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Infomatec nach Halbjahreszahlen im Sturzflug/SdK-Strafanzeige (Zus)
München (vwd) - Nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen ist die Aktie der Infomatec Integrated Information Systems AG, Augsburg, in den Sturzflug übergegangen. Nach einem Höchststand von über 60 EUR im vergangenen Jahr brach das Papier am Mittwoch zeitweilig um 30 Prozent bis auf 5,30 EUR ein und übertraf damit noch negative Analysen von SES Research, die Infomatec am Mittwoch von "Outperformer" auf "Marketperformer" heruntergestuft hatten, aber aufgrund profitabler Beteiligungen ein Ende des Abwärtstrends bei 6,00 EUR prognostizierten. Bei einem einem Umsatz von 28,6 (1. Hj. 1999: 14,7) Mio EUR erzielte Infomatec im ersten Halbjahr ein EBITDA von minus 15,4 (minus 7,5) Mio EUR.
Möglicherweise hat die irreführende Prognosepolitik des Herstellers für High-End-Internet-Lösungen ein juristisches Nachspiel. Bereits am Dienstag gab das Unternehmen bekannt, Pflichtmitteilungen über Aufträge nicht korrekt formuliert zu haben und halbierte seine Umsatzvorhersage für 2000 auf 50,1 Mio EUR von zuvor 90 bis 100 Mio EUR. Damit ist nach Ansicht der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre der Tatbestand des Kursbetruges nach §88 Börsengesetzes und des Insiderhandels gem. §38 des Wertpapierhandelsgesetzes gegeben. Infomatec hatte Aufträge angekündigt, die in Wirklichkeit nur Vermarktungsagreements waren, über wesentlich geringere Stückzahlen lauteten oder gar nicht zustande kamen.
Nicht nur die Aktionärsschützer stellen Strafanzeige gegen die Infomatec-Vorstände Alexander Häfele und Gerhard Harlos, auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel will umfänglich prüfen, ob Infomatec gegen das WpHG verstoßen hat. Den geschädigten Aktionären würde eine strafrechliche Verurteilung allerdings nicht viel nützen. Das deutsche Recht sieht, im Gegensatz zur US-Gesetzgebung, keine Möglichkeit vor, Vorstände wegen falscher Angaben in Ad-hoc-Mitteilungen zivilrechtlich auf Schadensersatz zu verklagen.
Der Infomatec-Kurs aber wird sich nicht so bald nach oben bewegen, da das Vertrauen des Marktes vermutlich nachhaltig gestört ist. Analysten hegen nicht nur Zweifel an der zum Surfen im Fernsehen geeigneten Java-Network-Technologie, deren schleppender Absatz maßgeblich zum im zweiten Halbjahr erwarteten Umsatzrückgang beitragen wird. Auch die Organisation des Unternehmens wird äußerst kritisch gesehen. Zwar kündigte Infomatec mit ihrem neuen COO Hanspeter Kipfer eine "Inventur und Standortbestimmung" an, die bis Jahresende abgeschlossen sein und die Optimierung von Controlling, Vertrieb und Kommunikation bewirken soll.
Doch müssen nun erst einmal tatsächliche Aufträge für Software für "Hand Held Devices", wie Settopboxen und Arbeitsstationen, ins Haus kommen. Ursprünglich hatte Infomatec dabei auf das diesjährige Weihnachtsgeschäft gesetzt, nun soll der Durchbruch im kommenden Jahr kommen. Aufträge habe man in der Pipeline, wolle nun aber, im Gegensatz zur bisherigen Praxis, nur noch mit echten Verträgen an die Öffentlichkeit.
Analysten von Sal. Oppenheim sehen nicht nur die aktuellen Ertragszahlen negativ. Sie kritisieren, dass der Markt von Infomatec überschätzt worden sei, trotz guter Produkte im Bereich IAS. Infomatec müsse sich von Beteiligungen trennen, um liquide zu bleiben, da in den kommenden Jahren kein positiver Cash-Flow aus dem operativen Geschäft generiert werden könne.
