Der Erste Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg > Seitenanfang
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges proklamierte der deutsche Kaiser Wilhelm II. in seiner zweiten Balkonrede am 1. August 1914 den so genannten Burgfrieden. Die Streitereien mit den politischen Parteien verwies er nicht nur in die Vergangenheit, in die "Friedenszeiten", sondern er verzieh sogar die Angriffe des politischen Gegners auf seine Person "heute von ganzem Herzen". Angesichts des drohenden Krieges war sein politisches Kredo: "Ich kenne keine Parteien und auch keine Konfessionen mehr; wir sind heute alle deutsche Brüder und nur noch deutsche Brüder."
Der Erste Weltkrieg
© Corbis-Bettmann, New York
Auch die nach dem Ersten Weltkrieg so entscheidende Frage der alleinigen deutschen Kriegsschuld bekam in des Kaisers Rede ihre Deutung. Die Schuldzuweisung für den Ausbruch des Krieges schob er eindeutig auf den Gegner. Weil der "Nachbar es nicht anders will" und Deutschland "den Frieden nicht gönnt, so hoffe ich zu Gott, dass unser gutes deutsches Schwert siegreich aus diesem schweren Kampfe hervorgeht."
Sofort nach Ende des Ersten Weltkrieges entbrannte durch die Fassung der Kriegsschuldthese im Versailler Vertrag und in der Alliierten Mantelnote vom 16. Juni 1919 zu Lasten des Deutschen Reiches ein internationaler politischer Streit. Die einseitige Schuldzuweisung hat nicht nur der Machtentfaltung des Nationalsozialismus Vorschub geleistet. Auch die wissenschaftliche und publizistische Diskussion um die Bedingungen der Ursachen des Ersten Weltkrieges und damit auch die Frage der Berechtigung der alleinigen deutschen Verantwortung für die Kriegsschuld ist heute noch nicht abgeklungen. Sie wurde durch einige, die beharrliche deutsche Kriegszielpolitik bis 1918 analysierende Bücher des Hamburger Historikers Fritz Fischer seit Beginn der 1960er Jahre neu entfacht. Sie weitete sich in der Folge zur "Fischer-Kontroverse" aus. Dabei stritten die Kontrahenten um die Kontinuität der offensiven Aggression des deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm II. oder aber um die Betonung des defensiven Charakters der deutschen Politik. Es bleibt allerdings festzuhalten, dass zu den Ursachen des Ersten Weltkrieges das wirtschaftliche, politische und militärische Machtstreben ("Imperialismus") aller - besonders der europäischen - Großmächte zählt.
In einem Aufruf unter dem Titel "Mobil gemacht!" vom 1. August 1914 meldete sich ein so genannter Einjährig-Freiwilliger zum Kriegsdienst und beklagte auch: "So stumpf, ach so stumpf war der Friede!". Nach seinen Worten warten die Deutschen gelassen, "als Männer von Welt, auf den Sturm der bunten Barbaren: Nun funkeln die neuen Geschirre im Stall - Wie lange hat's danach uns gelüstet!" Seine Waffenliebe und Kriegsbegeisterung spitzte sich derart zu: "Kanonen, Haubitzen, Granaten, Schrapnell - Da hilft kein Winden und Drehen, Das klingt so glatt und das jauchzt so hell."
In der Tat aber war der Erste Weltkrieg einer der brutalsten Kriege der Militärgeschichte. Dazu trugen nicht nur die hohe Zahl der Menschenopfer und die seither bei Kriegen steigende Verlustrate der Zivilbevölkerung bei. Vor allem der noch neue, unkontrollierbare und daher umso barbarischere Gaskrieg führte zu einem fürchterlichen Sterben und zu grausamen Verwundungen. In der Schlacht bei Ypern im April und Mai 1915 setzte das deutsche Militär zum ersten Mal Giftgas ein.
