Hamburg (dpa) - Für die deutsche
Schifffahrt hat sich der Horizont nach
dem Krisenjahr 2009 wieder deutlich
aufgehellt. Schneller als erwartet sei die
Weltwirtschaft wieder auf einen
Wachstumskurs eingeschwenkt, sagte
Michael Behrendt, der Präsident des
Verbandes Deutscher Reeder (VDR), in
Hamburg.
In diesem Jahr werde der Welthandel um 11,4
Prozent zunehmen, im kommenden Jahr seien
sieben Prozent zu erwarten. "Das ist es, was
wir in den vergangenen Jahren gewohnt
waren", sagte Behrendt.
Allerdings profitieren bislang nicht alle
Reeder gleichermaßen von dem Aufschwung.
Den großen Linienreedereien gehe es schon
wieder relativ gut, den kleinen
Charterreedereien dagegen noch nicht. Die
deutschen Reeder nehmen in der weltweiten
Containerschifffahrt eine überragende
Position ein; sie steuern mehr als ein Drittel
der weltweiten Flotte, gemessen an der
Schiffsgröße. Die meisten deutschen
Reedereien sind mittelständische Betriebe
mit wenigen Schiffen, die sie an große
Linienreedereien verchartern. Und die
Charterraten sind oft noch so niedrig, dass sie
nicht die Kapitalkosten decken, das Schiff
also Verlust macht.
Behrendt appellierte in dieser Situation an
die Banken, kleine und mittlere Reedereien
nicht fallen zu lassen. "Das wäre nur
verständlich, wenn es keine Perspektive
gäbe", sagte er. Es sei aber erkennbar, dass
in zwei Jahre auch die Charterraten wieder
auf ein auskömmliches Niveau steigen
würden. Die Banken, die gegenwärtig
überwiegend selbst mit den Folgen der
Finanzkrise zu kämpfen haben, vergeben
gegenwärtig kaum noch Kredite für neue
Schiffe. Die Welthandelsflotte ist in den
vergangenen vier Jahren um gut 30 Prozent
gewachsen und noch immer kommen
Neubauten in Fahrt, die in guten Zeiten in
Auftrag gegeben wurden. Wann die
vorhandenen Kapazitäten ausgelastet
werden, ist nicht absehbar.
Schwere Sorgen macht den deutschen
Reedern auch das ungelöste Piratenproblem
am Horn von Afrika. Die Verlängerung der EU-
Mission Atalanta sei zu begrüßen, reiche aber
nicht aus, sagte Behrendt. Im kommenden
Monat wollen die Reeder mit dem Innen- und
dem Verteidigungsministerium darüber
beraten, wie der Schutz der Schifffahrt
gesichert werden kann. Für den 24. Januar sei
ein Gesprächstermin in Berlin angesetzt,
sagte Behrendt. Die Reeder bemühen sich
seit mehr als einem Jahr, staatlichen Schutz
für ihre Schiffe in den Gewässern vor Somalia
zu erhalten. Das sei jedoch schwierig, unter
anderem aus verfassungsrechtlichen
Gründen.
"Alle wollen helfen", betonte Behrendt. "Aber
es ist eine hochkomplexe Materie." Einige
Reeder, denen das Warten auf eine Lösung zu
lange dauert, setzen auf private
Sicherheitsunternehmen. In dem Seegebiet
fahren rund 400 deutsche Schiffe, die etwa
1700 mal im Jahr die Region passieren.
Quelle: dpa-info.com GmbH