Telekom-Aktien: Nach der Katerstimmung kam die Wende
Der Schuldenabbau läßt die bis vor kurzem verrufenen Titel in der Gunst von Analysten und Anlegern wieder steigen.
Kein Anschluß unter dieser Wertpapier-Kennummer. Das war mehr als zwei Jahre lang das Schicksal der Telekom-Unternehmen. Fast sah es so aus, als gebe es für diese Branche kein Leben nach der dot.com-Blase mehr. Doch nun scheinen sich die Nebel ein wenig zu lichten.
Der Sektor Telekom ist im Dow Jones Euro Stoxx 600 sowohl in den vergangenen fünf Tagen als auch in den vergangenen drei Monaten jener Bereich, der am stärksten zulegen konnte. Nach dem britischen Pharmakonzern Elan (plus 165 Prozent) sind es Werte wie France Télécom (plus 137 Prozent) und die Telekomausrüster Ericsson (plus 90 Prozent) und Alcatel (plus 87 Prozent), die auf Drei-Monats-Sicht die Liste der Kursgewinner Euro Stoxx 600 anführen. Die heimische Telekom Austria legte in diesem Zeitraum immerhin um 35 Prozent zu und schaffte vergangene Woche erstmals die Zehn-Euro-Hürde (siehe untenstehender Artikel).
Konjunkturresistent
Für die Ex-Monopolisten spricht einerseits die im Vergleich zum Umsatz (und vor allem im Vergleich zu den bisher erreichten Kursniveaus) niedrige Bewertung und andererseits die derzeitige Wirtschaftslage: Denn weder der Höhenflug der Ölpreise noch die Stärke des Euro muß den Telekom-Managern Kopfzerbrechen bereiten. Auch die schleppende Konjunktur ist für andere Branche wie etwa dem Einzelhandel ein größeres Problem als für die Telekoms. Dafür profitiert gerade diese stark verschuldete Branche sehr von den derzeit niedrigen Zinsen.
Einen zusätzlichen Schub bekamen Telekom & Co vergangene Woche mit der Heraufstufung des europäischen Sektors von "Neutral" auf "Positiv" durch die Analysten von Lehman Brothers. Besonders empfohlen wurden Werte wie die niederländische KPN, die Deutsche Telekom, der britische Mobilfunkanbieter mmO2 und France Télécom. Etwas weniger vielversprechend aber durchaus interessant sind in den Augen der Lehman-Analysten Vodafone, Portugal Telecom, die norwegische Telenor und Telekom Austria. Besser die Finger lassen sollte man hingegen von Telecom Italia, British Telecom und Telefónica, heißt es bei Lehman. Auch die Investmentbanken Goldman Sachs sowie Credit Suisse First Boston sehen den Telekom-Bereich wieder positiver.
Für Andreas Schiller, Telekom-Spezialist der Raiffeisen Zentralbank, war die extrem hohe Verschuldung hauptverantwortlich für den Absturz der Telekom-Aktien. Die Firmen hätten aber daraus gelernt und ihre ehrgeizigen Investitionsprogramme zusammengestrichen bzw. gestreckt. Um die Schulden abzubauen, haben sich diverse Gesellschaft auch von Nicht-Kernbereichen - etwa Immobilien - getrennt oder sich aus einigen Ländern zurückgezogen.
Die größten Schulden lasten auf der Deutschen Telekom mit rund 64 bis 67 Mrd. Euro und der France Telecom mit etwa 70 Mrd. Euro. Die British Telecom konnte ihre Verschuldung durch den Verkauf der Mobilsparte reduzieren. Damit steht die Gesellschaft fundamental besser da, hat aber weniger Wachstumspotential.
Der France Télécom, die mehrheitlich dem Staat gehört, wurde von der Pariser Regierung relativ früh finanzielle Unterstützung zugesagt. Das kam bei den Investoren gut an, eine neue Anleihe der France Télécom konnte wegen der großen Nachfrage von 3 auf 5,5 Mrd. Euro aufgestockt werden. Möglicherweise wird die Staatshilfe nun gar nicht gebraucht.
