Swiss, Swissair oder Air Switzerland?


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Swiss, Swissair oder Air Switzerland?

 
17.03.02 07:17

1,2 Milliarden geboten


Der Interessent für die Marke Swissair ist die Berkeley Group
Das Geheimnis ist gelüftet: Die amerikanisch-niederländische Beratungsfirma Berkeley Group will nicht nur die Marke Swissair, sondern die gesamte Airline übernehmen.


Der Sachwalter der bankrotten Swissair Group, Karl Wüthrich, spricht seit Wochen von einem «seriösen» Interessenten an der Marke Swissair. Jetzt hat das Rätselraten ein Ende. Dahinter versteckt sich die amerikanisch-niederländische Luftfahrt- Beratungsfirma Berkeley Group mit Sitz in Bethesda im amerikanischen Bundesstaat Maryland. Sie ist Trägerin des Projektes Springtime. Es sieht vor, die Swissair als Ganzes zu kaufen. Dies geht aus dem Businessplan hervor.

Berkeley begleitet seit Jahren unzählige Engagements im Transportbereich. Dazu gehören etwa die Entwicklung des neuen Flughafens Bangalore in Indien, an dem Unique Zürich Airport beteiligt ist, oder die Anfang der neunziger Jahre initiierte Zusammenarbeit der Swissair und der skandinavischen SAS. Managing Director ist der Amerikaner Waleed Youssef. Er hatte seine Dissertation über Airline-Allianzen geschrieben.

Die Beratungsfirma glaubt, dass das kurz vor dem Abschluss stehende Projekt «Phönix» beziehungsweise Swiss zu riskant sei, zu hohe Integrationskosten verursache und dass die Verschmelzung der beiden Fluggesellschaften Swissair und Crossair zu Swiss nicht funktionieren werde. Berkeley hat auf Grund von eigenen Berechnungen und Analysen aller Swissair-Routen ein finanzielles Modell aufgestellt. Dabei will Springtime nicht die Swiss konkurrenzieren, sondern in Zusammenarbeit mit Crossair die «alte» Swissair wieder aufleben lassen.

Um die gesamte Airline zu übernehmen und innert drei Jahren zu restrukturieren, sind laut Businessplan 1,2 Mrd. Fr. notwendig, 750 Mio. Fr. Eigenkapital sowie 450 Mio. Fremdkapital in Form von übernommenen Schulden. Der grösste Teil des Geldes sei von namhaften Schweizer und ausländischen Investoren zugesichert, bestätigt Youssef auf Anfrage. Berkeley ist überzeugt, mit diesem Modell die Gläubiger ersten Ranges voll bedienen und die nachrangigen Gläubiger so weit als möglich befriedigen zu können. Zudem würde das Engagement von Bund und Kantonen «substanziell» reduziert.

Springtime basiert auf dem bekannten Modell mit 26 Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen sowie 26 Langstreckenmaschinen. Die Crossair sieht man als wichtigen Partner für die europäischen Destinationen. Berkeley würde sich bei der Swissair auf zwei Typen eines Herstellers (Airbus 320/321 sowie Airbus 330/340) beschränken. Zürich ist als Haupt-Drehscheibe, Genf als Mini-Hub vorgesehen. Das Projekt Springtime strebt nicht ein Verkehrswachstum um jeden Preis an. Es sei sinnvoll, nur jene Strecken zu betreiben, die eine attraktive Rendite versprechen. Dies führt zu höheren Erträgen pro Passagier. Berkeley glaubt, dass von Punkt zu Punkt reisende Kunden mehr einbringen als viele Umsteigepassagiere. Letzteres hatte die untergegangene Swissair zu ihrer fatalen Maxime erhoben.

Laut Businessplan würde die Swissair in diesem Jahr (von April bis Ende Dezember) einen Umsatz von 3,3 Mrd. Fr., einen Betriebsverlust von 24 Mio. Fr. und einen Reinverlust von 182 Mio. Fr. erzielen. Bereits 2003 sollen die Erlöse auf 5 Mrd. Fr. steigen. Das ist etwas weniger als die «alte» Swissair. Sehr optimistisch werden die Gewinnaussichten eingeschätzt: 651 Mio. Fr. Betriebsgewinn und 424 Mio. Fr. Reingewinn. 845 Piloten, 2730 Flight Attendants und 2120 Bodenangestellte würden engagiert.

Wichtige Elemente der Berkeley- Pläne sind auch ein unabhängiger Verwaltungsrat und ein starkes Management. Sicher nicht in Frage als Konzernchef kommt der in etlichen Medien genannte Sanierer Ernst Thomke. Seine Tätigkeit beschränkte sich darauf, Berkeley bei der Ausarbeitung des Businessplans beratend zur Seite zu stehen. Er hat gemäss Youssef seine Aufgabe erfüllt. Ist auch die Arbeit der Berkeley Group als Ganzes weitgehend beendet? Möglicherweise kommt ihr Angebot zu spät.

Swissair: Die Fluggesellschaft Swissair ist nach rund siebzig Jahren Konkurs. Der Markenname kann aber weiterhin erworben werden. Swiss: Am 1. April soll unter der Marke Swiss die neue, aus der Crossair hervorgegangene Gesellschaft abheben. Der rechtliche Name der Firma lautet Swiss Air Lines. Bis zum Start will Konzernchef André Dosé einer Allianz beigetreten sein. Am wahrscheinlichsten scheint derzeit eine Zusammenarbeit mit One World. Air Switzerland: Am Samstag bestätigte die neue Charter-Gesellschaft, dass sie im Herbst unter dem Namen Air Switzerland abheben wolle. Die Finanzierung sei gesichert. Die Identität der internationalen Investoren werde aber vorerst geheim gehalten. Initiant des Projektes ist der Liechtensteiner Tourismus-Unternehmer Mario Ritter. Die neue Charter-Gesellschaft will mit zwei Airbus von Zürich aus Kapstadt, Bangkok, Singapur und Las Vegas anfliegen. (kf.)

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