Thomas Cook schickt Karstadt Quelle in die roten Zahlen
Europas größter Warenhaus- und Versandhandels-Konzern Karstadt Quelle ist im ersten Quartal 2002 tiefer in die Verlustzone gerutscht. Grund dafür sei die Einbeziehung der Reisetochter Thomas Cook.
Konzernchef Wolfgang Urban hat zugegeben, dass sein mttelfristig angepeiltes Ergebnisziel nicht mehr zu erreichen ist. Karstadt wollte 2003 ein Ergebnis von 660 Mio Euro einfahren, hatte Urban bei seinem Amtsantritt von anderthalb Jahren angekündigt. "Nicht vorhersehbare externe Faktoren wirken sich signifikant negativ auf unsere Entwicklung aus", sagte Urban bei der Vorstellung der Zahlen am Mittwoch in Düsseldorf. Schuld habe die schlechte Konsumkonjunktur und die Reisetochter Thomas Cook.
Beim Vorsteuerergebnis (Ebit) für Januar bis März 2002 verbuchte das Unternehmen nach vorläufigen Zahlen einen Verlust von 120 Mio. Euro nach einem Fehlbetrag von 80 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Ohne die erstmalige Einbeziehung der gemeinsam mit der Lufthansa betriebenen Tochter Thomas Cook wäre das Quartalsergebnis ausgeglichen gewesen, teilte das Handelshaus mit.
Den Umsatzrückgang im ersten Quartal bezifferte Karstadt Quelle nun mit 4,7 Prozent auf 3,75 Mrd. Euro. Dabei verbuchte der stationäre Handel (Warenhäuser und Fachgeschäfte) mit 7,7 Prozent einen stärkeren Umsatzrückgang als der Versand (Quelle und Neckermann) mit 1,7 Prozent.
Eine Prognose für das Gesamtjahr wollte Karstadt Quelle nicht geben. "Wir halten es angesichts der unklaren gesamtwirtschaftlichen Perspektiven derzeit nicht für seriös, eine Prognose abzugeben - weder zum Umsatz noch zum Ergebnis", sagte Urban. Sollte die Einzelhandelskonjunktur in den nächsten Monaten schwach bleiben, müssten allerdings die Ziele für 2003 überarbeitet werden. Nach früheren Prognosen peilt Karstadt Quelle für das kommende Jahr ein Ergebnis von 730 Mio. Euro an. Nach der neuen Rechnungslegung nach IAS entspräche dies einem Wert von 660 Mio. Euro.
Preussag kann Ziele nicht erreichen
Der unerschütterliche Optimismus von Preussag-Chef Michael Frenzel hat einen Dämpfer verpasst bekommen. Nun muss ein millionenschweres Sparpaket geschnürt werden.
Nach der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen zweifelte der Vorstandsvorsitzende des weltweit größten Touristik-Konzerns am Donnerstag erstmals daran, sein ursprüngliches Ziel in diesem Geschäftsjahr erreichen zu können. Danach war vorgesehen, das Ergebnis in allen Sparten um 20 Prozent auf 900 Mio. Euro zu steigern. "Ob wir die 20 Prozent schaffen, ist offen. Ich glaube derzeit wohl eher nicht", sagte Frenzel gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Dennoch erwarte er auch bei der derzeitigen wirtschaftlichen Unsicherheit ein Konzernergebnis, das deutlich über dem Rekordergebnis des Vorjahres von 747 Mio. Euro liegt. Für die Monate Januar bis September präsentierte die Preussag am Donnerstag ein um 21 Prozent verbessertes Spartenergebnis von 832 Mio. Euro. Um Einbußen in der Touristik und in anderen Bereichen im vierten Quartal aufzufangen, hat Frenzel kurzfristig ein Sparprogramm über 40 Mio. Euro angeordnet.
