Spekulationsblase am Ölmarkt


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Spekulationsblase am Ölmarkt

 
29.08.05 14:46
HINTERGRUND: 70 Dollar für ein Barrel Öl - Investitionen folgen nur zögernd



HAMBURG (dpa-AFX) - Der Preis für ein Barrel Rohöl hat die Marke von 70 Dollar geknackt und ein Ende der steten Verteuerung ist nicht in Sicht. Die Ölwirtschaft kann den Rekordpreis unter den herkömmlichen Gesichtspunkten von Angebot, Nachfrage und rationalen Erwartungen nicht mehr erklären. 'Die meisten in der Öffentlichkeit verbreiteten Einschätzungen stammen inzwischen von Bankern, Investmentfirmen und Analysten, die sich früher nicht zum Ölmarkt geäußert haben', stellt Karl-Heinz Schult-Bornemann von ExxonMobil fest. 'Das hat sogar eine gewisse Logik, weil sich die Finanzwirtschaft immer stärker des Marktes bemächtigt hat und auf kurzfristige Gewinne setzt.' Finanzstarke Investmentgesellschaften haben Milliarden Dollar in Rohstoff-Fonds und vor allem in Ölpapiere investiert. Für die Ölexperten, die wirklich mit Rohöl und Raffinerien zu tun haben und nicht nur mit Futures und Optionen, sind die gängigen Erklärungen für die Preissteigerungen nicht einleuchtend. So soll der Super-Hurrikan 'Katrina' am Montag den deutlichen Preisanstieg um gut drei Dollar verursacht haben. Mehr als 20 Produktionsanlagen im Golf von Mexiko wurden kontrolliert stillgelegt, etliche Raffinerien und Umschlaganlagen waren in Gefahr. 'Dennoch ist die Versorgung nicht gefährdet', sagt Schult-Bornemann. 'Das System der Ölförderung und -verteilung enthält genug Mengenpuffer, um flexibel zu reagieren und die Verbraucher wie gewohnt mit Ölprodukten zu beliefern.' ERINNERUNG AN INTERNET-BLASE Die kurzfristig orientierten Finanzgesellschaften ziehen neben Hurrikans im Golf von Mexiko auch Streiks in Nigeria oder Norwegen, Anschlänge im Irak oder politische Entwicklungen in Iran, kalte Winter, heiße Sommer und alle möglichen anderen Alltagsphänomene als Erklärungen herbei, um die immer höheren Preise zu begründen. Ulrich Winkler von Aral/BP fühlt sich schon an die Internet-Blase auf den Aktienmärkten der späten neunziger Jahre erinnert. 'Jetzt werden schon privaten Anlegern in großen Tageszeiten Öl-Zertifikate angeboten.' Das sei ein sicheres Zeichen für eine Überhitzung. Doch wahr ist auch: Die Ölpreis-Hausse hat eine realwirtschaftliche Grundlage. Die Weltwirtschaft wächst stetig und in den vergangenen ein bis zwei Jahren ist die Nachfrage kräftig gestiegen. Allein China hat seinen Energieverbrauch im vergangenen Jahr um mehr als 13 Prozent erhöht. Der Energieverbrauch der Welt kletterte um 4,3 Prozent, die stärkste je gemessene Steigerung.

NOCH KEIN INVESTITIONSSCHUB ZU SEHEN

Wenn der Preis für Rohöl steigt, werden auch Gas, Kohle und Strom teurer. 'Erdöl ist mit Abstand wichtigster Energieträger und damit auch Preisführer', sagt Schult-Bornemann. Öl steuert mehr als ein Drittel zum Welt-Energieverbrauch bei und solche Mengen können kurzfristig weder eingespart noch ersetzt werden. Doch noch ist nicht erkennbar, dass der Energiesektor in großem Umfang zusätzliche Investitionsmittel anzieht. 'Es wird einen Investitionsschub geben, aber man sieht ihn noch nicht', sagt Öl-Experte Klaus Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA). Bei den Investoren gebe es eine gewisse Zögerlichkeit, denn die Ölkonzerne stünden nicht unter Druck: Sie verdienen gut bei den hohen Preisen. Doch die Öl-Multis wissen auch, wie stark der Ölpreis schwanken kann: Vor sechs Jahren lag er noch bei zehn Dollar je Barrel. Wer heute in eine Raffinerie oder eine Ölförderanlage investiert, kann erst in fünf bis zehn Jahren den ersten Tropfen Öl oder Benzin aus dieser Anlage verkaufen. Ob das Barrel Öl dann immer noch 70 Dollar kostet, weiß niemand. In ihren Modellrechnungen haben die Ölfirmen den Rechenpreis nun heraufgesetzt, von 25 bis 30 auf 40 Dollar für ein Barrel. Doch allein die Entscheidung für eine Investition, die oft in den Milliardenbereich geht, dauert länger als ein Jahr. /gi/DP/js ---Von Eckart Gienke, dpa ---

Quelle: dpa-AFX
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Öl II

 
29.08.05 14:47
Golf von Mexiko lebenswichtig für US-Energieversorgung

NEW YORK (dpa-AFX) - Wegen des Hurrikans 'Katrina' ist ein Teil der amerikanischen Ölplattformen, Häfen, Raffinerien und petrochemischen Werken geschlossen worden. Tausende wurden von Bohrplattformen im Golf von Mexiko evakuiert. Auch in den Betrieben an der Golf-Küste der Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama ruhte die Arbeit weitgehend. Im Golf von Mexiko werden täglich rund 1,5 Millionen Barrel Öl für die USA gefördert, von denen nun etwa 600.000 Barrel durch die Schließung der Ölinstallationen ausfallen. Im Golf befinden sich mehr als 800 bemannte Bohrinseln, 135 Bohrtürme sowie tausende kleinerer Bohranlagen. Auf den Golf von Mexiko entfällt mehr als ein Viertel der amerikanischen Erdgas- und Ölförderung. Damit ist der Golf von Mexiko für die US-Ölversorgung wichtiger als Alaska. In den US-Bundesstaaten am Golf von Mexiko befinden sich zahlreiche Raffinerien. Die petrochemische Industrie ist in den Küstengebieten mit riesigen Anlagen konzentriert. Auch ein großer Teil der US-Ölimporte läuft über die Golfhäfen. Der Louisiana Offshore Oil Port (LOOP), etwa 30 Kilometer südlich von New Orleans, ist der mit Abstand größte amerikanische Ölimporthafen. Die in den Küstengebieten liegenden Raffinerien repräsentieren fast 50 Prozent der US-Gesamtkapazität./br/DP/js

Quelle: dpa-AFX
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