Engelbert Hörmannsdorfer
Technologieblase? Bankenblase!
FED-Chef Alan Greenspan zeigte sich kürzlich lernfähig: »Es hat sich einmal mehr gezeigt: eine Blase erkennt man erst, wenn sie zerplatzt ist.« Wohl wahr. Und allgemein wird in den Medien das Platzen der Technologieblase rezitiert.
Sicherlich richtig. Aber wenn Sie sich die Entwicklungen der letzten Monate und Wochen genau anschauen, dann müsste Ihnen eigentlich klar werden: Der Rutsch eines einzigen Industriesegments, das in allen Volkswirtschaften weniger als 10 Prozent zum BIP beiträgt, kann nicht solche Verwerfungen hervorrufen. Dass sich beispielsweise der heimische Dax von über 8.000 Punkten aktuell mehr als drittelte, muss andere Ursachen haben.
Ich glaube, die tieferen Ursachen liegen in der Finanzbranche: Banken und Versicherer lebten zu lange über ihre Verhältnisse. Erinnern Sie sich: Zinsen und Aktienkurse stiegen über einen längeren Zeitraum nahezu gleichzeitig – und seit knapp zwei Jahren fallen sie auch im Gleichschritt. Dieser Zustand ist erstens höchst selten, und zweitens in der ökonomischen Theorie eigentlich nicht vorgesehen.
Also lief in der Vergangenheit irgend etwas schief – und das müssen wir jetzt alle ausbaden. Schief lief ein Immobilienboom in den achtziger Jahren. An dem knabbert Japan noch heute. Er lief auch bei uns schief. Bloss mit dem Unterschied, dass er durch die Wiedervereinigung wesentlich länger dauerte – und durch einen Börsenboom abgelöst wurde. Mit den üppigen Geldern aus diesem Boom konnte die Schieflage aus den Immobilien zumindest vorübergehend egalisiert werden.
Aber nun platzte der Börsenboom – und es kam kein anderer, neuer Boom. Fatale Folge: Die Beteiligungen wurden immer weniger wert, und immer weniger wert.... Schliesslich wurden die Banken und Versicherungen selbst weniger wert, was besonders kritisch ist, da die Geldhäuser nahezu alle untereinander verflochten sind und grosse Beteiligungen oft wechselseitig halten.
Es ist momentan eine Teufelsspirale nach unten. Um die Mindestverzinsung aufrecht zu erhalten, muss die Assekuranz teilweise schon an ihre stillen Reserven heran – Werte, die sie in manchmal hundertjähriger Geschichte angesammelt haben. Bei einem Dax-Stand von 3.200 hatte Allianz-Vorstandschef Gerhard Rupprecht eingeräumt, dass die stillen Reserven aufgezehrt seien. In dieser Woche haben wir die 2.600er Marke unterschritten, liegen also über 18 Prozent drunter!
Freilich leiden alle Institute gemeinsam unter der schwachen Konjunktur, der Krise an den Finanzmärkten und den hohen Risiken im Firmenkreditgeschäft. Aber die Geister, die die Großbanken riefen, hat nun die Geldbranche selbst getroffen. Es war die Kultur der Geldhäuser, im Börsenkurs den entscheidenden Maßstab für die Substanz eines Unternehmens zu sehen. Darüber hinaus war Globalisierung um jeden Preis angesagt.
Ich glaube nicht, dass die Teufelsspirale so schnell durchbrochen werden kann. Dazu wären sehr schnell sehr deutlich höhere Dax-Stände nötig. Doch woher sollen diese Mittel kommen? Also werden die Börsenkurse weiter sinken, die Reserven weiter abschmelzen, die Verluste weiter steigen, die Eigenkapitalquoten weiter sinken. Die Folge werden noch restriktivere Kreditvergabe an die Wirtschaft sein, was weitere Pleiten bedeutet. Dadurch nehmen die faulen Kredite der Banken noch mal zu – was weitere Geldhäuser in eine noch grössere Bredouille bringt.
Sie sehen, die Abwärtsspirale ist wirklich nicht leicht zu durchbrechen. Ich möchte zwar nicht gerade das Japan-Syndrom beschwören, aber die Indizien, dass es hier zu Lande genauso kommt, häufen sich. Sicher ist meiner Meinung nach eines: Vor unserer deutschen Volkswirtschaft liegt ein Tal der Tränen. Ich hoffe nur, dass es zum Durchschreiten »nur« ein paar Jahre dauert – und nicht über ein Jahrzehnt wie in Japan.