Die Deutsche Telekom erzielt mehr Cash-flow als das französische Pendant. Sie wird nach Analystenschätzungen auch bereits 2004 ein positives Nettoergebnis schaffen, die France Télécom wohl erst 2005. Klotz am Bein der Deutschen Telekom ist weiterhin Voice Stream. Ein Verkauf kam bisher nicht zustande, nun wird offenbar versucht, die "Braut" herauszuputzen, damit man später eine noch höhere Mitgift bekommt. Von den beiden Ratingagenturen Moody's sowie Standard & Poor's wird DT nur noch knapp über "Junk" (Ramsch) bewertet.
Wenn der Schuldenabbau der Gesellschaften weiter vorankommt, ist nach Meinung von Schiller bei Telekom-Aktien noch Platz nach oben. Nicht mehr empfehlen würde er einen Einstieg bei der France Télécom, weil dieser Titel schon extrem stark gestiegen ist. Auf der Empfehlungsliste von Schiller rangiert die britische Vodafone ganz oben. Sie sei relativ wenig verschuldet und mit ihren Beteiligungen weltweit gut aufgestellt. Weiters interessant seien die Deutsche Telekom und die spanische Telefónica.
Zukunftsmarkt SO-Europa
Positiv beurteilt Erste Bank-Analyst Konrad Sveceny die Aktie der Telekom Austria. Das Unternehmen konnte den Schuldenabbau auf nunmehr 3,4 Mrd. Euro relativ rasch vorantreiben, weist einen starken Cash-flow auf und hat Kosten und Investitionen zurückgefahren. Der Mobilfunkbereich entwickelt sich dynamisch, positiv wird sich hier die Partnerschaft mit Vodafone auswirken. In Südosteuropa ist die Mobilkom bereits in Kroatien und Slowenien aktiv, der nächste Expansionsschritt soll nach Bosnien führen. Die Erste Bank rät bei der TA zum Kauf, das Kursziel für die kommenden sechs Monate liegt bei elf Euro.
Der Schuldenabbau läßt die bis vor kurzem verrufenen Titel in der Gunst von Analysten und Anlegern wieder steigen.
Kein Anschluß unter dieser Wertpapier-Kennummer. Das war mehr als zwei Jahre lang das Schicksal der Telekom-Unternehmen. Fast sah es so aus, als gebe es für diese Branche kein Leben nach der dot.com-Blase mehr. Doch nun scheinen sich die Nebel ein wenig zu lichten.
Der Sektor Telekom ist im Dow Jones Euro Stoxx 600 sowohl in den vergangenen fünf Tagen als auch in den vergangenen drei Monaten jener Bereich, der am stärksten zulegen konnte. Nach dem britischen Pharmakonzern Elan (plus 165 Prozent) sind es Werte wie France Télécom (plus 137 Prozent) und die Telekomausrüster Ericsson (plus 90 Prozent) und Alcatel (plus 87 Prozent), die auf Drei-Monats-Sicht die Liste der Kursgewinner Euro Stoxx 600 anführen. Die heimische Telekom Austria legte in diesem Zeitraum immerhin um 35 Prozent zu und schaffte vergangene Woche erstmals die Zehn-Euro-Hürde (siehe untenstehender Artikel).
Konjunkturresistent
Für die Ex-Monopolisten spricht einerseits die im Vergleich zum Umsatz (und vor allem im Vergleich zu den bisher erreichten Kursniveaus) niedrige Bewertung und andererseits die derzeitige Wirtschaftslage: Denn weder der Höhenflug der Ölpreise noch die Stärke des Euro muß den Telekom-Managern Kopfzerbrechen bereiten. Auch die schleppende Konjunktur ist für andere Branche wie etwa dem Einzelhandel ein größeres Problem als für die Telekoms. Dafür profitiert gerade diese stark verschuldete Branche sehr von den derzeit niedrigen Zinsen.
