In einigen meiner Posts schrieb ich ja, dass es mir lieb wäre wenn am 31.12.18 nach 22 Uhr die 17er Bilanz veröffentlicht wird und am 01.01.19 die 18er Bilanz.
So, nun geht mein "Wunsch" mit etwas größerer Verzögerung in Erfüllung.
Das die Verspätung eher kurzfristig angekündigt wurde, finde ich auch nicht toll. Aber beschweren wir uns nicht ständig über irgendetwas? Mal wird gejammert weshalb der Kurs nicht nach oben / unten geht, mal wird gejammert weil zu wenig / nicht verständlich genug / nicht aussagekräftig veröffentlicht wird und manchmal wird gejammert, dass ein von - mutmaßlich - Betrug gebeuteltes Unternehmen "noch" immer kein, nach außen hin, Paradeunternehmen ist.
Worüber sprechen wir hier?
1)Wir haben einen nahezu weltweit tätigen Konzern mit über 100.000 Mitarbeiter und einer Unzahl von Submarken, die alle für sich bilanzieren. Die Holding konsolidiert und bringt für die Gruppe Dienstleistungen. Alleine das hier anzuwendende Steuerkonstrukt ist sicherlich, wenn es im Sinne der Eigner steuerschonend sein soll, hochkomplex - und das ohne irgendwelche Machenschaften die möglicherweise (oder wahrscheinlich) in den letzten Jahren "passiert" sind.
2) Vorteil eines nahezu weltweit tätigen Konzern ist aber auch, er kann auf Marktunterschiede reagieren und Synergien nutzen. Irgendwo geht ein Markt schlecht, kein Problem, wird kompensiert mit einem anderen Wachstumsmarkt. Was würde die Autoindustrie (noch) ohne China machen. Einen Sättigungsgrad bei SH sehe ich noch lange nicht. Aber zurück zum Thema.
3) Die PWC Untersuchung ist sicher kein Pappenstiel und keiner von den Beratern wird sich auf irgendetwas einlassen. Da gibt es auch persönliche Haftungen. Selbstverständlich werden die Behörden, die ja ebenfalls Ermittlungen durchführen, mit SH und der PWC zusammenarbeiten. Es kann also durchaus sein, dass da bspw. im Detail Punkte offen sind, Ermittlungen noch laufen, im Trivialfall finanzbehördliche Bestätigungen noch fehlen. Das ist absolut plausibel. Selbstverständlich darf SH nicht schreiben "z.B. der Bericht verzögert sich, weil gegen xy noch ermittelt wird" - so etwas würde die Ermittlung in Gefahr bringen. Wenn diese Ermittlungen Auswirkungen auf die Bilanzen haben könnten, dann ist auch klar, dass keine Bilanzen veröffentlicht werden können. In all den 3 von mir beispielhaft genannten obigen Punkten ist eine Auswirkung auf die Bilanz sehr wahrscheinlich. Eine 18er Bilanz basiert auf die Zahlen des Geschäftsjahres und auf der Vorjahresbilanz.
Betrachten wir den Zeitraum 17er Bilanz. Das Geschäftsjahr startet mit 01.10.2016 und endet am 31.09.2017. In 12.2017 wurde der "Skandal" öffentlich; Konsequenzen bekannt. Welcher Zeitraum wird nun besonders genau untersucht? Die Frage muss ich wohl nicht beantworten.
Ganz ehrlich, ich möchte nicht in der Haut der ganzen Prüfer stecken. Den Eines wird auch sein, die ganzen mutmaßlichen Trickser waren / sind sicherlich auch nicht dämlich...
4) Betrachten wir das, was wir wissen.
Verlustbringer verkauft / hergeschenkt, MF Struktur bereinigt, Afrika und Australasia sehr gut, Ostmärkte sehr gut, uU Poundland und Conforama Mittelmaß, Expansion in mehreren Ländern. Schuldenstand derzeit sehr wahrscheinlich noch problematisch, Eigenkapital stark gesunken (Querverweis: Gastronomie / Hotel --> Eigenkapitalquote....denkt sie euch), mögliche Klagen
5) Betrachten wir die Zeitspanne: Der Punkt 5) wurde innerhalb eines Jahres aufgearbeitet. Die Gläubiger haben 3 Jahre Frist eingeräumt. Denkt ihr, dass das einfach war? Nachdem in 12.2017 langsam das Ausmaß bekannt wurde und die Kreditlinien gekürzt wurden sowie die Kreditversicherer abgesprungen (wie bei Kika-Leiner) oder zumindest die Prämien anzogen, waren sicher extreme Liquiditätsengpässe. Eigentlich die typische Situation "jetzt ist es aus". Aber das passierte nicht, die haben reagiert und die Kurve bekommen. Um die Jahresmitte wurde immer kommuniziert, Liquidität vorhanden. Davor hatte ich am meisten Angst. Zweiter "Angststein" war der Markt. Wird er für SH zusammenbrechen? Wer zahlt noch etwas an? Auch hier wurde die Kurve gekratzt.
6) Synergien: Wer sagt, dass nicht in naher Zukunft bei MF irgendwelche Pepkor Sachen gehandelt werden, oder bei Pepkor Matratzen? Muss man sich im Detail ansehen, was Sinn macht und was nicht, aber wenn das Gröbste geschafft ist, why not?
7) Die heutige Marktreaktion: Tja, nicht schön, aber das ist halt so. Ich würde auch lieber ein plus sehen. Aber ehrlich, heute hat der Kurs um 2ct / Aktie nachgegeben. Hätte vor 2 Jahren keinen gekratzt. Heute schreien wir, weil wir uns ums gleiche Geld eine Vielzahl der Aktien reinziehen können (und es auch tun). Wenn ich heute auf mein Depot schaue, passt mir die Summenzahl auch gar nicht, aber es ist mir egal - weil ich mir sage "2 ct / Stk, na und....". Hab ich zu früh gekauft. Aber indem ich keine Glaskugel mit Zukunftsansicht habe, habe ich's nicht besser gewusst.
8) Nochmal zu der SH Kommunikation, die sicher auch für den Kursverlauf mitverantwortlich ist. DENNOCH kann SH mM nicht vielmehr mitteilen. Alles was jetzt (zusätzlich) mitgeteilt würde und sich dann nicht im PwC Bericht oder den Bilanzen so wiederfindet, wird man den Konzern anlasten. Insbesondere die Klagwilligen würden dies mutmaßlich genüsslich aufrollen. Daher ist diese Politik für mich zumindest nachvollziehbar. Soll SH mitteilen "Woh, wir haben zwar kein tolles Geschäftsjahr gehabt, aber nächstes Jahr ist alles auf Kurs, keine Probleme mehr und alle Töchter machen Profit"? Schwachsinn. Bringt doch nichts, nicht belastbar sondern man wird angreifbar.
9) Ob hier der Kurs zusätzlich noch manipuliert wird, keine Ahnung. Der Chart sieht mM schon manchmal danach aus. Lässt sich aber nicht beweisen und wir haben keinen Einfluss. Wir sind die "Parasiten" oder "Trollinge", die mit dem Zug mitfahren oder eben aussteigen.
So, in diesem Sinne wünsche ich allen hier viel Erfolg, wie auch immer eure Entscheidung in Bezug auf SH lauten wird
kd2go