Lage:
Steinhoff kann keine sichere Bilanz seiner Aktiva und damit seines Verschuldungsgrades ausweisen, Steinhoff ist eine Holding operativ (und ggf. autark) rentabler Tochterunternehmen, relative Rentabilitäten sind ungewiss, ebenso EBITDA und diverse Cashflow-Betrachtungen
Steinhoff-Anteilseigner sind von Dept-to-Equity bedroht (Gläubiger streben nach direkten Anteilen an den „Früchten der Holding“); der Kurs reflektiert diese Bedrohung und macht gleichzeitig Kapitalbeschaffung durch Dritte/neue Aktien unmöglich; offensichtlich ist Steinhoff als Holding in einer ausgemachten Falle.
Der Aktienmarkt schert sich nur nachrangig um Geld in der Kasse (jenseits der Marktkapitalisierung) oder operative Erträge, solange höchst zweifelhaft ist, ob das alles noch den Aktionären gehört.
Szenarien:
A. Insolvenz
1. Liquidation der Holding (Worst Case)
Gläubiger setzen in einem Insolvenzverfahren durch, dass sie komplett durch Equity (Töchter der Holding) entschädigt werden; die Holding wird "ausgeraidet" und die Aktionäre verlieren ihren Anteil komplett (oder erhalten was übrig bleibt)
2. Sanierung
Holding bleibt bestehen, wird im Insolvenzverfahren saniert und auf gesunden Verschuldungsgrad geführt, ggf. unter Maßnahmen wie in Szenarien B.
B. Dept-to-Equity Swap
1. Hohe (exklusive) Kapitalerhöhung
"Fehlendes" Vermögen der Holding muss so stark ausgeglichen werden, dass eine große Kapitalerweiterung notwendig ist durch Kapitaltausch => Gewinn pro Aktie (Dividende pro Aktie etc,) wird sehr viel geringer sein
2. Niedrige (exklusive) Kapitalerhöhung
Nur einzelne Gläubiger erhalten Eigenkapital, Gewinn pro Aktie sinkt nur leicht
C. Business as usual
1. Insolvenzverfahren wird abgelehnt
Aussicht und Prognose sind trotz Überschuldung positiv; Antrag auf Insolvenz wird abgelehnt (wer jetzt niederländischen Recht kann, ist klar im Vorteil), das Unternehmen wird mit kritischer Liquidität fortgeführt und saniert
2. Kapitalerhöhung
Der Eigenkapitalstock ist so kurz, dass die Bilanz durch neue Aktien verlängert werden muss, Voraussetzung ist ein gesundeter Aktienkurs, der Gewinn pro Aktie etc. sinkt
3. Vermögen deckt Verschuldung (Best Case)
Es bleibt rechnerisch genug Passiva in Form von Eigenkapital, das Unternehmen funktioniert wie bisher; ggf. sind korrigierte Ergebnisse und Cashflows erheblich niedriger als bisher; ggf. liegt der Aktienkurs unter dem korrigierten Buchwert je Aktie
Aus Basis der Szenarioanalyse und subjektiven Wahrscheinlichkeiten kann sich jeder den "fairen" Wert der Aktie über verschiedene Zeiträume ermitteln. Der Markt ist nicht dumm, so dass den Szenarien A.1 und B.1 eine hohe Wahrscheinlichkeit eingeräumt werden muss. Sehr gute Ertragslagen vieler Töchter forcieren sogar einen Gläubigerangriff (good news sind nun bad news). Auch schwebende/angedrohte Klagen sind ein Gläubigerangriff (Drohender Streitwert => Rückstellung => Fremdkapital => Eigenkapital aufgezehrt) und verschärfen das Eigenkapitalproblem. Trotzdem ist das Chance-Risiko-Verhältnis der Aktie äußerst interessant. Daneben kann es natürlich auch andere Szenarien geben (z.B. Übernahmeangebote, so bald Wettbewerber/Investoren eigene Analysen/Mutmaßungen zum Verschuldungsgrad abgeschlossen haben). Viel wird unmittelbar davon abhängen, wie einschneidend das Vermögen herabgesetzt werden muss und was die Gläubiger für Reaktionen darauf zeigen.