Einen zusätzlichen Schub bekamen Telekom & Co vergangene Woche mit der Heraufstufung des europäischen Sektors von "Neutral" auf "Positiv" durch die Analysten von Lehman Brothers. Besonders empfohlen wurden Werte wie die niederländische KPN, die Deutsche Telekom, der britische Mobilfunkanbieter mmO2 und France Télécom. Etwas weniger vielversprechend aber durchaus interessant sind in den Augen der Lehman-Analysten Vodafone, Portugal Telecom, die norwegische Telenor und Telekom Austria. Besser die Finger lassen sollte man hingegen von Telecom Italia, British Telecom und Telefónica, heißt es bei Lehman. Auch die Investmentbanken Goldman Sachs sowie Credit Suisse First Boston sehen den Telekom-Bereich wieder positiver.
Für Andreas Schiller, Telekom-Spezialist der Raiffeisen Zentralbank, war die extrem hohe Verschuldung hauptverantwortlich für den Absturz der Telekom-Aktien. Die Firmen hätten aber daraus gelernt und ihre ehrgeizigen Investitionsprogramme zusammengestrichen bzw. gestreckt. Um die Schulden abzubauen, haben sich diverse Gesellschaft auch von Nicht-Kernbereichen - etwa Immobilien - getrennt oder sich aus einigen Ländern zurückgezogen.
Die größten Schulden lasten auf der Deutschen Telekom mit rund 64 bis 67 Mrd. Euro und der France Telecom mit etwa 70 Mrd. Euro. Die British Telecom konnte ihre Verschuldung durch den Verkauf der Mobilsparte reduzieren. Damit steht die Gesellschaft fundamental besser da, hat aber weniger Wachstumspotential.
Der France Télécom, die mehrheitlich dem Staat gehört, wurde von der Pariser Regierung relativ früh finanzielle Unterstützung zugesagt. Das kam bei den Investoren gut an, eine neue Anleihe der France Télécom konnte wegen der großen Nachfrage von 3 auf 5,5 Mrd. Euro aufgestockt werden. Möglicherweise wird die Staatshilfe nun gar nicht gebraucht.
Die Deutsche Telekom erzielt mehr Cash-flow als das französische Pendant. Sie wird nach Analystenschätzungen auch bereits 2004 ein positives Nettoergebnis schaffen, die France Télécom wohl erst 2005. Klotz am Bein der Deutschen Telekom ist weiterhin Voice Stream. Ein Verkauf kam bisher nicht zustande, nun wird offenbar versucht, die "Braut" herauszuputzen, damit man später eine noch höhere Mitgift bekommt. Von den beiden Ratingagenturen Moody's sowie Standard & Poor's wird DT nur noch knapp über "Junk" (Ramsch) bewertet.
Wenn der Schuldenabbau der Gesellschaften weiter vorankommt, ist nach Meinung von Schiller bei Telekom-Aktien noch Platz nach oben. Nicht mehr empfehlen würde er einen Einstieg bei der France Télécom, weil dieser Titel schon extrem stark gestiegen ist. Auf der Empfehlungsliste von Schiller rangiert die britische Vodafone ganz oben. Sie sei relativ wenig verschuldet und mit ihren Beteiligungen weltweit gut aufgestellt. Weiters interessant seien die Deutsche Telekom und die spanische Telefónica.
Zukunftsmarkt SO-Europa
Positiv beurteilt Erste Bank-Analyst Konrad Sveceny die Aktie der Telekom Austria. Das Unternehmen konnte den Schuldenabbau auf nunmehr 3,4 Mrd. Euro relativ rasch vorantreiben, weist einen starken Cash-flow auf und hat Kosten und Investitionen zurückgefahren. Der Mobilfunkbereich entwickelt sich dynamisch, positiv wird sich hier die Partnerschaft mit Vodafone auswirken. In Südosteuropa ist die Mobilkom bereits in Kroatien und Slowenien aktiv, der nächste Expansionsschritt soll nach Bosnien führen. Die Erste Bank rät bei der TA zum Kauf, das Kursziel für die kommenden sechs Monate liegt bei elf Euro.