Tausende Betriebe suchen einen neuen Chef


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Tausende Betriebe suchen einen neuen Chef

 
14.06.03 14:36
Planung erfolgt oft zu spät

In den nächsten Jahren stellt sich bei zahlreichen Unternehmen in Baden-Württemberg die Nachfolgefrage. Da viele Eigner nicht in der Familie fündig werden, verkaufen sie den Betrieb. Oft wird die Entscheidung allerdings zu lange hinausgeschoben.

Von Andreas Schröder

Lange Zeit war die Neugründung von Unternehmen das Thema Nummer eins bei den Industrie- und Handelskammern. Mittlerweile ist das Problem der Nachfolge in den Betrieben in den Vordergrund gerückt. In den kommenden fünf Jahren stellt sich nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart bei knapp 60 000 mittelständischen Betrieben in Baden-Württemberg die Nachfolgefrage. Ähnlich dramatisch ist die Situation im Handwerk. Mehr als ein Drittel der 28 000 Betriebe in der Region Stuttgart stehen vor einem Generationswechsel, wie Franz Falk, Geschäftsführer für den Bereich Beratung bei der Handwerkskammer Region Stuttgart, sagt. Für knapp 10 000 Handwerksbetriebe wird also in absehbarer Zeit ein neuer Chef gesucht. Und der kommt immer öfter von außen, weil sich in der eigenen Familie niemand findet.

Viele Unternehmer begreifen den Ernst der Lage nach Einschätzung der Kammern allerdings nicht. Die Nachfolgeregelung werde oft immer weiter hinausgeschoben. Verkaufswillige befassten sich häufig erst dann mit dem Thema, wenn sie älter als 60 Jahre seien. "Das Bewusstsein ist da, aber die Planung erfolgt zu spät", sagt Falk. Um einen Unternehmensverkauf reibungslos über die Bühne zu bringen, empfehlen die Kammern, sich bereits mit etwa Mitte 50 Gedanken zu machen. Denn wenn eine Übergabe scheitere, dann sei die Existenz des Betriebes und der Arbeitsplätze gefährdet.

Erschwerend komme hinzu, dass es in der derzeit schlechten konjunkturellen Lage ohnehin schwierig sei, einen Nachfolger zu finden, sagt Falk. Denn kleinere Betriebe hätten es unheimlich schwer, sich zu behaupten. Da sei das Interesse, sich zu engagieren, gering. Darüber hinaus würden viele potenzielle Übernehmer von dem hohen Kapitalbedarf von durchschnittlich 200 000 Euro abgeschreckt. In den meisten Betrieben stünden Neuinvestitionen an, die Aufträge müssten vorfinanziert werden.

Zudem seien Bewerber oft nicht ausreichend qualifiziert. "Viele wissen nicht, was auf sie zukommt", sagt Falk. In Veranstaltungen und Einzelberatungen versuchen die Kammern, Verkäufer und potenzielle Unternehmer zu unterstützen.
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