soll man verdächtige Ausländer foltern ?


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Kicky:

soll man verdächtige Ausländer foltern ?

 
10.11.01 00:43
Er sei an einer Herzattacke gestorben, sagt der Gefängnisarzt, an jener Art von Herzattacke, die durch extremen Stress ausgelöst wird. Am Morgen des 23. Oktober wurde der Pakistani Rafiq Butt tot in seiner Zelle im Gefängnis von New Jersey aufgefunden. Der 55-jährige war von den US-Behörden im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das World Trade Center festgenommen worden. Ein Priester aus der Nachbarschaft hatte ihn angezeigt. Zwar hatte das FBI bereits nach einem Tag festgestellt, dass Butt mit dem Anschlag nichts zu tun hatte, aber der Pakistani, der kaum Englisch sprach und keinen Anwalt hatte, blieb 33 Tage in Haft.
Mehr als 1100 Menschen, zumeist Ausländer arabischer Herkunft oder moslemischen Glaubens, sitzen derzeit in amerikanischen Gefängnissen. Sie wurden als Verdächtige bei der größten Terrorattacke der US-Geschichte festgesetzt, auf unbestimmte Zeit, wie es seit einer Gesetzesänderung am 26. Oktober als Reaktion auf den Anschlag möglich ist. Es waren zunächst noch mehr, aber einigen der Internierten, die sich gute Anwälte leisten konnten, gelang es, freigelassen zu werden. Bisher hat das FBI in kaum einem Fall etwas nachweisen können.
Das alles wäre schon bedenklich genug. Nun machen sich aber auch noch führende Zeitungen und TV-Sender in den USA öffentlich Gedanken darüber, wie man aus den vielen Verdächtigen etwas Substanzielles herauspressen könnte. Durch Folter vielleicht? Angestoßen wurde die Debatte durch den Newsweek-Kolumnisten Jonathan Alter, der in der Wochenzeitschrift darüber sinnierte, dass "in diesen dunklen Tagen selbst Liberale ihre Gedanken einer neuen Methode zuwenden: Folter."

Alter blieb nicht der einzige. CNN-Kommentator Tucker Carlson meinte, dass Folter unter bestimmten Umständen das kleinere von zwei Übeln sein könne. Murdochs Nachrichtensender Fox News forderte seine Zuschauer auf, darüber zu entscheiden, ob der Staat in einer solchen Situation foltern dürfe. Der Historiker Jay Winik erinnerte im Wall Street Journal an den Fall des verurteilten Terroristen Abdul Hakim Murad, der vom philippinischen Geheimdienst gefoltert wurde und daraufhin den Plan preisgegeben habe, Dutzende von Flugzeugen abstürzen zu lassen, eines davon über dem CIA-Hauptquartier. Winik schreibt weiter: "Man fragt sich, was passiert wäre, wenn sich Murad in einem amerikanischen Gefängnis befunden hätte." Und Dahlia Lithwick bemerkte im Online-Magazin Slate: "Kein Zweifel, das Foltern von Terroristen zum Zweck der Informationsgewinnung funktioniert."
Journalisten, die darüber schreiben, verweisen darauf, dass dies bereits ein verbreitetes Gesprächsthema, und manche Leserbriefe geben ihnen Recht. "Eltern würden doch auch foltern, um den Entführer ihres Kindes zu ermitteln, warum sollte sich die Gesellschaft als Ganzes anders verhalten", meinte Isaac Herschkopf in der New York Times. Die Times selbst sieht die Debatte eher mit Besorgnis. Aber auch Newsweek-Kolumnist Jonathan Alter bekam, zu seiner eigenen Überraschung, mehr zustimmende als ablehnende Leserpost. Nach einer Umfrage des Gallup-Insituts sind 45 Prozent der Amerikaner für Folter in bestimmten Fällen.
Der Aufschrei der Menschenrechtsorganisationen blieb bisher aus. Kenneth Roth, Direktor von Human Rights Watch sagte, die Debatte reflektiere die verständliche Angst der Amerikaner. Immerhin sei es nicht die Regierung, die Folter propagiere, und er sei sicher, dass Organisationen wie die seine im Fernsehen dagegen halten könnten, wenn es darauf ankäme. Allerdings hat die kritische Öffentlichkeit in den USA derzeit keine sehr laute Stimme: Linke Intellektuelle sind auf das Ghetto auflagenschwacher Zeitschriften wie The Nation oder auf britische Blätter wie Guardian oder Independent angewiesen. Linke Kritiker wie Noam Chomsky oder Edward Said kommen in den Mainstream-Medien derzeit kaum zu Wort, und selbst Susan Sontag beklagte kürzlich, dass es im derzeitigen patriotischen Klima in den USA nicht möglich sei, die Außenpolitik der Bush-Regierung zu kritisieren.
Von dem umstrittenen Aufsatz der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy über George Bush als den dunklen Zwilling von Osama bin Laden, der in einigen europäischen Zeitungen gedruckt wurde, erfuhren die Amerikaner nur indirekt: In einem Bericht der New York Times über den Streit um Ulrich Wickert, der daraus zitiert hatte. Erst zwei Wochen später wollte die Times nachlegen mit einem Bericht über den Roy-Aufsatz, der aber schließlich nicht abgedruckt wurde.
Dass nun das Instrument der Folter zum Gegenstand einer ernsthaften Debatte werden kann, liegt an der fast schon hysterischen Stimmung in den USA, angeheizt durch die Milzbrand-Anschläge. Folter jedoch ist in den USA verboten - auch wenn bisweilen Gefängnispraktiken wie das monatelange Anketten von aufsässigen Gefangenen an Folter heranreicht. Verboten wäre auch, durch Folter erpresste Geständnisse vor Gericht zu verwenden. Deshalb wird laut Washington Post im FBI über andere Wege nachgedacht: Verdächtige unter Drogen zu setzen oder sie an Staaten auszuliefern, in denen Folter legal ist, wie in Israel oder in mit den USA verbündeten arabischen Staaten.
Die Festgenommenen "verfügen vielleicht über Informationen, die amerikanische Leben retten könnten", meint Bill Shine von Fox News. Das Gros der 1100 Inhaftierten aber dürfte mit den Anschlägen nichts zu tun haben. Das einzige Vergehen von Rafiq Butt war, dass er sein Besuchervisum überzogen hatte

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positiver:

Das ist doch eine unerlaubte Frage, Mensch ! o.T.

 
10.11.01 00:46
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estrich:

Man soll sowieso niemanden foltern,

 
10.11.01 00:48
Folterer sind pervers und seelische Krüppel.
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ruhrpottzocker:

Folterer = Terroristen o.T.

 
10.11.01 00:52
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DarkKnight:

naja, bei Kylie Minogue machen wir ne Ausnahme o.T.

 
10.11.01 00:57
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