Propagandaplakat
© Corbis-Bettmann, New York
So stellte "Grünkreuz" eine Sammelbezeichnung für chemische Kampfstoffe dar, die auf die Atemorgane einwirkten, z.B. Chlor, Chlorpikrin, Phosgen, Di- und Triphosgen. Der Name ergab sich, da die Munition, die solche Stoffe enthielt, im Ersten Weltkrieg mit einem grünen Kreuz gekennzeichnet war. Dagegen wurden unter dem Begriff "Gelbkreuz" chemische Kampfstoffe zusammengefasst, die vor allem durch die Ätzung der Haut wirkten. So wurde z.B. der bekannteste Gelbkreuz-Kampfstoff "Lost" mit einem gelben Kreuz gekennzeichnet. Der Erste Weltkrieg kostete acht Millionen Menschen das Leben und ließ zwanzig Millionen Verwundete zurück.
Chronik des Ersten Weltkrieges > Seitenanfang
20.5.1914: Eine vom österreichischen Auswärtigen Amt ausgearbeitete Denkschrift stuft die Ausmerzung Serbiens als lebenswichtig für die habsburgische Herrschaft ein.
28.6.1914: In Sarajevo werden Franz Ferdinand, der österreichische Thronfolger, und eine Gemahlin von serbischen Fanatikern ermordet.
23.7.1914: Der österreichische Gesandte in Belgrad überreicht eine Note, die auf den 25.7. befristet ist, die auf die deutsche Beistandszusage gestützt ist und deren Ultimatum an Serbien Wien selbst für unannehmbar hält.
25.7.1914: Termingerecht nimmt Serbien das Ultimatum zwar formell an, räumt jedoch schwer wiegende Vorbehalte ein. Österreich bricht die diplomatischen Beziehungen zu Serbien ab, da es die auch nach deutscher Ansicht nachgiebige Antwort Serbiens nicht akzeptiert.
Aufruf zur Mobilmachung
© Corbis-Bettmann, New York
26.7.1914: Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg.
31.7.1914: Nach der Zarenregierung ordnet Österreich ebenfalls die allgemeine Mobilmachung an. Das Deutsche Reich lässt Österreich wissen, dass seine militärische Hauptmacht gegen Frankreich antreten werde und daher der Verbündete die Hauptlast des Krieges gegen Russland alleine tragen müsse.
1.8.1914: Die Reichsregierung erklärt Russland den Krieg. Während daraufhin nach Frankreich auch Deutschland die allgemeine Mobilmachung befiehlt, erklärt Italien sich neutral.
2.8.1914: Das Deutsche Reich verlangt von Belgien, den Durchmarsch deutscher Truppen zu erlauben. Die britische Flotte wird mobilgemacht.
3.8.1914: Das Deutsche Reich erklärt Frankreich den Krieg.
4.8.1914: Deutsche Truppen marschieren am frühen Morgen in Belgien ein. Die Kriegskredite werden vom deutschen Reichstag einstimmig bewilligt.
5.8.1914: Nach Ablauf seines Ultimatums erklärt Großbritannien Deutschland den Krieg.
26.-30.8.1914: Hindenburg und Ludendorff schlagen bei Tannenberg die russische Invasionsarmee entscheidend.
26.8-12.9.1914: Nach verlustreichen Niederlagen werden die österreichischen Armeen bis auf die Karpaten zurückgedrängt.
30.8.1914: Der rechte deutsche Flügel, der Paris umfassen soll, richtet sich zur Marne. Der französische Gegenangriff führt zur Marneschlacht.
9.9.1914: Nachdem die Offensive der deutschen Truppen im Westen gescheitert ist, werden sie hinter die Marne zurückgenommen ("Wunder an der Marne").
Kriegsbegeisterung der Deutschen
© Corbis-Bettmann, New York
14.9.1914: Moltke wird durch General von Falkenhayn ersetzt.
1.11.1914: Die Türkei tritt an der Seite der Mittelmächte um Deutschland und Österreich-Ungarn in den Krieg ein.
Mitte Dezember 1914: An der Front in Frankreich kommt es zur Erstarrung. Damit geht der Kampf vom Bewegungs- zum Stellungskrieg über.
18.2.1915: Deutschland eröffnet den U-Boot-Krieg gegen Großbritannien.
19.2.1915: Die Westmächte um Frankreich und Großbritannien (Alliierte) eröffnen den Angriff auf die Dardanellen, den sie am 9.1.1916 abbrechen.
22.4.-25.5.1915: Die Deutschen setzen zum ersten Mal in der verlustreichen und dennoch entscheidungslosen Schlacht bei Ypern Giftgas ein.