Engelbert Hörmannsdorfer
Technologieblase? Bankenblase!
FED-Chef Alan Greenspan zeigte sich kürzlich lernfähig: »Es hat sich einmal mehr gezeigt: eine Blase erkennt man erst, wenn sie zerplatzt ist.« Wohl wahr. Und allgemein wird in den Medien das Platzen der Technologieblase rezitiert.
Sicherlich richtig. Aber wenn Sie sich die Entwicklungen der letzten Monate und Wochen genau anschauen, dann müsste Ihnen eigentlich klar werden: Der Rutsch eines einzigen Industriesegments, das in allen Volkswirtschaften weniger als 10 Prozent zum BIP beiträgt, kann nicht solche Verwerfungen hervorrufen. Dass sich beispielsweise der heimische Dax von über 8.000 Punkten aktuell mehr als drittelte, muss andere Ursachen haben.
Ich glaube, die tieferen Ursachen liegen in der Finanzbranche: Banken und Versicherer lebten zu lange über ihre Verhältnisse. Erinnern Sie sich: Zinsen und Aktienkurse stiegen über einen längeren Zeitraum nahezu gleichzeitig – und seit knapp zwei Jahren fallen sie auch im Gleichschritt. Dieser Zustand ist erstens höchst selten, und zweitens in der ökonomischen Theorie eigentlich nicht vorgesehen.
Also lief in der Vergangenheit irgend etwas schief – und das müssen wir jetzt alle ausbaden. Schief lief ein Immobilienboom in den achtziger Jahren. An dem knabbert Japan noch heute. Er lief auch bei uns schief. Bloss mit dem Unterschied, dass er durch die Wiedervereinigung wesentlich länger dauerte – und durch einen Börsenboom abgelöst wurde. Mit den üppigen Geldern aus diesem Boom konnte die Schieflage aus den Immobilien zumindest vorübergehend egalisiert werden.
Aber nun platzte der Börsenboom – und es kam kein anderer, neuer Boom. Fatale Folge: Die Beteiligungen wurden immer weniger wert, und immer weniger wert.... Schliesslich wurden die Banken und Versicherungen selbst weniger wert, was besonders kritisch ist, da die Geldhäuser nahezu alle untereinander verflochten sind und grosse Beteiligungen oft wechselseitig halten.
Es ist momentan eine Teufelsspirale nach unten. Um die Mindestverzinsung aufrecht zu erhalten, muss die Assekuranz teilweise schon an ihre stillen Reserven heran – Werte, die sie in manchmal hundertjähriger Geschichte angesammelt haben. Bei einem Dax-Stand von 3.200 hatte Allianz-Vorstandschef Gerhard Rupprecht eingeräumt, dass die stillen Reserven aufgezehrt seien. In dieser Woche haben wir die 2.600er Marke unterschritten, liegen also über 18 Prozent drunter!
Freilich leiden alle Institute gemeinsam unter der schwachen Konjunktur, der Krise an den Finanzmärkten und den hohen Risiken im Firmenkreditgeschäft. Aber die Geister, die die Großbanken riefen, hat nun die Geldbranche selbst getroffen. Es war die Kultur der Geldhäuser, im Börsenkurs den entscheidenden Maßstab für die Substanz eines Unternehmens zu sehen. Darüber hinaus war Globalisierung um jeden Preis angesagt.
Ich glaube nicht, dass die Teufelsspirale so schnell durchbrochen werden kann. Dazu wären sehr schnell sehr deutlich höhere Dax-Stände nötig. Doch woher sollen diese Mittel kommen? Also werden die Börsenkurse weiter sinken, die Reserven weiter abschmelzen, die Verluste weiter steigen, die Eigenkapitalquoten weiter sinken. Die Folge werden noch restriktivere Kreditvergabe an die Wirtschaft sein, was weitere Pleiten bedeutet. Dadurch nehmen die faulen Kredite der Banken noch mal zu – was weitere Geldhäuser in eine noch grössere Bredouille bringt.
Sie sehen, die Abwärtsspirale ist wirklich nicht leicht zu durchbrechen. Ich möchte zwar nicht gerade das Japan-Syndrom beschwören, aber die Indizien, dass es hier zu Lande genauso kommt, häufen sich. Sicher ist meiner Meinung nach eines: Vor unserer deutschen Volkswirtschaft liegt ein Tal der Tränen. Ich hoffe nur, dass es zum Durchschreiten »nur« ein paar Jahre dauert – und nicht über ein Jahrzehnt wie in Japan.
Engelbert Hörmannsdorfer