Die Verhaltenstherapie entstand in den 50er Jahren um die Forschungsgruppen von Skinner, Wolpe und Eysenck. Sie hat einen völlig anderen Ansatzpunkt als die bisher besprochenen Therapiearten. Bei ihr handelt es sich um die Umsetzung der modernen Lerntheorien auf abnormes Verhalten. Neurotisches und gestörtes Verhalten wird als "falsch gelernt" angesehen. Durch die Therapie soll der Klient andere Möglichkeiten lernen, auf ein gegebenes Problem zu reagieren. Dadurch wird die ursprüngliche Verknüpfung von Reiz und Reaktion gelöscht. Die innerpsychischen Ursachen für das gestörte Verhalten interessieren in der klassischen Verhaltenstherapie nicht.
In einer Verhaltenstherapie wird zunächst genau abgegrenzt, was für ein Problem vorliegt (z.B. Höhenangst). Dann wird erforscht, in welchen Situationen das Problem auftritt, also welcher Reiz ein gestörtes Verhalten auslöst (z.B. bei Stehen auf Türmen, Hinaussehen aus Fenstern höherer Stockwerke etc.). Nun wird erforscht, welche Gedanken (z.B. ich werde fallen), Gefühle (Angst) und Körperreaktionen (Herzrasen, Schwitzen, Zittern) die Situation auslöst und welches Verhalten daraus folgt (Zurückweichen, Vermeidung solcher Situationen). Außerdem ist wichtig, welche Konsequenzen des Verhalten hat (z.B. Spott durch Kollegen). Nach dieser Problem- und Verhaltensanalyse wird zusammen mit dem Klienten das Behandlungsziel definiert (Aufhebung des Zusammenhanges von Höhe und Angst).
Die Behandlung selbst kann z.B. durch die systematische Desensibilisierung erfolgen. Diese Methode beruht im Prinzip auf der klassischen Konditionierung nach Pawlow (sie wissen doch noch, der sabbernde Hund). Hierbei versucht man, die erlernte Koppelung von Reiz (Höhe) und Reaktion (Angst) durch ein langsames Überschreiben zu löschen. Dazu spricht der Therapeut mit dem Klienten genau die angsterzeugenden Situationen durch. Der Klient stellt eine Angsthierachie auf (z.B. geschlossenes Fenster geringer Höhe, offenes Fenster, Turm, Abhang etc.). Dann lernt der Klient ein Entspannungsverfahren. In nächsten Schritt stellt er sich im entspannten Zustand die angsterzeugenden Situationen im Beisein des Therapeuten vor und lernt so die Angst zu vermeiden. Dabei wird von den am wenigsten angstbelasteten Vorstellungen schrittweise auf die stärker belasteten übergegangen. Hat der Patient gelernt, diese Vorstellungen angstfrei zu erleben, wird er sich wieder stufenweise in die tatsächlichen Situationen begeben. Je nach Fall wird ihn der Therapeut dabei zunächst begleiten oder auch nicht. Erträgt der Klient diese Situationen auch in der realen Welt, ist die Behandlung erfolgreich abgeschlossen.
Eine andere Methode ist die Reizüberflutung. Hierbei wird der Klient einer maximal angstauslösenden Situation ausgesetzt und dazu motiviert, sie so lange auszuhalten, bis die Angst nachläßt. Der Erfolg dieser Methode beruht darauf, das außer der real existierenden Angst die Betroffenen häufig auch von einer "Angst vor der Angst" geplagt werden. Befinden sie sich in einer Auslösersituation so treibt sie nicht ein schon völlig unerträglicher innerlicher Zustand dazu, die Situation zu beenden, sondern mehr die Vorstellung, daß sich ihre Angst (und deren Folgen), die schon jetzt schlimm sind, in einiger Zeit bis in das Unerträgliche steigern werde. Dies ist aber nicht so. Wenn sie in dieser Situation bleiben, so steigt die Angst zunächst schnell an, verlangsamt dann jedoch ihre Steigerung und fällt wieder ab. Wenn die Klienten diesen Punkt, an dem sich die Angst wieder legt, öfters erreicht haben, wird dadurch die Koppelung von Reiz (Höhe) und Reaktion (Angst) gelöscht.
Kognitive Therapieverfahren gehen davon aus, daß psychische Störungen (besonders Depressionen) durch falsche Denkmuster und Bewertungsvorstellungen verursacht werden. Erkennt der Betroffene die Widersinnigkeit seiner Grundhaltung so kann er auslösende Situationen durch "Training" mit anderen Reaktionen verknüpfen. Eine solche widersinnige Grundhaltung, die von dem Klienten nicht erfüllt werden kann, wäre z.B.: "Ich muß unbedingt von jeder wichtigen Person in meiner Umgebung geliebt und geschätzt werden". Hierdurch wird natürlich jede kleine Zurechtweisung oder Ablehnung aus seinem Umfeld für den Patienten ein unverhältnismäßige Frustration bedeuten. Hierbei treten auf die Situation "automatisch" negative Emotionen und Gedanken auf. Hat der Klient nun den Widersinn dieses Anspruches erkannt, so kann er die auf eine kleine Zurückweisung folgende vermeintliche Erkenntnis seines Versagens durch innere Aussagen wie z.B. "der kann mich nicht so leiden, aber die anderen mögen mich" ersetzen.
Gerade im Gebiet der kognitiven Verhaltenstherapie finden sich Übergänge zu "aufdeckenden" Verfahren, wird also den innerpsychischen Prozessen und unbewußten Inhalten mehr Bedeutung zugewiesen.
Andere Therapiearten innerhalb der Verhaltenstherapie sind z.B. das Selbstsicherheitstraining, in dem meist in einer Gruppe das Verhalten des einzelnen in Rollenspielen analysiert wird und ein selbstsichereres Verhalten eingeübt wird und das operande Verstärken zu Einlernung neuer Verhaltensweisen, bei dem sich der Patient selbst für "richtiges" Verhalten mit einem positiven Verstärker, also einem angenehmen Reiz belohnt (z.B. wenn ich das und das schaffe, dann habe ich mir ein gutes Essen "verdient").