7.5.1915: Bei der Versenkung des britischen Passagierdampfers "Lusitania" durch ein deutsches U-Boot kommen circa 1000 Passagiere, einschließlich vieler Amerikaner, ums Leben.
23.5.1915: Das bislang neutrale Italien erklärt Österreich-Ungarn und der Türkei den Krieg. Die Kämpfe am Isonzo, in Kärnten und Tirol beginnen.
September 1915: Auch die russische Front erstarrt nach der deutschen und österreichischen Eroberung Westrusslands.
6.9.1915: Die Mittelmächte schließen ein Bündnis mit Bulgarien, um eine Landverbindung mit der Türkei herstellen zu können.
18.9.1915: Auf amerikanischen Druck hin stellt das Deutsche Reich den U-Boot-Krieg gegen Großbritannien ein.
Luftschlachten im Ersten Weltkrieg
© Corbis-Bettmann, New York
14.10.1915: Serbien erklärt Bulgarien den Krieg.
21.2.-21.7.1916: Mit der Eröffnung des deutschen Angriffs auf Verdun kommt es zur Ausblutung der französischen und deutschen Armee.
6.3.1916: Kaiser Wilhelm II. ist gegen die von Falkenhayn und Tirpitz geforderte Wiederaufnahme des unbeschränkten U-Boot-Krieges, worauf Admiral von Tirpitz am 17.3. zurücktritt.
20.4.1916: Nach der Versenkung des Dampfers "Sussex" durch ein deutsches U-Boot und nach der drohenden Note der USA sichert Deutschland die Einhaltung der völkerrechtlichen Regeln am 4.5. zu.
31.5.-1.6.1916: Im Skagerrak schlagen die britische und die deutsche Flotte eine unentschiedene Seeschlacht, die als gewaltigste Schlacht der Seekriegsgeschichte gilt.
4.6.1916: Mit Verlusten von einer Million gelingt dem russischen General Brussilow das Vordringen bis zu den Karpaten.
24.6.-26.11.1916: Bei der Sommeschlacht, die englische und französische Truppen gegen die Verdun-Offensive richten, können aufgrund der Verluste von einer Million Menschen circa 800 km² erobert werden.
27.8.1916: Rumänien erklärt Österreich-Ungarn den Krieg.
29.8.1916: Hindenburg wird zum Chef des Generalstabes und Ludendorff zum Ersten Generalquartiermeister ernannt.
1.9.-Dezember 1916: Deutsche Truppen unter Generalfeldmarschall von Mackensen überrennen Rumänien.
5.11.1916: Die Mittelmächte erklären Polen zum selbständigen Königreich, um eine polnische Armee zum Kampf gegen Russland zu rekrutieren.
21.11.1916: Nach dem Tod von Kaiser Franz Joseph I. im Alter von 86 Jahren tritt Karl I. seine Nachfolge an.
12.12.1916: Deutschland macht ein zugeständnisloses und daher erfolgloses Friedensangebot an die Alliierten.
Winter 1916/17: Die Hungersnot in Deutschland führt zum so genannten Steckrübenwinter bzw. Kohlrübenwinter.
Januar-Mai 1917: Über den Prinzen Sixtus von Parma bemüht sich Karl I. von Österreich um Sonderfriedensverhandlungen mit Frankreich, und zwar ohne Verständigung des Deutschen Reiches.
31.1.1917: Da das Deutsche Reich den unbeschränkten U-Boot-Krieg erklärt, brechen die USA die diplomatischen Beziehungen ab.
14.2.1917: Russland, Frankreich und Großbritannien schließen einen geheimen Vertrag über Elsass-Lothringen, die Rheingrenze und am 11.3. über die Westgrenzen Russlands.
12.3.1917: Die Revolution in Russland bricht aus.
6.4.1917: Die USA erklären dem Deutschen Reich, später auch Österreich den Krieg. Die meisten amerikanischen Staaten und China schließen sich an.
7.4.1917: In der Osterbotschaft verspricht der deutsche Kaiser die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen.
9.-11.4.1917: Auf dem Gothaer Parteitag löst sich der kriegsfeindliche Flügel der Sozialdemokratie endgültig von der Mehrheit und gründet die USPD.
