Solidaritätszwang


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kalle4712:

@flexo @seth

 
03.08.01 10:14
seth: Ich sehe die Börse eher als Investitions- statt als Spekulationsplattform. Als Investor unterstützt man die Unternehmen in ihrem jeweiligen Geschäft. Im Prinzip ist man als Aktionär fast so etwas wie ein selbständiger Unternehmer, nur dass man die Arbeit an der Front halt den Fachleuten überlässt.
Diejenigen, die Verluste erleiden, unterliegen letztendlich auch nur der Logik "Höhere Chancen = Höheres Risiko". Und wenn jemand an der Börse nicht erfolgreich ist und laufend geringe Verluste einfährt, dann sollte er sich von ihr zurückziehen. Das verlorene Geld ist dann eben weg wie z.B. wenn man eine Urlaubsreise gemacht hat (statt Urlaubsfreuden hatte man halt Chancen, und man hat Erfahrungen gesammelt).

Mit denjenigen, die hohe Verluste erleiden, sollte man überhaupt kein Mitleid haben. Denn es handelt sich um erwachsene Leute, die an der Börse operieren. Wenn jemand so blöd ist und keine Sicherungsmechanismen etabliert, ist er selber schuld.
(Sicherungsmechanismen gibt es jede menge: Stoppkurse, als Anfänger mit kleinen Beträgen Erfahrungen sammeln, Streuung nach Ländern, Branchen, Aktien/Anleihen, Large-/Mid-/Small-Caps ...).

Denjenigen, die ihre Gier nicht im Griff haben, ist ohnehin nicht zu helfen.

flexo: Zum Brutto/Netto-Verhältnis: Ich vermute schon seit langem, dass die überzogene Besteuerung (vor allem die Progression) und das Verweigern von Zuschüssen z.B. beim "Häuslebau" (wenn bestimmte Einkommensgrenzen überschritten werden) in Wirklichkeit überhaupt nichts mit der "Umverteilung aus Gerechtigkeitsgründen" bzw. "Solidarität mit den Schwächeren" zu tun hat.

Die Wahrheit ist wesentlich simpler: Diejenigen, die gut verdienen, arbeiten in der Regel auch härter. Sie haben die qualifizierteren Jobs, und auf ihre Arbeitskraft kann die Gesellschaft kaum verzichten, da es ohnehin nicht genügend hochqualifizierte Leute gibt. Wenn diese Leute nun finanziell auf einen grünen Zweig kommen würden, könnten sie ja irgendwann (z.B. im Alter von 45 bis 50) auf die Idee kommen, die Früchte ihrer harten Arbeit zu genießen und den Job aufzugeben. Diese Leute wären nur sehr scher zu ersetzen. Und genau das soll mit der hohen Besteuerung erreicht werden: Die "Besserverdiener" sollen finanziell nicht besser dastehen als die anderen.

So sieht's aus. In Wirklichkeit leben wir in einer modernen SKLAVEREI!
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flexo:

kalle, unendliches Thema

 
04.08.01 22:27
aber durchaus Wert weitergesponnen zu werden.
Deine Vermutung halte ich für gewagt aber sicher nicht ganz unwahr. Ein breiter (sozusagen "geheimer") Konsens in der Politik müßte das beschreiben und das halte ich eigentlich eben für unwarscheinlich - das wär schon längst nach außen gedrungen.
Ich meine allerdings nicht nur unbedingt, das Besserverdienende durch hohe Abgaben gegeißelt werden sondern auch der Verwaltungs- oder Bankangestellte oder der Facharbeiter.
Wo das Geld hingeht, das in etlichen undurchsuchtigen Behörden und öffentlichen-rechtlichen Interessen verbrannt wird spielt ja eh schon keine Rolle mehr, ich habe hier auf Ariva gesehen, das dafür durchaus ein Bewußtsein besteht (Ich glaube sogar Darknight wäre ein erster echter militanter liberaler;-).
Bloß wie kann eine Lösung herbeigeführt werden? Wählen allein genügt nicht, wie man sieht - Schröder ist genau wie Kohl ein Anhänger dieser sozialistischen Idee, alles andere wird mit Neoliberal beschimpft, für mich inzwischen sogar eine Auszeichnung.
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kalle4712:

@ flexo

 
07.08.01 13:52
Da hat es wohl ein kleines Missverständnis gegeben: Ich meinte nicht, dass die Politiker ganz bewusst eine gezielte Gleichmacherei betreiben. Ich denke eher, dass die Sache mehr oder weniger unbewusst abläuft. Im ganzen läuft die Stimmung in der breiten Masse der Bevölkerung darauf hinaus, dass man in einer Scheinwelt lebt, in der es keine Probleme gibt. Angeheizt wird dies vor allem durch die Medien und einige Politiker (die meisten Politiker blicken gar nicht, was um sie herum passiert und sind auch nur Opfer des Zeitgeistes).

Dass das Leben letztendlich hart ist und man sich durchsetzen und sich seine Brötchen verdienen muss, wird fast ignoriert. Erkennbar wird dies auch an der krassen Vernachlässigung der Bundeswehr, der wohl nicht mehr ernsthaft als einsatzbereit erklärt werden kann (Material/Ausstattung sind hoffnungslos veraltet). Es wird schlicht verdrängt, dass die Zeitläufte auch wieder ganz andere (evtl. unfriedliche) Zeiten hervorbringen können.

Jedenfalls leben wir schon heute mehr in einer Art Sozialismus als in einer sozialen Marktwirtschaft. In einer sozialen Marktwirtschaft sollte die Allgemeinheit für die - wirklich - Schwachen eintreten. Vor allem aber sollte sich Leistung auch lohnen, denn davon profitiert insgesamt auch die Allgemeinheit. Dass sich Leistung noch lohnt, sehe ich nicht mehr, jedenfalls nicht nennenswert. Wir leben also mehr in einem marktwirtschaftlichen Sozialismus statt in einer sozialen Marktwirtschaft. Und dies wird sich in einigen Jahren bitter rächen, wenn Deutschland international nur noch mit Produkten aus vergangenen Zyklen (Fahrzeuge, Maschinen, Großchemie) wettbewerbsfähig ist. Die genannten Produkte sind letztendlich - langfristig - auf dem absteigenden Ast. Für ganz neue Bereiche fehlt Deutschland die Motivation und damit die Innovation. Das sieht man bereits daran, dass Deutschland im Hightech-Bereich außer SAP keinen Global Player aufzuweisen hat.

Das war's erst einmal. Ich denke auch, dass die ganze Sache eine unendliche Geschichte ist und in diesem Thread mittlerweile alles Wesentliche ganannt wurde.
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