Guten Tag !
Nachdem die Zahlen 2015 und die Prognose 2016 nun ein paar Tage "sacken" konnten, will ich mich doch noch einmal etwas fundamentaler mit den Zahlen auseinandersetzen.
Am Kursverlauf kann man sicher schon absehen, dass der ein oder andere Marktteilnehmer von der Prognose für das laufende Geschäftsjahr nicht wirklich "aus dem Sitz gehauen" wurde. Vielmehr ist es wohl so, dass einige Analysten, einige Börsenblätter und damit auch einige Aktionäre bzw. Interessenten da eine bessere Prognose erhofft haben. Wie ich schonmal geschrieben habe, hatten die Analysten beim EpS einen deutlichen Schritt über die 1 Euro Marke erwartet- und beim Ebit irgendwas um die 11 Mio Euro, während das Unternehmen zwar ein steigendes Ebit sieht- aber eben "nur" auf irgendwo zwischen 9,5 Mio und 10,5 Mio Euro.
Schaut man sich nur die Ist-Zahlen an, dann ist ttr mit einem Kurs von um die 17 Euro schon recht gut bezahlt- bei einem EpS von 96 Cent ergibt sich ein KGV von knapp 18. Da ja nach der unternehmensinternen 2016er Prognose der Gewinn je Aktie organisch auch nicht so umwerfend ansteigen soll, würde das KGV auch auf der Basis 2016 wohl nur marginal unter 17 sinken (falls überhaupt).
Ich persönlich erwarte dementsprechend für die nächsten Monate keine großen Sprünge bei der Aktie, solange es keine substantiellen Neuigkeiten aus Sassenberg gibt.
Dennoch werde ich, in Schwächephasen, weiter nachkaufen.
Warum ich das mache? Dafür gibt es mehrere Gründe:
1) Die Bilanzsituation ist absolut solide. Das Unternehmen weist ein Eigenkapital von 68% der Bilanzsumme aus. Zudem ist das Unternehmen nicht nur unterm Strich nicht verschuldet sondern konnte die Nettoliquidität von 4,8 Mio Euro deutlich auf 11,6 Mio Euro steigern.
Schon seit Jahren weist die technotrans AG zudem einen positiven Cashflow aus, so dass man von einer hohen Finanzkraft des Unternehmens ausgehen kann.
In der Bilanz selber finden sich auch keine versteckten Risiken, die Firmenwerte werden nur mit 5,8 Mio Euro ausgewiesen (bei einer Bilanzsumme von 76 Mio Euro entspricht das lediglich einem Anteil von 7,6 %) und das obwohl man drei Firmen (gds, Termotek und KLH) übernommen hat.
Das alles hat man geschafft, obwohl der ursprüngliche Zielmarkt (Druck) in den Jahren seit 2008 komplett eingebrochen ist.
Nur zur Verdeutlichung: In 2007 lag der Umsatz des Unternehmens noch bei 153 Mio Euro, davon alleine 117 Mio Euro im Bereich "technology". Man hat also vor 8 Jahren aus dem Verkauf von Maschinen für die Druckindustrie einen Umsatz erzielt, den heute der gesamte Konzern einschließlich "Service" erreicht- das macht die Dimension der Herausforderung deutlich, vor der technotrans in den letzten Jahren stand.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die technotrans auf einem sehr soliden bilanziellen Fundament steht.
2) Das alleine ist natürlich schonmal positiv zu werten. Die Frage ist aber, wie soll den in der Zukunft aus diesem soliden Fundament Wachstum generiert werden? Anders gesagt: Ein solides Fundament ohne "Phantasie" wird an der Börse auch nicht besonders hoch gehandelt.