16.4.1917: Mit Hilfe des deutschen Oberkommandos erreicht Lenin Petersburg.
4.5.1917: Das neutrale Griechenland wird von den Alliierten besetzt.
14.7.1917: Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg wird gestürzt.
19.7.1917: Die Mehrheitsparteien des deutschen Reichstages nehmen eine Friedensresolution an.
1.8.1917: Eine Friedensvermittlung des Papstes scheitert, da Deutschland Belgien nicht völlig herausgeben will.
7.11.1917: Die Bolschewisten kommen in Russland an die Macht (Oktoberrevolution) und errichten die Sowjetrepublik.
28.11.1917: Die Bolschewisten verkünden einen Frieden ohne Entschädigung und Annektionen.
22.12.1917: In Brest-Litowsk beginnen Friedensverhandlungen zwischen den Mittelmächten und der neuen Sowjetregierung.
1.1.1918: US-Präsident Wilson verkündet ein Friedensprogramm in vierzehn Punkten.
3.3.1918: In Bresk-Litowsk wird ein Friede mit Russland geschlossen, bei dem das Land die ganzen Erwerbungen seit Peter dem Großen verliert.
21.3.-17.7.1918: Die deutsche Armee scheitert mit ihren letzten Angriffen gegen alliierte Stellungen.
7.5.1918: Rumänien und die Mittelmächte schließen Frieden in Bukarest, bei dem Deutschland die Ausnutzung der Ölquellen zugestanden wird.
18.7.-September 1918: Nachdem die Entente die Offensive im Westen eröffnet hat, gelingt britischen Panzerdivisionen am 8.8. der Durchbruch. Daraufhin erklärt Ludendorff, den Krieg militärisch nicht mehr beenden zu können.
15.9.1918: Da die bulgarische Front zusammenbricht, kommt es am 30.9. zum Waffenstillstand.
Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommen
© Corbis-Bettmann, New York
29.9.1918: Die Oberste Heeresleitung fordert von der Reichsregierung einen schnellen Waffenstillstand, um den der neue Reichskanzler Prinz Max von Baden am 3.10. bittet.
12.10.1918: Deutschland nimmt den von Wilson geforderten Waffenstillstand an.
17.10.1918: Durch Umwandlung in einen Bundesstaat versucht Kaiser Karl I. sein Reich und die Monarchie zu retten.
24.10.1918: Italien eröffnet den Kampf gegen das auseinander brechende österreichisch-ungarische Heer, das diesen nach dem Sieg von Vittorio Veneto am 3.11. einseitig abbricht.
26.10.1918: Nach der Entlassung von Ludendorff wird General Groener Generalquartiermeister.
28.10.1918: Die Matrosen meutern bei der Hochseeflotte in Wilhelmshaven.
Ende Oktober 1918: Mit dem Auseinanderbrechen des Habsburgerreichs wird am 28.10. die "Tschechoslowakei", am 29.10. "Jugoslawien", am 30.10. Deutschösterreich und am 1.11. Ungarn selbständig.
31.10.1918: Auch die Türkei legt die Waffen nieder.
3.11.1918: Es kommt zum Aufstand der Matrosen in Kiel.
9.11.1918: Kaiser Wilhelm II. dankt ab. Karl Liebknecht ruft die sozialistische, Scheidemann die demokratiche Republik aus.
10.11.1918: Kaiser Wilhelm II. geht nach Holland ins Exil. Der "Rat der Volksbeauftragten" wird aus Vertretern der SPD und der USPD gebildet und verhindert durch eine Übereinkunft mit der Heeresleitung (Groener) eine Fortsetzung der Revolution.
11.11.1918: Der Waffenstillstand in Compiègne wird zwischen Deutschland und der Entente unterzeichnet.
23.3.1919: Kaiser Karl I. sucht Zuflucht in der Schweiz.
21.6.1919: Die kaiserliche Kriegsflotte versenkt sich selbst in Scapa Flow.
28.6.1919: Der Friedensvertrag zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten wird in Versailles unterzeichnet und tritt als "Versailler Vertrag" am 10.1.1920 in Kraft.
18.11.1919: Mit der Aussage Hindenburgs vor dem Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung wird die "Dolchstoß-Legende" propagiert.
