekoms?


Leaviss: Während ich bei den defensiven Sektoren darüber nachzudenken beginne, einmal Gewinne mitzunehmen, sehe ich bei den Telekoms noch Kursfantasie. So hat die Deutsche Telekom die richtige Strategie eingeschlagen, indem sie massiv Schulden abbaut und die Dividende ausfallen lässt. Das kommt auch bei den Rating-Agenturen gut an, die mit ihren Einstufungen darüber entscheiden, wie teuer die Schulden für ein Unternehmen werden.


Die Welt: Und welche Corporates gefallen Ihnen weniger gut?


Leaviss: Vorsichtig bin ich wegen des schlechten Konsumklimas bei den Einzelhandelswerten. Und im Finanzsektor müssen die einzelnen Titel sorgfältig analysiert werden. Bei den Banken achte ich auf die Größe des Privatkundengeschäfts. Eine hohe Anzahl an Konten, auf die so gut wie keine Zinsen gezahlt werden müssen, ist ein günstiger Weg, sich Geld zu beschaffen.




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