Strategen bleiben Tech-Titeln treu
Von Ina Bauer und Norbert Häring, Frankfurt
Die jüngste Welle von Gewinn- und Umsatzwarnungen von Technologieunternehmen weltweit hält europäische Aktienstrategen nicht davon ab, Technologiefirmen wie SAP, Alcatel und Nokia zum Kauf zu empfehlen.
Dagegen machen sie einen Bogen um Aktien, die als erstes die Folgen eines verlangsamten Wirtschaftswachstums zu spüren bekommen. Metro , Adidas-Salomon , Carrefour und L'Oréal stehen auf der Verkaufsliste. In einem sonst sehr unsicheren Marktumfeld halten sich der spanische Telekomkonzern Telefónica und die Deutsche Bank hartnäckig auf den Kaufempfehlungslisten europäischer Aktienstrategen. Dies belegt die Juni-Umfrage der Financial Times Deutschland unter Aktienstrategen von 17 internationalen Finanzinstituten.
Die FTD führt die Umfrage monatlich durch. Die Rangliste der besonders favorisierten und der am wenigsten aussichtsreichen Unternehmen basiert auf der Häufigkeit, mit der sie von den Strategen unter die drei besten und schlechtesten Werte im Dax 30 und die fünf besten und schlechtesten Werte im Europe Stoxx 50 gezählt werden. Der Zeithorizont beträgt drei Monate.
Devensive Werte
Unter den Juni-Favoriten der Strategen sind die so genannten defensiven Werte, die Wachstum für relativ wenig Risiko bieten und nicht so konjunktur-sensibel sind wie zyklische Aktien, nur mit dem Pharmahersteller Schering und dem Versicherer Allianz vertreten. Dabei hat der Stoxx-Health-Index im vergangenen Monat noch 1,4 Prozent und der Versicherer-Index nur 0,1 Prozent abgegeben. Dagegen verlor der Europe Stoxx 3,8 Prozent im selben Zeitraum. Schering gilt im Vergleich zum Sektor als billig, zumal das Unternehmen gute Produkte vorweisen kann. Die Allianz-Aktie profitiert von der Fantasie, die die geplante Fusion mit der Dresdner Bank der Aktie beschert. Damit wird das Stück, was sich die Allianz vom deutschen Rentenreform-Kuchen sichern will, noch größer.
Im Vergleich zum Ranking der Mai-Umfrage ist der deutsche Softwarehersteller SAP von Platz fünf zur Top-Kaufempfehlung im Dax 30 avanciert. Innerhalb der Branche hat sich SAP trotz der Welle von Gewinnwarnungen gut halten können. Die Aktie ist seit dem 15. Mai um knapp 12,9 Prozent gefallen, während der Stoxx-Branchenindex 20,6 Prozent verloren hat. Die Walldorfer profitieren davon, dass sie ein Komplettanbieter sind. Außerdem können sich die Kunden darauf verlassen, dass der Produkt-Support im Gegensatz zu anderen Softwarefirmen in der Zukunft gesichert ist.
Die Deutsche Telekom , der mit der Dresdner Bank fusionierende Versicherer Allianz, das Pharma-Unternehmen Schering und die Deutsche Bank gehören ebenfalls zu den deutschen Favoriten. Ähnlich wie BNP Paribas, die zu den fünf Kaufempfehlungen im Europe Stoxx 50 zählt, hat die Deutsche Bank gute Zahlen geliefert. Der schwache Aktienmarkt und die Neuemissionsflaute hat das Ergebnis weniger stark belastet als das der Konkurrenten.