Der Erste Weltkrieg > Seitenanfang
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges proklamierte der deutsche Kaiser Wilhelm II. in seiner zweiten Balkonrede am 1. August 1914 den so genannten Burgfrieden. Die Streitereien mit den politischen Parteien verwies er nicht nur in die Vergangenheit, in die "Friedenszeiten", sondern er verzieh sogar die Angriffe des politischen Gegners auf seine Person "heute von ganzem Herzen". Angesichts des drohenden Krieges war sein politisches Kredo: "Ich kenne keine Parteien und auch keine Konfessionen mehr; wir sind heute alle deutsche Brüder und nur noch deutsche Brüder."
Der Erste Weltkrieg
© Corbis-Bettmann, New York
Auch die nach dem Ersten Weltkrieg so entscheidende Frage der alleinigen deutschen Kriegsschuld bekam in des Kaisers Rede ihre Deutung. Die Schuldzuweisung für den Ausbruch des Krieges schob er eindeutig auf den Gegner. Weil der "Nachbar es nicht anders will" und Deutschland "den Frieden nicht gönnt, so hoffe ich zu Gott, dass unser gutes deutsches Schwert siegreich aus diesem schweren Kampfe hervorgeht."
Sofort nach Ende des Ersten Weltkrieges entbrannte durch die Fassung der Kriegsschuldthese im Versailler Vertrag und in der Alliierten Mantelnote vom 16. Juni 1919 zu Lasten des Deutschen Reiches ein internationaler politischer Streit. Die einseitige Schuldzuweisung hat nicht nur der Machtentfaltung des Nationalsozialismus Vorschub geleistet. Auch die wissenschaftliche und publizistische Diskussion um die Bedingungen der Ursachen des Ersten Weltkrieges und damit auch die Frage der Berechtigung der alleinigen deutschen Verantwortung für die Kriegsschuld ist heute noch nicht abgeklungen. Sie wurde durch einige, die beharrliche deutsche Kriegszielpolitik bis 1918 analysierende Bücher des Hamburger Historikers Fritz Fischer seit Beginn der 1960er Jahre neu entfacht. Sie weitete sich in der Folge zur "Fischer-Kontroverse" aus. Dabei stritten die Kontrahenten um die Kontinuität der offensiven Aggression des deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm II. oder aber um die Betonung des defensiven Charakters der deutschen Politik. Es bleibt allerdings festzuhalten, dass zu den Ursachen des Ersten Weltkrieges das wirtschaftliche, politische und militärische Machtstreben ("Imperialismus") aller - besonders der europäischen - Großmächte zählt.
In einem Aufruf unter dem Titel "Mobil gemacht!" vom 1. August 1914 meldete sich ein so genannter Einjährig-Freiwilliger zum Kriegsdienst und beklagte auch: "So stumpf, ach so stumpf war der Friede!". Nach seinen Worten warten die Deutschen gelassen, "als Männer von Welt, auf den Sturm der bunten Barbaren: Nun funkeln die neuen Geschirre im Stall - Wie lange hat's danach uns gelüstet!" Seine Waffenliebe und Kriegsbegeisterung spitzte sich derart zu: "Kanonen, Haubitzen, Granaten, Schrapnell - Da hilft kein Winden und Drehen, Das klingt so glatt und das jauchzt so hell."
In der Tat aber war der Erste Weltkrieg einer der brutalsten Kriege der Militärgeschichte. Dazu trugen nicht nur die hohe Zahl der Menschenopfer und die seither bei Kriegen steigende Verlustrate der Zivilbevölkerung bei. Vor allem der noch neue, unkontrollierbare und daher umso barbarischere Gaskrieg führte zu einem fürchterlichen Sterben und zu grausamen Verwundungen. In der Schlacht bei Ypern im April und Mai 1915 setzte das deutsche Militär zum ersten Mal Giftgas ein.
