Die Steinhoff International Holdings NV (ISIN:
NL0011375019) auf dem Weg zur Normalisierung? 9-Monatszahlen zum 30.06.2020 zeigen einen Retailhändler, der sehr gut durch die Corona-Krise gekommen ist. Die Rest-Beteiligungen scheinen stark und scheinen Wachstum auf Dauer zu ermöglichen. Und dazu kam am Freitag Nachmittag (13:00 Uhr) die virtuelle Hauptversammlung. Hier wurde ENDLICH EIN KLARER ZEITRAHMEN FÜR DIE RECHTSSTREITIGKEITEN WURDE GENANNT. Aber auch dem board eine schallende Ohrfeige verpasst. Der Reihe nach:
Die Steinhoff International Holdings NV hielt am Freitag ab 13:00 Uhr für insgesamt 2 Stunden und 18 Minuten ihre Hauptversammlung als Online- oder virtuelle Hauptversammlung (AGM) ab. Nach Begrüßung, Vorstellung der Redner, Begründung der Form (virtuell) und Ablauferläuterungen (Abstimmungs- und Frageprocedere) führte Moira Moses als Nachfolgerin der „über Interessenskonflikte“ gestolperten Heather Sonn 8Ausscheiden im Mai diesen Jahres) durch die Veranstaltung. Beginnend mit dem schweren Neuanfang nach Aufkommen des Bilanzskandals bis zum aktuellen Stand unter Corona-Druck lieferte sie einen Überblick über die Entwicklungen. Louis du Preez stellte die gemachten Fortschritte, Desinvestments, Corona-Auswirkungen auf das Tagesgeschäft und natürlich auch die Entwicklungen im Bereich Rechtsstreitigkeiten vor (hier solle es später einen konkreten Zeitplan geben). Er betonte das erfolgreiche Neuanlaufen der Stores nach den Lock-down’s.
Theodore de Klerk (CFO) befasste sich dann mit den „Zahlen“, den Desinvestments, der neuen Firmenstruktur, den Verkäufen in der Periode 2019 und darauf. 2019: Verkäufe Poco, Steinpol, KAP, südafrikanische Immobilien, ABRA, Hemisphere. Verkäufe finalisiert in 2020: Conforama Frankreich und Conforama Schweiz, Blue Group, Sherwood Bedding, Greenlit Brands nur der General Merchandise -Bereich. Mattres Firm wird aufgrund der anstehenden Abgabe der 50%- Mehrheit in Form von Managementincentives bei erreichten Milestones (man wird gute 40% behalten) nicht mehr konsolidiert sondern „at equity“ verbucht. Das bereits diskutierte steuerliche Problem der Verbuchung der steuerlichen Auswirkungen der Bilanzbetrügereien des alten Managements, wurde vertieft.
Der Schuldenstand der gesamten Gruppe belief sich für 2019 auf 11,370 Mrd. EUR und für das Ende des ersten Halbjahres 2020 insgesamt 11,494 Mrd. EUR – ein riesiger Berg. Und dazu kämen noch die Kosten des angebotenen Vergleichs (auch wenn zur Hälfte in Pepkor Aktien bezahlt). Die Liquidität der Gruppe beträgt derzeit 1,8 Mrd. EUR. Wichtige Ausgabenposten waren in 2019 die extrem hohen Beratungskosten von 158 Mio. EUR, im ersten Halbjahr immerhin noch 58 Mio. EUR. Hier ist eine langsame Reduktion feststellbar, insbesondere die forensischen Untersuchungen scheinen größtenteils erledigt (2 Mio. nach 24 Mio in 2019) Auch bei den WP-Gebühren ist langsam wieder eine Normalisierung feststellbar: 8 Mio. nach 27 Mio. in 2019.