Ein, vom Unternehmen ausdrücklich genanntes Asset zur Wachstumsgenerierung ist sicher die Möglichkeit von Unternehmenskäufen- hierfür ist eine solide Bilanz sicher nicht unbedingt Bedingung, erleichtert die geplanten Zukäufe aber ungemein. Die technotrans AG hat derzeit in etwa 20 Mio Euro an liquiden Mitteln zur Verfügung. Daraus lassen sich schon ordentliche Übernahmen finanzieren ohne dass man Banken oder den Kapitalmarkt groß bemühen müsste (dass die technotrans sicher auch zusätzliche Bankkredite in Anspruch nehmen könnte, muss man nicht gesondert betonen, wenn man mal einen Verschuldungsgrad eines einfachen EBITDA annimmt, dann würden weitere 12,5 Mio Euro zur Verfügung stehen- und beim derzeitigen Cashflow wären diese Schulden rechnerisch sicher relativ leicht zu tilgen).
Nur um einen Vergleich zu haben. Für 65% der Anteile an der KLH hat die technotrans in 2012 einen Grundpreis von 4 Mio Euro (plus erfolgsabhängiger Komponente) gezahlt. Die Anteile der Termotek AG wurden im Jahr 2011 für etwas über 3 Mio Euro erworben. Die beiden Gesellschaften trugen in 2015 in etwa 32 Mio Euro zum Gesamtumsatz der technotrans AG bei. Wie hoch der Ebitanteil ist, wird leider nicht gesondert ausgewiesen- ich kann daher auch nur schätzen und vermute mal, dass man irgendwo bei ca. 2,5 Mio liegt (die Ebitmarge bei Termotek lag wenigstens in der Vergangenheit immer höher als die bei KLH- ich meine mich daran zu erinnern, dass Termotek in etwa 10% Ebit erreicht hat und KLH zwischen 5 und 7%).
Auch wenn man davon ausgeht, dass die Preise für vergleichbare Firmen heute höher liegen dürften, kann man aus diesen Zahlen schon ersehen, welches Umsatz- und Ebitpotential die technotrans alleine schon aus ihrem (derzeit ja eher wenig profitablen) Finanzmittelbestand hinzuerwerben kann. Mal ganz davon abgesehen, dass das Unternehmen immer wieder darauf verweist, dass man sich ein Unternehmen auch daraufhin anschaut, ob es für die ttr AG auch technologisch einen "benefit" darstellt.
Zusammenfassung: Aufgrund der bilanziellen und finanziellen Stärke der ttr AG sind profitable und technologisch interessante Zukäufe in einer nennenswerten Größenordnung vergleichsweise problemlos möglich. Ich persönlich erachte einen (oder mehrere) derartigen Zukauf für einen entsprechenden Kurstrigger, weil man damit sowohl "Zahlen" hinzuerwerben würde als auch Technologie.
3) Hinzu kommt, dass ich im Unternehmen selber noch erhebliche Potentiale für eine Ergebnisverbesserung sehe.
Die technotrans AG hat zwei Bereiche- einmal den Bereich "technology", wo es um das "Neugeschäft" geht und dann den Bereich "Service" (in dem auch die Beteiligung an der gds untergebracht ist, was nicht so leicht nachzuvollziehen ist).
Ich persönlich würde es sehr viel übersichtlicher finden, wenn man die technotrans AG in mehr Segmente aufteilen könnte- z.B. in Service, Drucktechnologie, Laser, ttis (in der die neuen Anwendungen, wie Sprühbeölung, Sannertechnik, Energiespeichertechnik etc.) geführt werden und gds (wobei gds von mir aus auch bei Service bleiben könnte). Dass der Vorstand sich darauf nicht wirklich einlassen will, kann ich zwar irgendwo nachvollziehen, macht das Unternehmen und die vom Unternehmen erzielten Fortschritte mMn aber etwas intransparent. Nun ja, es lässt sich offenbar nicht ändern!