Propagandaplakat
© Corbis-Bettmann, New York
So stellte "Grünkreuz" eine Sammelbezeichnung für chemische Kampfstoffe dar, die auf die Atemorgane einwirkten, z.B. Chlor, Chlorpikrin, Phosgen, Di- und Triphosgen. Der Name ergab sich, da die Munition, die solche Stoffe enthielt, im Ersten Weltkrieg mit einem grünen Kreuz gekennzeichnet war. Dagegen wurden unter dem Begriff "Gelbkreuz" chemische Kampfstoffe zusammengefasst, die vor allem durch die Ätzung der Haut wirkten. So wurde z.B. der bekannteste Gelbkreuz-Kampfstoff "Lost" mit einem gelben Kreuz gekennzeichnet. Der Erste Weltkrieg kostete acht Millionen Menschen das Leben und ließ zwanzig Millionen Verwundete zurück.
Chronik des Ersten Weltkrieges > Seitenanfang
20.5.1914: Eine vom österreichischen Auswärtigen Amt ausgearbeitete Denkschrift stuft die Ausmerzung Serbiens als lebenswichtig für die habsburgische Herrschaft ein.
28.6.1914: In Sarajevo werden Franz Ferdinand, der österreichische Thronfolger, und eine Gemahlin von serbischen Fanatikern ermordet.
23.7.1914: Der österreichische Gesandte in Belgrad überreicht eine Note, die auf den 25.7. befristet ist, die auf die deutsche Beistandszusage gestützt ist und deren Ultimatum an Serbien Wien selbst für unannehmbar hält.
25.7.1914: Termingerecht nimmt Serbien das Ultimatum zwar formell an, räumt jedoch schwer wiegende Vorbehalte ein. Österreich bricht die diplomatischen Beziehungen zu Serbien ab, da es die auch nach deutscher Ansicht nachgiebige Antwort Serbiens nicht akzeptiert.
Aufruf zur Mobilmachung
© Corbis-Bettmann, New York
26.7.1914: Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg.
31.7.1914: Nach der Zarenregierung ordnet Österreich ebenfalls die allgemeine Mobilmachung an. Das Deutsche Reich lässt Österreich wissen, dass seine militärische Hauptmacht gegen Frankreich antreten werde und daher der Verbündete die Hauptlast des Krieges gegen Russland alleine tragen müsse.
1.8.1914: Die Reichsregierung erklärt Russland den Krieg. Während daraufhin nach Frankreich auch Deutschland die allgemeine Mobilmachung befiehlt, erklärt Italien sich neutral.
2.8.1914: Das Deutsche Reich verlangt von Belgien, den Durchmarsch deutscher Truppen zu erlauben. Die britische Flotte wird mobilgemacht.
3.8.1914: Das Deutsche Reich erklärt Frankreich den Krieg.
4.8.1914: Deutsche Truppen marschieren am frühen Morgen in Belgien ein. Die Kriegskredite werden vom deutschen Reichstag einstimmig bewilligt.
5.8.1914: Nach Ablauf seines Ultimatums erklärt Großbritannien Deutschland den Krieg.
26.-30.8.1914: Hindenburg und Ludendorff schlagen bei Tannenberg die russische Invasionsarmee entscheidend.
26.8-12.9.1914: Nach verlustreichen Niederlagen werden die österreichischen Armeen bis auf die Karpaten zurückgedrängt.
30.8.1914: Der rechte deutsche Flügel, der Paris umfassen soll, richtet sich zur Marne. Der französische Gegenangriff führt zur Marneschlacht.
9.9.1914: Nachdem die Offensive der deutschen Truppen im Westen gescheitert ist, werden sie hinter die Marne zurückgenommen ("Wunder an der Marne").
Kriegsbegeisterung der Deutschen
© Corbis-Bettmann, New York
14.9.1914: Moltke wird durch General von Falkenhayn ersetzt.
1.11.1914: Die Türkei tritt an der Seite der Mittelmächte um Deutschland und Österreich-Ungarn in den Krieg ein.
Mitte Dezember 1914: An der Front in Frankreich kommt es zur Erstarrung. Damit geht der Kampf vom Bewegungs- zum Stellungskrieg über.
18.2.1915: Deutschland eröffnet den U-Boot-Krieg gegen Großbritannien.
19.2.1915: Die Westmächte um Frankreich und Großbritannien (Alliierte) eröffnen den Angriff auf die Dardanellen, den sie am 9.1.1916 abbrechen.
22.4.-25.5.1915: Die Deutschen setzen zum ersten Mal in der verlustreichen und dennoch entscheidungslosen Schlacht bei Ypern Giftgas ein.
