Auszug aus SpaceX an der Börse: Was hinter dem größten IPO der Geschichte steckt - Erste Asset Management Investment Blog:
Der Indexeffekt – und warum er diesmal besonders groß ist
Ein Aspekt, der in der öffentlichen Diskussion oft unterschätzt wird: die Mechanik der Indexaufnahme. Und hier hat SpaceX die Spielregeln zu seinen Gunsten beeinflusst – oder zumindest partizipiert an einer Regeländerung, die wie maßgeschneidert wirkt. Im März 2026 überarbeitete Nasdaq seine Aufnahmekriterien für den Nasdaq-100 grundlegend. Das Stichwort: „Fast Entry“. Neu gelistete Unternehmen, deren Marktkapitalisierung unter den Top-40-Werten des Index rangiert, können bereits nach 15 Handelstagen aufgenommen werden – statt wie bisher frühestens nach drei Monaten. Für SpaceX bedeutet das: Aufnahme voraussichtlich Ende Juni oder Anfang Juli 2026, noch bevor der erste Lock-up-Ablauf auch nur in Sichtweite kommt.
Das hat konkrete Folgen für den Markt. Der Nasdaq-100 wird von mehr als 200 Anlageprodukten mit insgesamt über 600 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen abgebildet – darunter der bekannte Invesco QQQ Trust mit rund 430 Milliarden Dollar. Alle diese Fonds sind bei einer Indexaufnahme verpflichtet, SPCX-Anteile zu erwerben – unabhängig von ihrer eigenen Bewertungsmeinung, und in einem Zeitfenster von nur fünf Handelstagen. Das erzeugt eine strukturelle, preisunempfindliche Nachfrage in erheblichem Ausmaß. Auch FTSE Russell hat seine Regeln angepasst und das Post-IPO-Fenster auf nur fünf Tage verkürzt, womit SpaceX auch für den Russell 1000 zur Aufnahme im September oder Dezember 2026 qualifiziert wäre.
Einen Dämpfer gab es allerdings heute, am 5. Juni: S&P Dow Jones Indices hat klargestellt, dass es seine bestehenden Aufnahmekriterien für den S&P 500 nicht ändert. Eine schnelle Aufnahme in den meistbeachteten Weltindex ist damit vorerst vom Tisch – frühestens wäre SpaceX in Q4 2026 oder Q1 2027 S&P-500-tauglich. Für viele globale passive Fonds bleibt SPCX damit zunächst ein Beobachtungsfall, kein Pflichtkauf.
Was bleibt: Der Indexeffekt ist real und strukturell bedeutsam – aber er ist kein Blankoscheck. Wer als Anleger:in auf den Kaufdruck durch Indexfonds setzt, sollte verstehen, dass dieser Druck zeitlich begrenzt ist und wenig über den fundamentalen Wert der Aktie aussagt.