Der Bereich "Service" ist dabei bei ttr der wohl unspektakulärere Bereich aber von immenser Wichtigkeit, wenns um die Ertragsstärke geht. Im letzten Jahr hat ttr mit dem Servicebereich ein Ebit von 6,8 Mio Euro generiert- jedes Quartal lag dabei zwischen 1,6 und 1,8 Mio Euro. Selbst im Krisenjahr 2009, wo ttr insgesamt ein Ebit von knapp minus 12 Mio Euro gezeigt hat, hat der Servicebereich noch positiv 4 Mio Euro beigetragen. Im Prinzip hat ttr bis ins Jahr 2013 immer nur die Serviceergebnisse ausgewiesen (jeweils abzüglich der entstandenen Verluste aus der "technology-Sparte").
Dieser Bereich wird sicher auch in den nächsten Jahren nicht sprunghaft wachsen, profitiert aber davon, dass man nun neben den weniger zahlreich werdenden Druckmaschinen auch andere Anwendungen im Bereich Industrie und Laser bedient. Deshalb gehe ich davon aus, dass man in den nächsten Jahren aus dem Bereich "Service" einen Ebitbeitrag von 7 Mio Euro plus kleines x erwarten kann- das ist schonmal eine stabile Grundlage.
Nun wird es leider etwas ungenau, eben weil die ttr AG ihre Segmente nicht kleinteilig (genug) ausweist. Im großne Bereich "technology" befinden sich Umsätze mit Offsetdruck (wohl eher auf sehr niedrigem Niveau, verglichen mit früher, stagnierend), mit Digital- und Flexodruck (sicher eher etwas wachsend), aber eben auch die Umsätze der Termotek und der KLH sowie eben auch die Umsätze aus den neuen Anwendungen, also der ttis.
Im Prinzip ist der Bereich "technology" erst seit 2014 profitabel- in 2014 lag das Ebit noch bei mageren 0,4 Mio Euro (aber eben immerhin positiv) in aber 2015 schon bei 2,1 Mio Euro.
Wenn ich nun aber unterstelle, dass der Ergebnisanteil von Laser in 2015 (also von Termotek und KLH) bei etwa 2,5 Mio Euro im Ebit liegt, dann ist das Ebit aus den Bereichen "Druck" und "ttis" immer noch leicht negativ bis in etwa ausgeglichen. Leider lässt sich das, wie schon geschrieben, nicht wirklich genau sagen. Was sich aber sagen lässt ist, dass damit der Druck- und ttis-Bereich noch erhebliches Potential hat, die Ergebnisse zu verbessern. Das Potential lässt sich heben, wenn die Umsätze entsprechend gesteigert werden.
Nimmt man nur mal die Prognose von ttr für das laufende Jahr und unterstellt dabei, dass der Bereich Service 7 Mio Euro Ebit verdient und der Bereich Laser etwa 2,7 Mio Euro, dann müsste der Bereich "Druck und ttis" ja knapp 1 Mio Euro Ebit verdienen, wenn sich der Umsatz auf 132 Mio Euro erhöhen würde.
Man kann daher sicher annehmen, dass der in 2015 erzielte Umsatz im Bereich "Druck und ttis" (das müssten dann so in etwa 48 Mio Euro gewesen sein- entsprechend 60% des Umsatzes im Bereich "technology") in etwa dem "break-even Umsatz" in diesem Bereich entspricht und dementsprechend vedient alles was an Umsatz in diesem Bereich hinzu kommt Ebit.
Nimmt man nun die Prognose von 132 Mio Euro Umsatz bei einem Ebit von 10,5 Mio Euro, und unterstellt man weiterhin, dass Service und Laser umsatzseitig in etwa so wachsen wie in 2015 würden aus Service gut 44 Mio Euro Umsatz kommen und aus dem Laserbereich etwa 35 Mio Euro. Damit würden für den Bereich "Druck und ttis" noch gut 50 Mio Euro übrig bleiben. Aus diesen 2 Mio Euro Mehrumsatz würde ein Ebit von etwa 0,8 Mio Euro resultieren, mithin eine Ebitmarge von knapp 4% auf den Mehrumsatz und knapp 2% auf den Gesamtumsatz in dem Bereich. Dass auch das für einen Maschinenbauer noch nicht das Ende der Fahnenstange sein sollte, dürfte allen Interessierten klar sein.