+++Brunhild Stelter
vwd/30.08.2000/bst/hab
Infomatec nach Halbjahreszahlen im Sturzflug/SdK-Strafanzeige (Zus)
München (vwd) - Nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen ist die Aktie der Infomatec Integrated Information Systems AG, Augsburg, in den Sturzflug übergegangen. Nach einem Höchststand von über 60 EUR im vergangenen Jahr brach das Papier am Mittwoch zeitweilig um 30 Prozent bis auf 5,30 EUR ein und übertraf damit noch negative Analysen von SES Research, die Infomatec am Mittwoch von "Outperformer" auf "Marketperformer" heruntergestuft hatten, aber aufgrund profitabler Beteiligungen ein Ende des Abwärtstrends bei 6,00 EUR prognostizierten. Bei einem einem Umsatz von 28,6 (1. Hj. 1999: 14,7) Mio EUR erzielte Infomatec im ersten Halbjahr ein EBITDA von minus 15,4 (minus 7,5) Mio EUR.
Möglicherweise hat die irreführende Prognosepolitik des Herstellers für High-End-Internet-Lösungen ein juristisches Nachspiel. Bereits am Dienstag gab das Unternehmen bekannt, Pflichtmitteilungen über Aufträge nicht korrekt formuliert zu haben und halbierte seine Umsatzvorhersage für 2000 auf 50,1 Mio EUR von zuvor 90 bis 100 Mio EUR. Damit ist nach Ansicht der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre der Tatbestand des Kursbetruges nach §88 Börsengesetzes und des Insiderhandels gem. §38 des Wertpapierhandelsgesetzes gegeben. Infomatec hatte Aufträge angekündigt, die in Wirklichkeit nur Vermarktungsagreements waren, über wesentlich geringere Stückzahlen lauteten oder gar nicht zustande kamen.
Nicht nur die Aktionärsschützer stellen Strafanzeige gegen die Infomatec-Vorstände Alexander Häfele und Gerhard Harlos, auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel will umfänglich prüfen, ob Infomatec gegen das WpHG verstoßen hat. Den geschädigten Aktionären würde eine strafrechliche Verurteilung allerdings nicht viel nützen. Das deutsche Recht sieht, im Gegensatz zur US-Gesetzgebung, keine Möglichkeit vor, Vorstände wegen falscher Angaben in Ad-hoc-Mitteilungen zivilrechtlich auf Schadensersatz zu verklagen.
Der Infomatec-Kurs aber wird sich nicht so bald nach oben bewegen, da das Vertrauen des Marktes vermutlich nachhaltig gestört ist. Analysten hegen nicht nur Zweifel an der zum Surfen im Fernsehen geeigneten Java-Network-Technologie, deren schleppender Absatz maßgeblich zum im zweiten Halbjahr erwarteten Umsatzrückgang beitragen wird. Auch die Organisation des Unternehmens wird äußerst kritisch gesehen. Zwar kündigte Infomatec mit ihrem neuen COO Hanspeter Kipfer eine "Inventur und Standortbestimmung" an, die bis Jahresende abgeschlossen sein und die Optimierung von Controlling, Vertrieb und Kommunikation bewirken soll.
Doch müssen nun erst einmal tatsächliche Aufträge für Software für "Hand Held Devices", wie Settopboxen und Arbeitsstationen, ins Haus kommen. Ursprünglich hatte Infomatec dabei auf das diesjährige Weihnachtsgeschäft gesetzt, nun soll der Durchbruch im kommenden Jahr kommen. Aufträge habe man in der Pipeline, wolle nun aber, im Gegensatz zur bisherigen Praxis, nur noch mit echten Verträgen an die Öffentlichkeit.
Analysten von Sal. Oppenheim sehen nicht nur die aktuellen Ertragszahlen negativ. Sie kritisieren, dass der Markt von Infomatec überschätzt worden sei, trotz guter Produkte im Bereich IAS. Infomatec müsse sich von Beteiligungen trennen, um liquide zu bleiben, da in den kommenden Jahren kein positiver Cash-Flow aus dem operativen Geschäft generiert werden könne.
+++Brunhild Stelter
vwd/30.08.2000/bst/hab