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Der Artikel bringt das Vertrauensdesaster auf den Punkt. So ist das halt, wenn ein Management dem Markt seit dem IPO permanent viel zu optimistische Wachstumsaussichten verkauft hat. Mit der 1E Übernahme und der danach veröffentlichten Mittelfristprognose, die für TMV eine Rückkehr zu zweistelligen Wachstumsraten und den Weg zur Umsatzmilliarde beschrieb, ging dieses Desaster munter weiter. In ebendieser Mittelfristprognose war all das verarbeitet, was den geradezu irrwitzig hohen Kaufpreis für ein bottom line (noch) nicht profitables Unternehmen mit gerade einmal 70 Mio EUR Jahresumsatz und wie wir im Nachhinein wissen, einem alles andere als "sicher" vorgezeichnetem Wachstumspfad rechtfertigen sollte. Als Unternehmensbewerter macht mich die Naivität, mit der hier seitens des TMV Topmanagements offensichtlich gegen die Grundsätze ordnungsmäßiger Planung und eherne Bewertungsprinzipien wie das Stichtagsprinzip und die Wurzeltheorie verstoßen wurde, einigermaßen fassungslos. Im IPO Prospekt wurde Anlegern im Interesse von Permira das Blaue vom Himmel erzählt... bereits kurze Zeit später stellte man fest, dass man die angeblich für die Ewigkeit im Geschäftsmodell angelegten zweistelligen Wachstumsraten urplötzlich mit wahnwitzig teuren Marketingengagements erkaufen muss...
Kaum waren die Werbeverträge ausgelaufen, kam das Management mit einer 700 Mio EUR teuren 1E Übernahme um die Ecke, die TMVs Wachstumsraten zurück in die Zweistelligkeit hieven sollte... dabei sollte TMV mit der beim IPO vorhandenen Unternehmenssubstanz doch dauerhaft in der Lage sein, organisch zweistellig zu wachsen und bereits in 2025 die Umsatzmilliarde zu erreichen...
CAPEX in Form sündteurer Werbekosten oder einer 1E Übernahme zur Wachstumsfinanzierung waren in den Planzahlen niemals vorgesehen... die erwirtschafteten Free Cashflows sollten den Anteilseignern zugute kommen und nicht über Jahre zur Deckung von Finanzierungskosten und Schuldentilgung verwendet werden müssen und mithin vor allem zur Befriedigung der FK-Geber dienen.
Dass die ausgewiesenen Free Cashflows in den letzten Jahren nicht nachhaltig sein konnten, war anhand einer klaffenden Lücke zwischen Abschreibungen und Investitionen erkennbar.
Bekanntlich kann ein Unternehmen im eingeschwungenen Zustand nicht nachhaltig FCFs aus Substanzverzehr (AfA > Investitionen) erzielen.
Genau das wurde in dauerhaft signifikant über dem Konzerngewinn liegenden FCF Prognosen dem Markt aber suggeriert.
Und der Markt hat dieser Illusion nur allzu gern geglaubt, bis die ewige FCF-Wachstums-Seifenblase geplatzt ist. Erst mit extremen Werbedeals... dann mit dem 1E Zukauf... weil organisches Wachstum bei TMV mit dem Einbruch der Wachstumsraten der Billings im SMB Geschäft, faktisch beendet war...
Die mit dem Geschäftsbericht 2025 erwartete neue Mittelfristprognose bis 2028 dürfte vielen Marktteilnehmern nochmals drastisch vor Augen führen, dass die 2025 publizierten Wachstumsprognosen reines Wunschdenken waren.
Das seit Jahresanfang nochmals deutlich gesteigerte Shortinteresse erkläre ich mir mit der Erwartung des Platzens einer weiteren Seifenblase, nämlich der Erwartung, dass 2025 ein durch die USD Schwäche und Trumpsche Zollpolitik geprägtes Ausnahmejahr war und TMV in 2027 tatsächlich wieder signifikant steigendes Umsatzwachstum verzeichnet, sprich der Unterschied zur 2025er Mittelfristprognose im Wesentlichen in Fehlannahmen für 2025 und 2026 begründet ist.
Ich glaube das offen gesagt nicht und halte eine signifikante Beschleunigung des organischen Umsatzwachstums für reines Wunschdenken.
Anleger sollten sich mit dem Gedanken anfreunden, dass TMV künftig kein signifikant über der Inflationsrate liegendes organisches Umsatzwachstum erzielen wird und daher die Verschuldung nicht gewissermaßen weginflationieren kann, sondern in den nächsten 4 Jahren effektiv die nicht wettbewerbskonforme Nettoverschuldung tilgen muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der überwiegende Teil der Peergroup verfügt über Net Cash. Die Hybris eines dt. Winzlings, trotz bestehender Nettoverschuldung Aktienrückkäufe zu tätigen und die 1E Übernahme komplett fremdfinanziert statt durch einen Aktientausch umzusetzen, fällt uns Anlegern jetzt auf die Füße.
