Süddeutsche findet Geldgeber in Stuttgart


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Süddeutsche findet Geldgeber in Stuttgart

 
26.11.02 08:15

Von Lutz Meier, Berlin

Einer der größten deutschen Regionalverlage hat das Rennen um den Einstieg bei der "Süddeutschen Zeitung" gemacht. Damit hat der SV seine Liquiditätskrise erst einmal gelöst.

Am Montag gab der Süddeutsche Verlag bekannt, dass die Südwestdeutsche Medien-Holding (SWMH) mit 18,75 Prozent neuer Gesellschafter beim süddeutschen Verlag (SV) wird, der die führende deutsche Abozeitung herausgibt. Für den Anteil zahlt der neue Miteigner im Zuge einer Kapitalerhöhung laut Verlagskreisen etwas über 100 Mio. Euro aber deutlich unter 150 Mio. Euro. Die Anteile der bisherigen Gesellschafter - fünf Familiengesellschaften - reduzieren sich entsprechend.

Der SV kommt somit an die dringend benötigte Geldspritze, ohne eine Sperrminorität abtreten zu müssen oder dem Neugesellschafter wesentlichen Einfluss auf das Management zu geben. Allerdings hat sich die SWMH offenbar vertraglich vorbehalten, ihren Anteil aufstocken zu können, wenn bestimmte Renditenziele nicht erreicht werden, die in dem Sanierungsplan fixiert sind, den Management und Gesellschafter Ende der Woche abgesegnet haben. "Wir sind überzeugt, dass der Süddeutsche Verlag auf der Basis des in der vergangenen Woche, noch von den Altgesellschaftern, beschlossenen Restrukturierungsprogrammes mittelfristig wieder auf einen auch wirtschaftlich erfolgreichen Weg zurückkehren wird" sagte SWMH-Geschäftsführer Jürgen Dannenmann laut einer Pressemitteilung, "dazu wollen wir gern unseren Teil beitragen".


Nach dem Sanierungsplan soll der SV im kommenden Jahr in die schwarzen Zahlen zurückkehren und bereits im Jahr 2005 wieder eine zweistellige Umsatzrendite erreichen. Im laufenden Jahr erwartet der Verlagskonzern wegen der Branchenkrise und den Sanierungskosten weitere Verluste in zweistelliger Millionenhöhe.



SV plant schwarze Zahlen 2003


Die Branchenkrise und die Verluste beim Hauptobjekt "Süddeutsche Zeitung" hatten den SV bis in den Verdacht gebracht, es drohe dem Verlag die Insolvenz. Da der komplizierte Gesellschaftervertrag praktisch einen Konsens unter den zerstrittenen Eignern erzwang und die Hausbanken ohne Sanierungsperspektive kein weiteres Geld zur Verfügung stellen wollten, war ein Ergebnis wochenlang blockiert.


Die jetzige Lösung haben vor allem zwei Personen befördert. Dieter Schaub, Haupteigner der mit der SWMH eng verbundenen Medien-Union, hatte sich schon im Oktober in München gemeldet und Interesse signalisiert. Engere Kontakte noch nutzte SWMH-Miteigner Eberhard Ebner, der Verleger der Ulmer "Südwest Presse". Der unterhielt jahrelang vertraute Kontakte zu SV-Miteignerin Anneliese Friedmann, die sich nun als nützlich erwiesen haben.



SVMH: Rang 2 unter den Regionalverlegern


Der neue Gesellschafter ist in Baden-Württemberg eine Größe im Zeitungsgeschäft - Verlage, an denen er beteiligt sind bringen mehr als 70 Prozent der dort gedruckten Zeitungsauflage heraus. Die Gruppe aus Medien-Union und SWMH erreicht bundesweit nach Marktanteilen Rang zwei unter den Regionalverlagen. Hanns-Jörg Dürrmeier, der der SV-Gesellschafterversammlung vorsitzt, sprach in der Pressemitteilung von "Partnern, die gut zu uns passen". Der Einstieg muss allerdings noch kartellrechtlich geprüft werden. Hier könnte es Probleme in Ostdeutschland geben, wo die im Süden des Ostens dominante "Freie Presse" der Medien-Union mit ihrem Verbreitungsgebiet an das der Regionaltitel des SV angrenzt.


Die Rechte der Altgesellschafter sollen zunächst von der Aufnahme des Neuen unberührt bleiben. Dazu gehört auch die Klausel die den Ausstieg eines der Familiengesellschafter praktisch unmöglich macht. Denn falls einer von ihnen seinen Anteil verkaufen wollte, müsste er diesen erst den bisherigen Miteignern zu einem Bruchteil des Marktpreises anbieten. Das hat die Eigner bisher trotz ihrer notorischen Uneinigkeit zusammen im Boot gehalten.


Beim Management des SV sind zunächst keine Veränderungen geplant. Vor allem der Chef des operativen Geschäfts (COO) Klaus-Josef Lutz hatte die Verhandlungen mit den Neugesellschaftern aus Stuttgart geführt.



© 2002 Financial Times Deutschland



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