04.02.2002
Sport als Retter der Börse
Börsianer sind verzweifelt. Der Januar hat leider nicht den erhofften positiven Abschluss gebracht. Alle bekannten Börsenindizes, nicht nur Amerikas, sondern auch anderer wichtiger Industrienationen, haben im ersten Jahresmonat negative Resultate erzielt, obwohl der Monatsbeginn erfreulich verlief. Dies ist ein schlechtes Omen für das Gesamtjahr. Lediglich einige Schwellenländer - wie Russland, Mexiko und Südkorea - konnten sich dem allgemeinen Abwärtstrend widersetzen; so auch die Börsenindizes kleiner Werte.
Das sogenannte Januar-Barometer weist eine beachtlich hohe Trefferquote auf. In den 34 Jahren seit 1950, wo der Januar im Plus schloß, kam es in über 90 Prozent der Fälle zu einem Börsenanstieg am Jahresende. Eine der drei Ausnahmen war allerdings das vergangene Jahr, das trotz eines positiven Januars mit Verlusten endete. Die Ereignisse vom 11. September können jedoch als eine Ausnahmesituation gelten. Ein schwacher Januar führte in den restlichen 18 Jahren in elf Fällen zu einem negativen Jahresresultat; weitere vier Jahre erzielten dagegen nur geringfügige Indexverbesserungen. Die Hoffnung konzentriert sich jetzt auf die drei positiven Ausnahmen, wo es trotz eines schlechten Januars zu einem Anstieg im Gesamtjahr kam.
1982 erzielte mit einem Plus von 15 Prozent das beste Ergebnis. Im August begann damals eine der eindruckvollsten Börsenhaussen überhaupt, als sich Amerika von einer Rezession befreite. Mit einer ähnlichen Entwicklung ist kaum zu rechen, da die Ausgangsbasis anders aussieht. Bereits vor vier Monaten begann diesmal Ende September eine neue Aktienhausse. Die vor knapp einem Jahr begonnene Rezession könnte bereits in diesem Quartal überwunden werden. Dafür sprechen etliche Wirtschaftsdaten.
Die Frühindikatoren, die künftiges Wachstum reflektieren, sind bereits seit drei Monaten positiv. Das aufgrund der Terrorakte im vergangenen September stark gefallene Verbrauchervertrauen hat sich inzwischen wieder deutlich erholt. Die Arbeitslosenrate ist im Januar sogar überraschend etwas gefallen. Allerdings täuscht hier der erste Eindruck. Die Verbesserung beruhte nämlich nicht auf einer Zunahme von Arbeitsplätzen, sondern auf den Rückgang von Arbeitssuchenden. Aber auch die Währungshüter rechnen offensichtlich mit einer allmählichen Wirtschaftserholung. Die erste Jahressitzung des Notenbankrates endete ohne weitere Zinssenkung. Die Leitzinsen wurden im vergangenen Jahr in elf Schritten von 6,5 Prozent auf 1,75 Prozent reduziert. Dies ist der niedrigste Tagesgeldsatz seit 40 Jahren. Geduld ist jetzt gefordert. Mit schnellen Resultaten ist kaum zu rechnen.
Die zwei verbleibenden Ausnahmen, wo es trotz eines negativen Januars zu einem Jahresanstieg kam, gleichen der heutigen Ausgangsbasis am ehesten. 1968 erzielte einen Anstieg von fast acht Prozent und wurde vom Vietnamkrieg beeinflußt. 1992 endete mit einem Plus von über vier Prozent. In beiden Jahren kam es ähnlich wie diesmal, trotz eines Anstiegs in den ersten fünf Börsentagen, die als Frühindikator mit einer hohen Trefferquote gelten, zu einem negativen Monatsabschluss. Schwache Unternehmensgewinne widersprechen einer allgemeinen Kursexplosion in diesem Jahr. Die richtige Aktienauswahl wird den Anlageerfolg entscheidend beeinflussen. Kleinere Unternehmen weisen bereits seit einiger Zeit eine deutlich bessere Kursentwicklung als die Großen auf. Dies war zu Beginn einer neuen Wirtschaftsexpansion oft der Fall. Klein, aber fein - könnte in diesem Jahr das Motto sein. Dieses Marktsegment leidet jedoch häufig unter mangelnder Liquidität und ausreichender Information. Ein Fonds deckt hier das Risiko sicherlich besser ab als Einzelwerte; allerdings wird das Resultat auch selten so spektakulär sein.
Ein weiterer Hoffnungsschimmer ist für sportinteressierte Börsianer der Football-Indikator, dessen Trefferquote bei über 80 Prozent liegt. Ein Sieg der St. Louis Rams, die als Favoriten beim Super Bowl galten und der ursprünglichen National Football Conference (NFC) angehörten, würde grünes Licht für Wall Street signalisieren. Ein negativer Ausgang dieses populären Sportereignisses würde jedoch nicht das Ende der Welt bedeuten. Seit dem 2. Weltkrieg ist es noch nie zu drei aufeinanderfolgenden negativen Börsenjahren gekommen. Lang lebe die Statistik!
