Die Geschichte des Unternehmens ist für die Einordnung wichtig. Udo Müller begann 1987 im Umfeld der Außenwerbung, gründete 1990 gemeinsam mit Heiner W. Ströer die Ströer City Marketing GmbH, formte daraus 2002 eine AG, baute den Konzern mit den Übernahmen von Deutsche Städte Medien 2004 und Deutsche Eisenbahn Reklame 2005 massiv aus und brachte Ströer am 15. Juli 2010 an die Börse. 2012 kam Online-Marketing hinzu, 2017 wurde das Portfolio um Direct Marketing erweitert. Heute betreibt Ströer rund 300.000 Werbeträger, ist stark auf Deutschland fokussiert und erwirtschaftet etwa 90 Prozent des Umsatzes im Heimatmarkt. (cdn.financialreports.eu)
Fundamental war 2025 ein gemischtes, aber insgesamt solides Jahr. Der Umsatz stieg auf den Rekordwert von 2.075,1 Mio. Euro, das bereinigte EBITDA lag mit 625,9 Mio. Euro leicht über Vorjahr, aber EBIT, bereinigter Konzerngewinn und Cashflow entwickelten sich schwächer: EBIT fiel auf 267,7 Mio. Euro, der bereinigte Konzerngewinn auf 165,2 Mio. Euro und der bereinigte Free Cashflow vor M&A auf 106,7 Mio. Euro. Die bereinigte EPS lag bei 2,70 Euro, die unverwässerte IFRS-EPS bei 2,25 Euro. Nettoverbindlichkeiten von 870,7 Mio. Euro und ein Leverage von 2,31 sind für dieses Geschäftsmodell tragbar; zudem sieht das Unternehmen seine Finanzierung mit revolvierenden Kreditlinien und Schuldscheinen bis 2029 als ausreichend abgesichert. (cdn.financialreports.eu)
Der eigentliche Investment-Case steht und fällt mit dem OOH-Geschäft. Genau dort ist Ströer stark. Das Segment OOH Media steigerte 2025 den Umsatz auf 988,9 Mio. Euro, davon klassische OOH 536,4 Mio. Euro und DOOH 398,2 Mio. Euro. Besonders wichtig: DOOH wuchs um 7,9 Prozent, und die bereinigte EBITDA-Marge im OOH-Segment lag bei sehr starken 47,5 Prozent. Dagegen war das Bild in den anderen Bereichen schwächer. Digital & Dialog Media wuchs beim Umsatz nur leicht auf 891,7 Mio. Euro, während das bereinigte EBITDA auf 149,8 Mio. Euro sank; im DaaS- und E-Commerce-Segment fiel der Umsatz auf 352,0 Mio. Euro, wobei Statista leicht wuchs, AsamBeauty aber rückläufig war. Anders gesagt: Der Qualitätskern ist OOH/DOOH, die übrigen Sparten sind nützlich, aber nicht gleichwertig. (cdn.financialreports.eu)
Bei der Dividende ist Ströer ordentlich, aber nicht übermäßig komfortabel. Die Dividendenpolitik sieht grundsätzlich eine Ausschüttung von 50 bis 75 Prozent des bereinigten Konzerngewinns vor. Für das Geschäftsjahr 2024 wurden 2,30 Euro je Aktie gezahlt; für 2025 will das Management 1,85 Euro je Aktie vorschlagen und zusätzlich ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 50 Mio. Euro umsetzen. Beim Kurs von 37,62 Euro entspricht das einer Dividendenrendite von knapp 4,9 Prozent. Die Ausschüttungsquote auf Basis der bereinigten EPS von 2,70 Euro liegt bei rund 68,5 Prozent und damit innerhalb der Politik. Der Haken: Die gesamte Dividendenzahlung läge bei rund 103,3 Mio. Euro und damit fast auf Höhe des bereinigten Free Cashflows von 106,7 Mio. Euro. Die Dividende ist also vertretbar, aber nicht ultrakonservativ gedeckt. (cdn.financialreports.eu)
Für 2026 gibt das Management nur einen vorsichtigen, aber nicht schlechten Ausblick: organisches Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich, bereinigtes EBITDA weitgehend stabil, bereinigter Free Cashflow wieder steigend und ein leicht höherer bereinigter Konzerngewinn. Gleichzeitig sieht Ströer den Kernmarkt strukturell weiter auf seiner Seite. Der deutsche OOH-Markt soll von 2026 bis 2029 im Schnitt um 2,3 Prozent wachsen, DOOH sogar um 6,5 Prozent pro Jahr und bis 2029 auf 824 Mio. Euro steigen. Dazu kommt, dass Ströer den Konzern explizit in Richtung eines KI-gestützten Plattformgeschäfts umbauen will, um lokale und nationale Werbekunden automatisierter, effizienter und margenstärker zu bedienen. Das ist kein Nebensatz, sondern der strategische Hebel für die nächsten Jahre. (cdn.financialreports.eu)