Telekom-Aktie zu billig
Die Deutsche Telekom konnte in dieser Umfragerunde nur ihren Platz unter den Dax-Kaufempfehlungen behaupten. Im Mai gehörte sie außerdem zu den Europe-Stoxx-50-Favoriten. Die Aktie gilt immer noch als zu billig im Vergleich zum Sektor. In der vergangenen Woche schloss die Aktie praktisch unverändert. Zwei gegensätzliche Kräfte ließen den Kurs in einer Seitwärtsbewegung verharren. Einerseits verkauften US-Investoren ihre Telekom-Papiere, die sie anlässlich der Voicestream-Übernahme im Aktientausch erhalten hatten. Andererseits wird ab Montag das Gewicht der T-Aktie im Dax 30 von neun auf knapp zwölf Prozent steigen. Indexabbildende Fondsmanager müssen ihre Portfolios entsprechend anpassen, indem sie Telekom-Aktien kaufen.
Bei den Verkaufsempfehlungen für deutsche und europäische Aktien hat es seit der Mai-Umfrage die höchste Fluktuation gegeben. Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp steht jetzt auf der Verkaufsliste der Strategen. Der sich anbahnende Handelsstreit mit den USA bezüglich der Einfuhrrestriktionen für europäischen Stahl stellt ein Risiko für die Kursentwicklung dar. Die düsteren Konjunkturaussichten setzen der Aktie ebenfalls zu. Neu im Club der potenziellen Dax-Verlierer ist BMW . Der bayerische Autokonzern verfügt zwar über margenträchtige Modelle, doch die zukünftige Gewinnentwicklung hängt von Neuheiten wie der 7er-Reihe, dem Mini und der 1er-Reihe ab.
Im Europe Stoxx 50 steht der Elektronikkonzern Philips, der am Freitag die Anleger mit einer Umsatzwarnung schockte, auf der Verkaufsliste. Die Aktie hängt am Chipzyklus, auch wenn Halbleiter nicht das einzige Geschäftsfeld von Philips sind.
Die Aktienstrategen erwarten für die nächsten drei Monate, dass sich eine Aufwärtsbewegung durchsetzt. Für den Dax sagen sie im Schnitt ein Plus von rund neun Prozent voraus, für den Europe Stoxx 50 sind es rund sieben Prozent.
© 2001 FTD
Von Ina Bauer und Norbert Häring, Frankfurt
Die jüngste Welle von Gewinn- und Umsatzwarnungen von Technologieunternehmen weltweit hält europäische Aktienstrategen nicht davon ab, Technologiefirmen wie SAP, Alcatel und Nokia zum Kauf zu empfehlen.
Dagegen machen sie einen Bogen um Aktien, die als erstes die Folgen eines verlangsamten Wirtschaftswachstums zu spüren bekommen. Metro , Adidas-Salomon , Carrefour und L'Oréal stehen auf der Verkaufsliste. In einem sonst sehr unsicheren Marktumfeld halten sich der spanische Telekomkonzern Telefónica und die Deutsche Bank hartnäckig auf den Kaufempfehlungslisten europäischer Aktienstrategen. Dies belegt die Juni-Umfrage der Financial Times Deutschland unter Aktienstrategen von 17 internationalen Finanzinstituten.
Die FTD führt die Umfrage monatlich durch. Die Rangliste der besonders favorisierten und der am wenigsten aussichtsreichen Unternehmen basiert auf der Häufigkeit, mit der sie von den Strategen unter die drei besten und schlechtesten Werte im Dax 30 und die fünf besten und schlechtesten Werte im Europe Stoxx 50 gezählt werden. Der Zeithorizont beträgt drei Monate.
Devensive Werte
Unter den Juni-Favoriten der Strategen sind die so genannten defensiven Werte, die Wachstum für relativ wenig Risiko bieten und nicht so konjunktur-sensibel sind wie zyklische Aktien, nur mit dem Pharmahersteller Schering und dem Versicherer Allianz vertreten. Dabei hat der Stoxx-Health-Index im vergangenen Monat noch 1,4 Prozent und der Versicherer-Index nur 0,1 Prozent abgegeben. Dagegen verlor der Europe Stoxx 3,8 Prozent im selben Zeitraum. Schering gilt im Vergleich zum Sektor als billig, zumal das Unternehmen gute Produkte vorweisen kann. Die Allianz-Aktie profitiert von der Fantasie, die die geplante Fusion mit der Dresdner Bank der Aktie beschert. Damit wird das Stück, was sich die Allianz vom deutschen Rentenreform-Kuchen sichern will, noch größer.