Preussag-Aktie Schlusslicht im Dax
Die Preussag-Aktie sackte am Donnerstag im Tagesverlauf um bis zu 2,7 Prozent auf 27,74 Euro. Am Abend schlossen die Papiere mit einem Minus von zwei Prozent bei 27,94 Euro. In Folge der Terroranschläge in den USA hatte der Konzern innerhalb weniger Tage fast ein Drittel seines Börsenwertes eingebüßt; vorübergehend war der Kurs auf unter 23 Euro gesackt und hatte damit ein Zwei-Jahres-Tief erreicht.
Seit den Attentaten vom 11. September verzeichnet die Reisebranche einen deutlichen Buchungsrückgang. Das bundesweit führende Reservierungssystem Start Amadeus hatte für September 15 Prozent weniger Reiseverkäufe gemeldet. Mittlerweile zögen die Buchungen zwar wieder an, so der letzte Stand von Start Amadeus. Die Nachfrage liege allerdings noch unter dem Vorjahr. Der Branchenzweite, Thomas Cook, hatte bereits vor vier Wochen ein Sparpaket über eine halbe Mrd. Euro angekündigt, dass nun schon zu zwei Dritteln umgesetzt ist.
Gruppenzwang zum Sparen
Frenzel kommt mit seinem "kurzfristigen Sparpaket" erst jetzt aus der Deckung, obwohl Branchenkenner schon vorher damit gerechnet hatten, dass die Initiative des Wettbewerbers auch die Hannoveraner in Zugzwang bringen würde. Angelaufen ist das Programm zur Kostensenkung nach Angaben von Konzernsprecher Frank Laurich bei der Preussag indes auch schon "vor einigen Wochen". Bei der auf Geschäftsreisen spezialisierten Tochter TQ3 sind auch bereits 72 der bundesweit 3400 Mitarbeitern gekündigt worden. Bei der britischen Tochter Thomson Travel werden 400 der insgesamt 1400 Stellen abgebaut. Das habe laut Frenzel allein mit der Eingliederung der neuen Tochter in den Konzern zu tun.
Das Maßnahmenpaket beinhaltet nach den Angaben Frenzels offensichtlich keine Einschnitte beim Personal: "Dieses Sachkostenprogramm umfasst alle Bereiche, außer dem Marketing, und soll uns noch in diesem Jahr 40 Mio. Euro einbringen." In der Sparte Touristik seien für die laufende Wintersaison Kapazitäten in Großbritannien (minus 10 Prozent) und Skandinavien (minus 20 Prozent) gekürzt worden. Weiter konkretisiert die Preussag ihre Einsparungen nicht.
Zehn Prozent weniger Buchungen
Erstmals gab Frenzel am Donnerstag auch über die aktuelle Buchungssituation für den gesamten Konzern Auskunft. Derzeit lägen die Buchungen für die Wintersaison konzernweit um zehn Prozent unter dem Vorjahr. Da die Buchungen laut Frenzel seit vier Wochen wieder auf Vorjahresniveau liegen, muss der Einbruch vorher deutlich drastischer ausgefallen sein. Thomas Cook hatte den eigenen Nachfragerückgang bislang schon mit zwölf Prozent beziffert.
Zumindest das dritte Quartal (Ende September) haben die Buchungsrückgänge nicht übermäßig belastet. Im Bereich Touristik stieg der Umsatz um elf Prozent auf 4,6 Mrd. Euro, das Ergebnis lag bei 528 Mio. Euro. Das gesamte Betriebsergebnis vor Steuern und Abschreibungen war mit 485 Mio. Euro unter den Erwartungen geblieben. Einen Gewinneinbruch um 40,8 Prozent auf 382 Mio. Euro lieferte die Industrie-sparte. Der Konzerngewinn stieg in den ersten neun Monaten um 1,2 Prozent auf 395 Mio. Euro. Der Konzernumsatz verbesserte sich um drei Prozent auf 18,3 Mrd. Euro.
ftd