Eine schwache Bilanz mit selbst nach 50 Crash noch immer meilenweit unter der Marktkapitalisierung liegendem bilanziellen Eigenkapital (31.12.25 ca 150 Mio EUR vs 900 Mio EUR MKAP)
gepaart mit einer Nettofinanzverschuldung von 900 Mio EUR und schwächelndem Wachstumsraten ist eine ganz miese Mischung, die Shortseller anzieht, wie Licht die Motten.
Dass die Aktivseite der Bilanz dann auch noch einen Firmenwert von 1 MRD EUR beinhaltet und nicht etwa vergleichsweise wertbeständiges tangibles Anlagevermögen wie Immobilien, ergibt einen beinahe toxischen Mix für ein Unternehmen, dem jegliches Anlegervertrauen abhanden gekommen ist.
Die kurz- und mittelfristigen Aussichten für die TMV Aktie stehen und fallen mit dem Anlegervertrauen, da die oben geschilderten Bilanzstrukturen sich auf Sicht der nächsten Jahre nur step by step verbessern werden, solange der Fehler der Aktienrückkäufeund des fremdfinanzierten 1E Kaufs nicht durch eine Barkapitalerhöhung bereinigt wird, die den Aktienkurs zweifellos massiv belasten würde, weil sie einer Kapitulation und dem Eingeständnis eklatanten Managementversagens gleichkäme.
Der Hebel für steigende TMV Kurse liegt demnach in der Rückgewinnung des Anlegervertrauens durch nachhaltige (Über-) Erfüllung von Management Prognosen und eine drastische Umstellung der Marktkommunikation auf Transparenz und Verlässlichkeit.
Dass in dem unverändert hochprofitablen Unternehmen erhebliche Substanz steckt, kann jedermann anhand des ultraniedrigen KGV und KCV erkennen.
TMV muss diese Substanz durch konservative Bilanz- und Kommunikationspolitik nun aber auch auf die Strasse bringen!
Angesichts der schwachen EK Ausstattung wird der Kapitalmarkt m.E. sehr genau auf die Bilanzierung des aus der 1E Übernahme entstandenen Firmenwerts achten. TMV muss den Anlegern glaubhaft versichern können, dass in der Goodwillposition nicht der ultimative Brandsatz für die EK-Ausstattung und eine drohende Kapitalerhöhung liegt. Das in der Bilanz zum 30.9.25 gesehene Verhältnis zwischen 130 Mio EUR EK und insgesamt 1 MRD Goodwill kann die notwendige Vertrauensbildung massiv beeinträchtigen, sofern es dem Management nicht gelingt, die Anleger von positiven Zukunftsaussichten des Unternehmens und mithin einer selbst unter ungünstigen Zukunftsszenarien gegebenen Werthaltigkeit des bilanzierten Goodwills zu überzeugen.
Ein Selbstläufer bzw. eine gemähte Wiese ist TMV aktuell definitiv nicht. Daher steht der Kurs da wo er ist und existiert trotz 90% Crashs vom Allzeithoch erhebliches Shortinteresse.
Wenn das Management liefert, kann das exorbitante Shortinteresse natürlich auch den Boden einer signifikanten Kurserholung darstellen.
US Shorties haben 2025 per saldo Milliardenverluste erwirtschaftet. Es ist mitnichten so, dass Shortstrategien stets wahnsinnig erfolgreich oder Shorties gar die besseren Anleger wären.
Bezogen auf den Zeitraum zwischen IPO 2019 und heute haben Shorties bei TMV ins Schwarze getroffen. Permira hat sich auf Kosten der übrigen Anleger unfassbar bereichert.
>5 MRD EUR Gewinn bei einem heutigen Restwert der MKAP <900 Mio EUR... Umverteilung von unten nach oben in einem schier unglaublichen Ausmaß... ohne strafrechtliche Verfolgung...
Kein Wunder, dass das Anlegervertrauen bei TMV systematisch zerstört ist und Shorties diese Situation für sich nutzen wollen...
Ein Thriller zwischen Angst und Gier...
Ich setze weiterhin auf eine Rückkehr des Anlegervertrauens unter realistischeren Zukunftsprognosen und eine nachhaltige Trendwende des Aktienkurses in 2026, bleibe daher langfristig investiert und "ertrage" das kurzfristige Auf und Ab...