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Die Euphorie ist schnell verpufft
18. Okt. 2001 Die Unsicherheit ist wieder da
Hatte es in den vergangenen Tagen so ausgesehen, als ob die Börsen die Trendwende geschafft hätten und würden nach der Baisse unmittelbar in eine neue Rally übergehen, so kommt jetzt der Dämpfer. Die Unsicherheit ist zurück, sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Wenn schon Alan Greenspan der Durchblick fehlt, wie soll dann der normale Anleger wissen, wo es hingeht?
Auch die politischen Probleme sind noch nicht bereinigt. Über allem schweben die Anthrax-Fälle, die Gefahr, dass sich die Militäraktionen ausweiten könnten und die mögliche Pleite Argentiniens. Nach den starken Kursverlusten in den USA werden die europäischen Börsen schwächer erwartet.
Euro bei ruhigem Handel im Fernen Osten kaum verändert
Der Euro hat am Donnerstag an den Märkten des Fernen Ostens bei ruhigem Handel kaum Veränderung gegenüber seinen letzten Kursen am Vorabend in New York gezeigt. Händlern zufolge konzentrierten sich die Marktteilnehmer mehr auf den Dollar. Nach der Warnung des ehemaligen US-Finanzministers Robert Rubin, dass ein schwacher Yen verhängnisvoll sein könnte und nicht die Probleme Japans lösen werde, war die US-Währung zum Yen unter Druck geraten. Einige Händler schlossen nicht aus, dass die Äußerungen Rubins von Spekulanten als Vorwand für Gewinnmitnahmen genutzt worden sein könnte.
Bereits im späten US-Handel hatte sich die US-Valuta von ihren Tiefs nach dem bekannt werden neuer Milzbrandfälle erholt. Die Aussage von Greenspan, dass er über die langfristigen Aussichten der US-Wirtschaft zuversichtlich sei, habe dem Dollar geholfen, sagten Händler. Gegen 06.30 Uhr MESZ notierte der Euro mit 0,9038/43 nach einer letzten Notiz am Mittwoch in New York von 0,9035/40 Dollar. Die US-Valuta wurde mit 120,89/90 (121,18/26) Yen gehandelt.
Euro-Renten orientieren sich an Aktien und Vorgängen in den USA
Die europäischen Rentenmärkte werden sich nach Einschätzung von Analysten auch am Donnerstag an der Entwicklung der Aktienmärkte und den Vorgängen in den USA orientieren. Da aus der Euro-Zone im Tagesverlauf keine wesentlichen Wirtschaftsdaten zu erwarten seien, werde sich die Aufmerksamkeit der Investoren auf die Daten aus den USA konzentrieren. Überschattet werden dürfte das Geschehen weiterhin von Furcht vor weiteren Milzbrandfällen. „Tatsache ist, je mehr Milzbrandfälle auftreten, desto mehr Verunsicherung über die Sicherheit der Menschen", sagte Drew Matus, Volkswirt bei Lehman Brothers. Davon betroffen seien zwar zunächst und in stärkerem Ausmaß die US-Treasuries. Wie bereits in den letzten Tagen seien die Auswirkungen aber auch bei den europäischen Festverzinslichen zu spüren. Am Nachmittag wartet der Markt auf die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Woche zum 13. Oktober um 14.30 Uhr MESZ. Von Reuters befragte Volkswirte rechnen mit einem Anstieg um 2000 auf 470.000 Anträge. Um 16.00 Uhr MESZ steht der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia für Oktober zur Veröffentlichung an.
Nikkei schwach
Furcht vor einer weiteren Abschwächung des US-Verbrauchervertrauens nach den jüngsten Milzbrandfällen in den USA haben die asiatischen Börsen am Donnerstag tief ins Minus rutschen lassen. Nach dem Kurssturz an der Nasdaq gaben besonders Technologiewerte nach. „Die Milzbrandfälle greifen um sich, und die Ängste vor einem noch weiter absinkenden Verbrauchervertrauen haben sich deutlich im Sturz der Nasdaq gezeigt", sagte ein Aktienhändler in Tokio. Der Nikkei-Index an der Tokioter Börse fiel bis gegen 06.50 Uhr MESZ um 2,22 Prozent auf 10.516 Punkte.
Die Investoren seien sehr nervös hinsichtlich des Technologiesektors und der Unternehmen, deren Umsätze stark von den USA abhängig sind, sagten Händler. Nach dem Eingang verdächtiger Briefe mit Pulverinhalt an das Büro von Japans Premierminister Junichiro Koizumi sowie das Außenministerium am Mittwoch sei der Markt besonders labil. „Wenn es in Japan weitere Fälle mit verdächtiger Post geben sollte, wird das den Markt zusätzlich belasten", sagte ein Händler. Die Substanz in den verschickten Briefen hatte sich bislang als harmlos erwiesen
Aktien Hongkong am Mittag sehr schwach
Sehr schwach tendieren die Aktien in Hongkong am Donnerstagmittag (Ortszeit). Der Hang-Seng-Index (HSI) verliert bis zum Ende der ersten Sitzungshälfte 3,8 Prozent oder 390,87 Punkte auf 9.869,94. Größte Verlierer sind einheimische Telekomaktien, weil sich einige Analysten jetzt nur noch zurückhaltend zu den Auswirkungen der Branchenrestrukturierung äußern, heißt es. China Mobile sinken um 7,7 Prozent und China Unicom 7,6 Prozent. Legend leiden unter der schwachen Nasdaq am Vorabend und ermäßigen sich um 7,6 Prozent. Unterstützung für den HSI wird bei 9.600 Stellen gesehen.
Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss
Nachbörslich gerieten die Aktien von Siebel Systems unter Druck und gaben 5,4 Prozent auf 16,44 Dollar nach. Erstmals seit dem Börsengang gingen die Umsätze zurück und der Gewinn im dritten Quartal falle, teilte das Unternehmen mit. Auch die Chipproduzenten hatten Kursverluste zu verzeichnen. Advanced Micro Devices und Texas Instruments haben sinkende Umsätze zu verbuchen und erzielen im dritten Quartal einen Verlust. Die AMD-Aktie gab sechs Cents auf 9,65 Dollar und die TI-Aktie 6,4 Prozent auf 28,01 Dollar nach. Dagegen stiegen die Papiere von Symantec um 7,1 Prozent auf 51,18 Dollar, da der Gewinn im zweiten Quartal am oberen Ende der Analysten-Erwartungen liege. Leicht gewinnen konnte auch Apple. Im abgelaufenen Quartal sei der Gewinn etwas besser als erwartet gewesen, während im laufenden die Ziele nicht erreicht werden können.
Milzbrand-Angst lastet auf den US-Aktienkursen
Die schwelende Sorge vor einem ausufernden Bioterror ließ Skeptiker seit Tagen die jüngsten Kursgewinne an der Wall Street mit Unbehagen beobachten. Zur Wochenmitte sehen sie sich in ihrer vorsichtigen Haltung bestätigt. Denn die Meldung über eine mehrtägige Schließung des US-Repräsentantenhauses wegen Milzbrand-Gefahr reichte aus, um die Kurse auf Talfahrt zu schicken. Der Dow Jones verlor 151,26 Zähler oder 1,61 Prozent auf 9.232,97 Punkte. Der Nasdaq Index gab um 75,73 Zähler oder 4,40 Prozent auf 1.646,34 Punkte nach. Der S&P 500 Index ermäßigte sich um 20,45 Punkte oder 1,86 Prozent auf 1.077,09 Punkte.
Selbst die zahlreich vorgelegten Quartalsberichte traten angesichts der Milzbrand-Ängste in den Hintergrund. Zu den Ergebnissen sagte Larry Lawler, Händler bei Dreyfus Corp.: „Wir hatten einige gute Bilanzen von IBM und Intel, aber es gibt noch so viel Unsicherheit und es stehen noch viele Bilanzen aus." Positive Quartalsergebnisse und eher optimistische Prognosen des US-Computerherstellers IBM und des Chipherstellers Intel hatten im frühen Geschäft nach Händlerangaben zunächst für festere Kurse gesorgt. IBM notierten zum Schluss rund ein Prozent fester auf 102,90 Dollar. Der Chiphersteller Intel berichtete über einen Gewinnrückgang um 77 Prozent. Die Aktie verlor 1,56 Prozent auf 24,57 Dollar. Die Zahlen seien jedoch im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, sagten Branchenkenner.
Unter Druck gerieten nach Händlerangaben auch die Aktien des Medien- und Internetkonzerns AOL Time Warner, des Autoherstellers Ford und des Technologiekonzerns EMC. AOL hatte mitgeteilt, der Netto-Verlust im dritten Quartal 2001 habe sich ausgeweitet. Die Aktie rutschte acht Prozent auf 30,81 Dollar ab. Ford hatte mitgeteilt, im dritten Quartal 2001 sei vor dem Hintergrund der schwachen Nachfrage auf dem US-Markt und den Folgen der Anschläge vom 11. September ein hoher Verlust erwirtschaftet worden. Die Aktie gab rund drei Prozent auf 17,13 Dollar nach. EMC wies nach eigenen Angaben erstmals seit mehr als zwölf Jahren einen Quartalsverlust aus. Die Aktie brach 16,6 Prozent auf 11,21 Dollar ein.
Belastend für den Markt seien die Äußerungen des Wirtschaftsberaters des US-Präsidenten, Lawrence Lindsey, kurz vor Börsenschluss gewesen, sagten Händler. Lindsey hatte gesagt, die US-Wirtschaft werde möglicherweise zwei Quartale hintereinander schrumpfen. Zuvor hatte der Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, gesagt, Unternehmen und Verbraucher hätten sich nach dem 11. September bei Konsum und Investitionen zurückgehalten.