Im Anschluss äußerte sich Onno Opzitter von Mazars – neben den Prüfungserschwernissen durch Covid-19 – beschrieb er die Probleme bei der Wirtschaftsprüfung der 2019er Bilanzen. Aufgrund der Vorgeschichte verbleiben viele Punkte unsicher und nicht letztendlich bewertbar. Diese Unsicherheiten könnten in der Summe hohen Einfluss auf das Konzernergebnis haben – insofern ist das Testat eingeschränkt. Dann wieder Louis du Preez: Der Wertverfall des ZAR hat einen negativen Einfluss auf die Gruppe, genauso wie der Kursverfall der börsennotierten Pepkor SA – beides Corona-Folgen, die vom Konzern wenig beeinflusst werden konnten. Dann stellte er den Lösungsvorschlag der Gesellschaft für die Rechtsstreitigkeiten vor mit der erfolgten Klassifizierung in drei Gruppen und die entsprechenden angebotenen Ausgleiche (AUSFÜHRLICHE DARSTELLUNG DES VORSCHLAGS). Eine Annahme sei im Interesse aller Stakeholder und wichtig. Der Zeitplan sieht folgendermaßen aus: In 4-6 Monaten soll der Einigungsprozess abgeschlossen sein und zu ersten Auszahlungen direkt im Anschluss führen.
Demnächst sollen wieder die operativen Ergebnisse die Erträge der Aktionäre beeinflussen – natürlich nach Bewältigung und Verringerung des Schuldenbergs, sowohl absolut, als auch bei den extremen Zinssätzen für ein „beinahe Pleiteunternehmen“ und nach Klärung der Rechtsstreitigkeiten. Der Konzern sein kein „default“, die Kreditgeber haben Kontrollrechte im Gegenzug für ihr Stillhalten erhalten. Nach einigen Fragen bezüglich der Abwicklung der Rechtsstreitigkeiten und des Zeitplans. Vergütungsfragen der anstehenden AGM-Entscheidung wurden geklärt. Dann stellte Moira Moses die Bilanz 2019 vor (VERGLEICHE UNSEREN BERICHT VOM). Anschließend wurden im Wechsel die einzelnen Abstimmungspunkte der AGM erörtert.
In der anschließenden Abstimmung fanden nicht alle Vorschläge, die zur Abstimmung standen, die notwendige Mehrheit. Im Einzelnen wurden akzeptiert: Die Vergütungsstrukturen für Managing und Supervisory Directors, Ergänzung zur vergütung des Supervisory Boards, Statutenänderung, Reduzierung des Aktienkapitals um selber gehaltene Aktien, Erlaubnis zum Erwerb von Aktien (aber nur von Tochtergesellschaften) - dieser Punkt sei ohne Liquiditätswirkung, spare aber auf Dauer Kosten, weil ruhende Töchter danach aufgelöst werden könnten, Berufung Mazars als Wirtschaftsprüfer. ABGELEHNT wurde die Annahme der 2019er Bilanzen, Vorschlag zur Überprüfung des Vergütungsberichts 2019, Erweiterung der Managervergütungen.
INWIEWEIT DAS KNAPPE SCHEITERN DER ANNAHME DER JAHRESABSCHLUSSBERICHTE ZUM 30.09.2020 (48,13% zu 51,87%) FOLGEN HABEN WIRD , WIRD MAN SEHEN. Die Ablehnung der vorgeschlagenen erweiterten Managervergütung lässt die Verbitterung der Aktionäre spüren - hier ist noch viel Überzeugungsarbeit seitens des Managements notwendig. Die Ergebnisse der Abstimmungne sind insgesamt kein klarer vertrauensbeweis für das Management, auch wenn die grundsätzlichen Vergütungen für beide Organe durchgewunken worden sind. Möglicherweise schwere Fahrwasser vor Steinhoff, aber das wäre ja nichts Neues.
noch ein weiter weg zur Normalität. aber in 4-6 Monaten sollen zumindest die Rechtsstreitigkeiten geklärt sein. Andere Abstimmungsergebnisse zeigten die große Verbitterung der Aktionäre