Üblicherweise sollten bei einem Technologienabieter wenigstens 7 % Marge möglich sein (wie gesagt, Termotek hatte zuletzt 10%, KLH stand in etwa bei 7%).
In 2007 (also vor der Krise) hatte der Bereich "technology" bei einem Umsatz von 117 Mio Euro ein Ebitanteil von (von mir geschätzt) etwa 8 bis 8,5 Mio Euro- mithin eine Marge von gut 7%. Da das Unternehmen insgesamt schlanker geworden ist, müsste diese Marge heute schon sehr viel früher erreicht werden können (wenn der "break-even-Umsatz" bei etwa 50 Mio Euro in diesem Bereich liegt).
Wenn man sich mal die Langzeitprognose anschaut (150 Mio Euro Umsatz bei ca. 15 Mio Euro Ebit), wird dies auch deutlich. Wenn diese Werte in 2018 erreicht werden sollen, dann wird Service bis dahin etwa 49 Mio Euro Umsatz machen (Wachstum ca. 6% pro Jahr) , Laser etwa 43 Mio Euro (Wachstum ca. 10% pro Jahr) und für "Druck und ttis" bleiben dann noch 58 Mio Euro.
Das Ergebnis von 15 Mio Euro würde sich dann mit 7,8 Mio Euro (Marge wie in 2015 ca. 16%) auf den Bereich "Service" aufteilen, 3,5 Mio Euro kämen aus dem Bereich Laser (Marge bei 8 % geschätzt) und 3,5 Mio Euro aus dem Bereich Druck und ttis.
Das wären dann in der Tat knapp 6% Ebitmarge auf den angenommenen Umsatz von 59 Mio Euro.
Natürlich sind die Zahlen erstens verwirrend und zweitens teilweise geschätzt (und da beiden zusammenkommt, kann es auch sein, dass ich irgendwo auch Fehler eingebaut habe- dann würde ich mich freuen, wenn man mir das auch mitteilt;) ). Wie ich schon ausgeführt habe, bleiben einem bei den differenzierten Zahlen aus dem Bereich "technology" nur Schätzungen, weil ds Unternehmen diese nicht veröffentlicht.
Der (kurze) Sinn dieser langen "Rede" ist aber, so hoffe ich wenigstens, klar geworden. Die technotrans AG ist grade im Bereich "Druck und ttis" noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Derzeit dürfte das Geschäft dort leidglich bei plus/minus Null ergebnisseitig laufen. Der Vorstand hat jedoch mehrfach betont, dass man kostenseitig auch deutlich höhere Umsätze fahren kann, ohne dass proportionale Mehrkosten entstehen. Dadurch dürfte das Ebitwachstum bei einem entsprechenden Umsatzwachstum auch deutlich überproportional sein.
Auch hier sehe ich einen Kurstrigger für die Zukunft, denn ttr arbeitet ja sehr intensiv daran, die eigene Produktion sehr viel stärker auszulasten und die neuen Märkte sehr intensiv zu bearbeiten.
Alles in allem bin ich der Auffassung, dass die technotrans AG perspektivisch durchaus noch gute Kurschancen bieten sollte- die Gründe dafür haben ich aufgeführt.
Ich würde mich natürlich auch darüber freuen, wenn es hier auch noch andere Teilnehmer geben würde, die die Zahlen und Prognosen mit diskutieren möchten- natürlich auch gerne mit abweichender Meinung!
Denn dieser Beitrag stellt, wie immer nur meine persönliche Meinung dar und ist keine Aufforderung an andere Teilnehmer entsprechend zu handeln.
Ein schönes Wochenende allers