7.5.1915: Bei der Versenkung des britischen Passagierdampfers "Lusitania" durch ein deutsches U-Boot kommen circa 1000 Passagiere, einschließlich vieler Amerikaner, ums Leben.
23.5.1915: Das bislang neutrale Italien erklärt Österreich-Ungarn und der Türkei den Krieg. Die Kämpfe am Isonzo, in Kärnten und Tirol beginnen.
September 1915: Auch die russische Front erstarrt nach der deutschen und österreichischen Eroberung Westrusslands.
6.9.1915: Die Mittelmächte schließen ein Bündnis mit Bulgarien, um eine Landverbindung mit der Türkei herstellen zu können.
18.9.1915: Auf amerikanischen Druck hin stellt das Deutsche Reich den U-Boot-Krieg gegen Großbritannien ein.
Luftschlachten im Ersten Weltkrieg
© Corbis-Bettmann, New York
14.10.1915: Serbien erklärt Bulgarien den Krieg.
21.2.-21.7.1916: Mit der Eröffnung des deutschen Angriffs auf Verdun kommt es zur Ausblutung der französischen und deutschen Armee.
6.3.1916: Kaiser Wilhelm II. ist gegen die von Falkenhayn und Tirpitz geforderte Wiederaufnahme des unbeschränkten U-Boot-Krieges, worauf Admiral von Tirpitz am 17.3. zurücktritt.
20.4.1916: Nach der Versenkung des Dampfers "Sussex" durch ein deutsches U-Boot und nach der drohenden Note der USA sichert Deutschland die Einhaltung der völkerrechtlichen Regeln am 4.5. zu.
31.5.-1.6.1916: Im Skagerrak schlagen die britische und die deutsche Flotte eine unentschiedene Seeschlacht, die als gewaltigste Schlacht der Seekriegsgeschichte gilt.
4.6.1916: Mit Verlusten von einer Million gelingt dem russischen General Brussilow das Vordringen bis zu den Karpaten.
24.6.-26.11.1916: Bei der Sommeschlacht, die englische und französische Truppen gegen die Verdun-Offensive richten, können aufgrund der Verluste von einer Million Menschen circa 800 km² erobert werden.
27.8.1916: Rumänien erklärt Österreich-Ungarn den Krieg.
29.8.1916: Hindenburg wird zum Chef des Generalstabes und Ludendorff zum Ersten Generalquartiermeister ernannt.
1.9.-Dezember 1916: Deutsche Truppen unter Generalfeldmarschall von Mackensen überrennen Rumänien.
5.11.1916: Die Mittelmächte erklären Polen zum selbständigen Königreich, um eine polnische Armee zum Kampf gegen Russland zu rekrutieren.
21.11.1916: Nach dem Tod von Kaiser Franz Joseph I. im Alter von 86 Jahren tritt Karl I. seine Nachfolge an.
12.12.1916: Deutschland macht ein zugeständnisloses und daher erfolgloses Friedensangebot an die Alliierten.
Winter 1916/17: Die Hungersnot in Deutschland führt zum so genannten Steckrübenwinter bzw. Kohlrübenwinter.
Januar-Mai 1917: Über den Prinzen Sixtus von Parma bemüht sich Karl I. von Österreich um Sonderfriedensverhandlungen mit Frankreich, und zwar ohne Verständigung des Deutschen Reiches.
31.1.1917: Da das Deutsche Reich den unbeschränkten U-Boot-Krieg erklärt, brechen die USA die diplomatischen Beziehungen ab.
14.2.1917: Russland, Frankreich und Großbritannien schließen einen geheimen Vertrag über Elsass-Lothringen, die Rheingrenze und am 11.3. über die Westgrenzen Russlands.
12.3.1917: Die Revolution in Russland bricht aus.
6.4.1917: Die USA erklären dem Deutschen Reich, später auch Österreich den Krieg. Die meisten amerikanischen Staaten und China schließen sich an.
7.4.1917: In der Osterbotschaft verspricht der deutsche Kaiser die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen.
9.-11.4.1917: Auf dem Gothaer Parteitag löst sich der kriegsfeindliche Flügel der Sozialdemokratie endgültig von der Mehrheit und gründet die USPD.
