Späth: Deutsche Telekom soll nach Wahlsieg vollständig privatisiert werden
Eine unionsgeführte Bundesregierung würde laut
Jenoptik-Chef Lothar Späth die Deutsche Telekom "möglichst schnell"
vollständig privatisieren. Dies kündigte Späth in einem Interview mit der
Tageszeitung "Die Welt" (Montagausgabe) an. Bei einem Wahlerfolg der CDU/CSU
würde Späth aller Voraussicht nach Wirtschaftsminister und wäre damit auch
für den Bereich Telekommunikation zuständig.
"Die Telekom muss möglichst schnell privatisiert werden - mit einem
möglichst großen Anteil freier, internationaler Aktionäre, die
professionellen Druck auf die Effizienz ihres Geschäfts ausüben", sagte
Späth der "Welt". "Dann fühlen sich auch die Kleinaktionäre besser,
weil sie wissen, dass die Großaktionäre entsprechend Dampf machen." Als
guter Geschäftsmann wolle er allerdings auch nicht unter Wert verkaufen,
schränkte der noch amtierende Jenoptik-Chef ein.
'KNALLHARTE DEREGULIERUNG DER TELEKOM GEFORDERT'
Späth plädierte zudem für eine "knallharte Deregulierung der Telekom". Er wolle die Wettbewerber bei der Regulierungspolitik aber nicht gegenüber dem
Ex-Monopolisten bevorzugen. "Meine Erfahrung hat gezeigt, dass, wenn die
Wettbewerbssituation für alle gleich ist, meistens die Schnellen und nicht die
Großen gewinnen. Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die
Langsamen", begründete Späth seine Haltung. Die Regulierungsbehörde hat indes
seit der Liberalisierung des Marktes 1998 tendenziell die Newcomer bevorzugt, um
die Marktmacht der Telekom zu verringern.
Späth kündigte zudem an, dass er als Wirtschaftsminister zunächst nicht daran denken werde, den derzeitigen Präsidenten der Regulierungsbehörde, Matthias Kurth (SPD), auszuwechseln. "Wenn die Leute gut sind, ist es mir egal,
welches Parteibuch sie haben. Ich bin da völlig unbefangen", sagte Späth. "Nur
wenn keine objektive Deregulierung erfolgt, wäre eine Krise da."/js