Ihr Heiko Thieme
Sport als Retter der Börse
Börsianer sind verzweifelt. Der Januar hat leider nicht den erhofften positiven Abschluss gebracht. Alle bekannten Börsenindizes, nicht nur Amerikas, sondern auch anderer wichtiger Industrienationen, haben im ersten Jahresmonat negative Resultate erzielt, obwohl der Monatsbeginn erfreulich verlief. Dies ist ein schlechtes Omen für das Gesamtjahr. Lediglich einige Schwellenländer - wie Russland, Mexiko und Südkorea - konnten sich dem allgemeinen Abwärtstrend widersetzen; so auch die Börsenindizes kleiner Werte.
Das sogenannte Januar-Barometer weist eine beachtlich hohe Trefferquote auf. In den 34 Jahren seit 1950, wo der Januar im Plus schloß, kam es in über 90 Prozent der Fälle zu einem Börsenanstieg am Jahresende. Eine der drei Ausnahmen war allerdings das vergangene Jahr, das trotz eines positiven Januars mit Verlusten endete. Die Ereignisse vom 11. September können jedoch als eine Ausnahmesituation gelten. Ein schwacher Januar führte in den restlichen 18 Jahren in elf Fällen zu einem negativen Jahresresultat; weitere vier Jahre erzielten dagegen nur geringfügige Indexverbesserungen. Die Hoffnung konzentriert sich jetzt auf die drei positiven Ausnahmen, wo es trotz eines schlechten Januars zu einem Anstieg im Gesamtjahr kam.
1982 erzielte mit einem Plus von 15 Prozent das beste Ergebnis. Im August begann damals eine der eindruckvollsten Börsenhaussen überhaupt, als sich Amerika von einer Rezession befreite. Mit einer ähnlichen Entwicklung ist kaum zu rechen, da die Ausgangsbasis anders aussieht. Bereits vor vier Monaten begann diesmal Ende September eine neue Aktienhausse. Die vor knapp einem Jahr begonnene Rezession könnte bereits in diesem Quartal überwunden werden. Dafür sprechen etliche Wirtschaftsdaten.
Die Frühindikatoren, die künftiges Wachstum reflektieren, sind bereits seit drei Monaten positiv. Das aufgrund der Terrorakte im vergangenen September stark gefallene Verbrauchervertrauen hat sich inzwischen wieder deutlich erholt. Die Arbeitslosenrate ist im Januar sogar überraschend etwas gefallen. Allerdings täuscht hier der erste Eindruck. Die Verbesserung beruhte nämlich nicht auf einer Zunahme von Arbeitsplätzen, sondern auf den Rückgang von Arbeitssuchenden. Aber auch die Währungshüter rechnen offensichtlich mit einer allmählichen Wirtschaftserholung. Die erste Jahressitzung des Notenbankrates endete ohne weitere Zinssenkung. Die Leitzinsen wurden im vergangenen Jahr in elf Schritten von 6,5 Prozent auf 1,75 Prozent reduziert. Dies ist der niedrigste Tagesgeldsatz seit 40 Jahren. Geduld ist jetzt gefordert. Mit schnellen Resultaten ist kaum zu rechnen.
Die zwei verbleibenden Ausnahmen, wo es trotz eines negativen Januars zu einem Jahresanstieg kam, gleichen der heutigen Ausgangsbasis am ehesten. 1968 erzielte einen Anstieg von fast acht Prozent und wurde vom Vietnamkrieg beeinflußt. 1992 endete mit einem Plus von über vier Prozent. In beiden Jahren kam es ähnlich wie diesmal, trotz eines Anstiegs in den ersten fünf Börsentagen, die als Frühindikator mit einer hohen Trefferquote gelten, zu einem negativen Monatsabschluss. Schwache Unternehmensgewinne widersprechen einer allgemeinen Kursexplosion in diesem Jahr. Die richtige Aktienauswahl wird den Anlageerfolg entscheidend beeinflussen. Kleinere Unternehmen weisen bereits seit einiger Zeit eine deutlich bessere Kursentwicklung als die Großen auf. Dies war zu Beginn einer neuen Wirtschaftsexpansion oft der Fall. Klein, aber fein - könnte in diesem Jahr das Motto sein. Dieses Marktsegment leidet jedoch häufig unter mangelnder Liquidität und ausreichender Information. Ein Fonds deckt hier das Risiko sicherlich besser ab als Einzelwerte; allerdings wird das Resultat auch selten so spektakulär sein.
Ein weiterer Hoffnungsschimmer ist für sportinteressierte Börsianer der Football-Indikator, dessen Trefferquote bei über 80 Prozent liegt. Ein Sieg der St. Louis Rams, die als Favoriten beim Super Bowl galten und der ursprünglichen National Football Conference (NFC) angehörten, würde grünes Licht für Wall Street signalisieren. Ein negativer Ausgang dieses populären Sportereignisses würde jedoch nicht das Ende der Welt bedeuten. Seit dem 2. Weltkrieg ist es noch nie zu drei aufeinanderfolgenden negativen Börsenjahren gekommen. Lang lebe die Statistik!
Ihr Heiko Thieme