16.4.1917: Mit Hilfe des deutschen Oberkommandos erreicht Lenin Petersburg.
4.5.1917: Das neutrale Griechenland wird von den Alliierten besetzt.
14.7.1917: Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg wird gestürzt.
19.7.1917: Die Mehrheitsparteien des deutschen Reichstages nehmen eine Friedensresolution an.
1.8.1917: Eine Friedensvermittlung des Papstes scheitert, da Deutschland Belgien nicht völlig herausgeben will.
7.11.1917: Die Bolschewisten kommen in Russland an die Macht (Oktoberrevolution) und errichten die Sowjetrepublik.
28.11.1917: Die Bolschewisten verkünden einen Frieden ohne Entschädigung und Annektionen.
22.12.1917: In Brest-Litowsk beginnen Friedensverhandlungen zwischen den Mittelmächten und der neuen Sowjetregierung.
1.1.1918: US-Präsident Wilson verkündet ein Friedensprogramm in vierzehn Punkten.
3.3.1918: In Bresk-Litowsk wird ein Friede mit Russland geschlossen, bei dem das Land die ganzen Erwerbungen seit Peter dem Großen verliert.
21.3.-17.7.1918: Die deutsche Armee scheitert mit ihren letzten Angriffen gegen alliierte Stellungen.
7.5.1918: Rumänien und die Mittelmächte schließen Frieden in Bukarest, bei dem Deutschland die Ausnutzung der Ölquellen zugestanden wird.
18.7.-September 1918: Nachdem die Entente die Offensive im Westen eröffnet hat, gelingt britischen Panzerdivisionen am 8.8. der Durchbruch. Daraufhin erklärt Ludendorff, den Krieg militärisch nicht mehr beenden zu können.
15.9.1918: Da die bulgarische Front zusammenbricht, kommt es am 30.9. zum Waffenstillstand.
Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommen
© Corbis-Bettmann, New York
29.9.1918: Die Oberste Heeresleitung fordert von der Reichsregierung einen schnellen Waffenstillstand, um den der neue Reichskanzler Prinz Max von Baden am 3.10. bittet.
12.10.1918: Deutschland nimmt den von Wilson geforderten Waffenstillstand an.
17.10.1918: Durch Umwandlung in einen Bundesstaat versucht Kaiser Karl I. sein Reich und die Monarchie zu retten.
24.10.1918: Italien eröffnet den Kampf gegen das auseinander brechende österreichisch-ungarische Heer, das diesen nach dem Sieg von Vittorio Veneto am 3.11. einseitig abbricht.
26.10.1918: Nach der Entlassung von Ludendorff wird General Groener Generalquartiermeister.
28.10.1918: Die Matrosen meutern bei der Hochseeflotte in Wilhelmshaven.
Ende Oktober 1918: Mit dem Auseinanderbrechen des Habsburgerreichs wird am 28.10. die "Tschechoslowakei", am 29.10. "Jugoslawien", am 30.10. Deutschösterreich und am 1.11. Ungarn selbständig.
31.10.1918: Auch die Türkei legt die Waffen nieder.
3.11.1918: Es kommt zum Aufstand der Matrosen in Kiel.
9.11.1918: Kaiser Wilhelm II. dankt ab. Karl Liebknecht ruft die sozialistische, Scheidemann die demokratiche Republik aus.
10.11.1918: Kaiser Wilhelm II. geht nach Holland ins Exil. Der "Rat der Volksbeauftragten" wird aus Vertretern der SPD und der USPD gebildet und verhindert durch eine Übereinkunft mit der Heeresleitung (Groener) eine Fortsetzung der Revolution.
11.11.1918: Der Waffenstillstand in Compiègne wird zwischen Deutschland und der Entente unterzeichnet.
23.3.1919: Kaiser Karl I. sucht Zuflucht in der Schweiz.
21.6.1919: Die kaiserliche Kriegsflotte versenkt sich selbst in Scapa Flow.
28.6.1919: Der Friedensvertrag zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten wird in Versailles unterzeichnet und tritt als "Versailler Vertrag" am 10.1.1920 in Kraft.
18.11.1919: Mit der Aussage Hindenburgs vor dem Untersuchungsausschuss der Nationalversammlung wird die "Dolchstoß-Legende" propagiert.