Im Vergleich zum Ranking der Mai-Umfrage ist der deutsche Softwarehersteller SAP von Platz fünf zur Top-Kaufempfehlung im Dax 30 avanciert. Innerhalb der Branche hat sich SAP trotz der Welle von Gewinnwarnungen gut halten können. Die Aktie ist seit dem 15. Mai um knapp 12,9 Prozent gefallen, während der Stoxx-Branchenindex 20,6 Prozent verloren hat. Die Walldorfer profitieren davon, dass sie ein Komplettanbieter sind. Außerdem können sich die Kunden darauf verlassen, dass der Produkt-Support im Gegensatz zu anderen Softwarefirmen in der Zukunft gesichert ist.
Die Deutsche Telekom , der mit der Dresdner Bank fusionierende Versicherer Allianz, das Pharma-Unternehmen Schering und die Deutsche Bank gehören ebenfalls zu den deutschen Favoriten. Ähnlich wie BNP Paribas, die zu den fünf Kaufempfehlungen im Europe Stoxx 50 zählt, hat die Deutsche Bank gute Zahlen geliefert. Der schwache Aktienmarkt und die Neuemissionsflaute hat das Ergebnis weniger stark belastet als das der Konkurrenten.
Telekom-Aktie zu billig
Die Deutsche Telekom konnte in dieser Umfragerunde nur ihren Platz unter den Dax-Kaufempfehlungen behaupten. Im Mai gehörte sie außerdem zu den Europe-Stoxx-50-Favoriten. Die Aktie gilt immer noch als zu billig im Vergleich zum Sektor. In der vergangenen Woche schloss die Aktie praktisch unverändert. Zwei gegensätzliche Kräfte ließen den Kurs in einer Seitwärtsbewegung verharren. Einerseits verkauften US-Investoren ihre Telekom-Papiere, die sie anlässlich der Voicestream-Übernahme im Aktientausch erhalten hatten. Andererseits wird ab Montag das Gewicht der T-Aktie im Dax 30 von neun auf knapp zwölf Prozent steigen. Indexabbildende Fondsmanager müssen ihre Portfolios entsprechend anpassen, indem sie Telekom-Aktien kaufen.
Bei den Verkaufsempfehlungen für deutsche und europäische Aktien hat es seit der Mai-Umfrage die höchste Fluktuation gegeben. Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp steht jetzt auf der Verkaufsliste der Strategen. Der sich anbahnende Handelsstreit mit den USA bezüglich der Einfuhrrestriktionen für europäischen Stahl stellt ein Risiko für die Kursentwicklung dar. Die düsteren Konjunkturaussichten setzen der Aktie ebenfalls zu. Neu im Club der potenziellen Dax-Verlierer ist BMW . Der bayerische Autokonzern verfügt zwar über margenträchtige Modelle, doch die zukünftige Gewinnentwicklung hängt von Neuheiten wie der 7er-Reihe, dem Mini und der 1er-Reihe ab.
Im Europe Stoxx 50 steht der Elektronikkonzern Philips, der am Freitag die Anleger mit einer Umsatzwarnung schockte, auf der Verkaufsliste. Die Aktie hängt am Chipzyklus, auch wenn Halbleiter nicht das einzige Geschäftsfeld von Philips sind.
Die Aktienstrategen erwarten für die nächsten drei Monate, dass sich eine Aufwärtsbewegung durchsetzt. Für den Dax sagen sie im Schnitt ein Plus von rund neun Prozent voraus, für den Europe Stoxx 50 sind es rund sieben Prozent.
© 2001 FTD