US-Anleihen schließen uneinheitlich
Nach an den beiden Handelstagen zuvor zum Teil deutlichen Gewinn schlossen die US-Staatsanleihen am Mittwoch uneinheitlich. Während die zehnjährigen Titel mit einer Zinsausstattung von fünf Prozent 02/32 auf 103-10/32 verloren, wodurch ihre Rendite von 4,565 auf 4,58 Prozent stieg, stieg der dreißigjährige Longbond mit einem Kupon von 5-3/8 Prozent um 12/32 auf 100-26/32. Hier fiel die Rendite von 5,347 auf 5,317 Prozent.
Nach der positiven Eröffnung an den Aktienmärkten hatten die US-Anleihen, vor allem am kurzen Ende, zunächst deutlich nachgegeben. Im Handelsverlauf erholten sich die Notierungen aber wieder. Händler zeigten sich überrascht, wie stark die Aktienkurse auf Grund der gemeldeten neuen Milzbrand-Fälle nachgaben.
Die Aufschläge am langen Ende des Marktes wurden mit einer technischen Reaktion begründet. Auf die Rede von US-Notenbankpräsident Alan Greenspan vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss von Senat und Repräsentantenhaus reagierte der Anleihemarkt verhalten, erläuterte ein Händler. Die USA müssen sich nach Einschätzung des Greenspan zukünftig auf niedrigere Wachstumsraten ihrer Wirtschaft einrichten.
Medienschau
18. Okt. 2001
Unternehmensnachrichten
Augusta Technologie senkt Prognosen für Gesamtjahr
Augusta Technologie hat ihre Prognosen für das laufende Geschäftsjahr gesenkt. Es senkt seine Umsatzerwartung auf 285 Millionen Euro von zuvor 316 Millionen Euro. Dies entspricht einer Umsatzsteigerung um 39,6 Prozent. Die Prognose für das Jahresergebnis je Aktie vor Goodwill-Abschreibungen gibt Augusta mit 1,0 Euro an. Für das Jahresergebnis je Aktie nach Goodwill-Abschreibungen werden 0,20 bis 0,30 Euro prognostiziert. Wie das Unternehmen weiter berichtete, wurde in den ersten neun Monaten ein vorläufiger Umsatz von 193 Millionen Dollar erzielt. Dies entspreche einem Wachstum um 33,3 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. (Ad-hoc)
MWB mit schlechtem Neun-Monatsergebnis
Das Wertpapierhandelshaus MWB erwirtschaftete in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2001 ein im Vergleich zur Vorjahresperiode negatives Ergebnis. Die Umsätze in ausländischen Aktien in Deutschland, wichtigster Einflussfaktor für das Kerngeschäft des Unternehmens, gingen im 3. Quartal auf Euro 54,4 Milliarden zurück, nach Euro 77,5 Milliarden im 2. Quartal 2001. Aufgrund dieser Marktentwicklung wurde zum 30.09.2001 im Konzern ein Finanz- und Provisionsergebnis von minus 0,5 Millionen Euro, nach einem Plus von Euro 25,2 Millionen im Vorjahreszeitraum, erzielt. In diesem Ergebnis sind bereits Wertberichtigungen auf Handelsbestände und den Bestand in eigenen Aktien enthalten. Das Ergebnis vor Steuern reduzierte sich auf minus 8,l Millionen Euro gegenüber einem Plus von Euro 15,7 Millionen in der Vorjahresperiode. Das Management der MWB hat im 3. Quartal mit der Umsetzung eines Konzepts zur strategischen Neuausrichtung des Unternehmens begonnen, das die einzelnen Geschäftsfelder zum Teil straffen, neu strukturieren und inhaltlich neu ausrichten wird.(Ad-hoc)
Umsatz- und Gewinnwarnung bei Camelot
Nach Überprüfung der vorläufigen Ergebniszahlen für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres korrigiert die Camelot die Umsatz- und Ebit Prognosen für das laufende Geschäftsjahr nach unten. Der Konzern geht jetzt von einem Gesamtumsatz von 16 bis 17 Millionen, statt bisher 22 Millionen Euro aus (Vorjahr 14,9) und einem negativen Ebit von 10 bis 11 Millionen Euro statt einem geplanten Minus rund 4 Millionen Euro.(Ad-hoc)
Deutsche Börse an Liffe interessiert
Die Deutsche Börse ist nach Angaben aus Finanzkreisen in das Rennen um die Übernahme der Londoner Terminbörse Liffe eingestiegen. Liffe habe sie zu einem Angebot aufgefordert, werde sich aber nicht mit Angeboten unter 14 Pfund pro Aktie beschäftigen. (FTD, S. 19)
Wirtschaftsnachrichten
Neue Wertpapier-Bilanzregeln für Versicherer
Die Versicherungsbranche, die Bundesregierung und die Versicherungsaufsicht haben sich auf neue Regeln geeinigt, nach denen Versicherer künftig ihre Wertpapiere zu bilanzieren haben. Sie müssen diese nicht mehr als Umlaufvermögen behandeln und nach dem strengen Niederstwertprinzip vorgehen. (Handelsblatt, S. 1)
Ach und natürlich einen Guten Morgen Klecks, aabb-cisco und alle anderen