Genau daraus ergeben sich auch die Chancen für die nächsten fünf bis fünfzehn Jahre. Wenn Ströer es schafft, den DOOH-Anteil weiter hochzuziehen, Programmatic DOOH auszubauen, lokale KMU-Werbung stärker zu automatisieren und die Digitalflächen intelligent mit dem OOH-Inventar zu verzahnen, dann kann das Unternehmen über Jahre über dem allgemeinen deutschen Werbemarkt wachsen. Vor allem die Kombination aus physischen Werberechten, kommunalen Konzessionen, Bahnhofsinventar, Reichweite im offenen Web und datenbasierter Ausspielung ist schwer zu kopieren. Ströer ist deshalb kein beliebiger Medienwert, sondern eher ein Infrastrukturwert des Werbemarkts mit Digitalaufsatz. (cdn.financialreports.eu)
Die Risiken sind trotzdem real. Erstens ist Ströer stark von Deutschland abhängig. Zweitens bleibt Werbung zyklisch; das Unternehmen selbst nennt Konsumklima, Zölle, politische Entwicklungen und Energieversorgung als Unsicherheitsfaktoren. Drittens läuft nicht alles rund außerhalb des OOH-Kerns: Im Dialoggeschäft drücken Personalkosten und Arbeitsmarkt, im E-Commerce ist AsamBeauty konjunkturabhängig. Viertens ist die Governance nichts für jeden Anleger: Udo Müller und Dirk Ströer bündeln über eine Pooling-Vereinbarung 43,96 Prozent der Stimmrechte. Das stabilisiert zwar die Kontrolle, begrenzt aber den Einfluss von Minderheitsaktionären. (cdn.financialreports.eu)
Bewertung und Kursziele sind am Ende eine Frage des Blickwinkels. Faktisch wird Ströer auf Basis des Kurses vom 17.4.2026 mit rund 2,10 Mrd. Euro Börsenwert bewertet; zusammen mit 870,7 Mio. Euro Nettoverbindlichkeiten ergibt das grob ein EV von knapp 3,0 Mrd. Euro. Das entspricht nur rund 4,7-mal dem bereinigten EBITDA 2025 und etwa 13,9-mal der bereinigten EPS. Für einen Marktführer mit 47,5 Prozent OOH-EBITDA-Marge, langlaufenden Konzessionen und Finanzierungsspielraum bis 2029 ist das nicht teuer. Meine Einschätzung, ausdrücklich als Bewertung und nicht als feststehende Tatsache: Auf Sicht von zwölf bis achtzehn Monaten liegt ein fairer Bereich eher bei 45 bis 50 Euro. In einem bullischen Szenario mit besserem Werbemarkt, höherem DOOH-Mix und glaubwürdigem KI-/Plattform-Fortschritt halte ich 55 bis 60 Euro für erreichbar. In einem schwachen Szenario mit erneutem deutschen Werbedruck, weiter enttäuschendem Free Cashflow und anhaltender Skepsis gegenüber den Nebensparten sehe ich eher 28 bis 32 Euro. (Wiener Börse)
Unterm Strich halte ich Ströer derzeit für eine interessante, eher unterbewertete Qualitätsaktie zweiter Reihe. Nicht wegen großer Fantasiegeschichten, sondern wegen eines starken OOH/DOOH-Kerns, ordentlicher Dividende, vernünftiger Bilanz und einer Bewertung, die die operative Qualität meines Erachtens zu wenig honoriert. Die Aktie ist allerdings keine perfekte Langfristmaschine. Wer Ströer kauft, kauft einen gut positionierten deutschen Werbemarktführer mit strukturellem DOOH-Rückenwind und klaren Zyklik- und Governance-Risiken. Für fünf bis fünfzehn Jahre finde ich das Chance-Risiko-Verhältnis trotzdem gut, solange man das Unternehmen als cashflowstarken, aber konjunktursensiblen Infrastrukturwert versteht und nicht als grenzenlose Wachstumsstory. (cdn.financialreports.eu)
Autor: ChatGPT