Die Silberspekulation der Hunt-Brüder: Ein Rückblick
Die Silberspekulation der Gebrüder Hunt (Nelson Bunker Hunt und William Herbert Hunt) ist eines der spektakulärsten Beispiele für Marktmanipulation in der Börsengeschichte. Die Söhne des Milliardärs und Öl-Tycoons H.L. Hunt begannen in den frühen 1970er Jahren mit dem Aufbau eines massiven Silberportfolios. Motiviert durch hohe Inflation, den bevorstehenden Zusammenbruch des Goldstandards und ein Misstrauen gegenüber dem US-Dollar, kauften sie physisches Silber und Futures-Kontrakte. Bis Ende der 1970er Jahre hielten sie schätzungsweise 100–200 Millionen Unzen Silber – etwa ein Drittel bis zwei Drittel des weltweit verfügbaren privaten Angebots. Sie finanzierten dies stark mit Krediten und zogen weitere Investoren (einschließlich saudischer Partner) an, was den Preis von rund 6 USD pro Unze (1979) auf ein Rekordhoch von 49,45 USD am 18. Januar 1980 trieb – ein Anstieg von über 700 % in einem Jahr.
Der Höhepunkt war jedoch der Anfang vom Ende. Die Börsenaufsicht COMEX reagierte mit der "Silver Rule 7" am 7. Januar 1980, die Margin-Anforderungen verschärfte und Positionen auf 3 Millionen Unzen begrenzte. Die US-Notenbank (Fed) drängte Banken, spekulative Kredite einzustellen, und die CFTC (Commodity Futures Trading Commission) untersuchte Manipulation. Am 27. März 1980 – dem "Silber-Donnerstag" – konnten die Hunts einen Margin Call von 100 Millionen USD nicht bedienen. Der Preis stürzte um über 50 % auf unter 11 USD, was zu Verlusten von 1,7 Milliarden USD für die Brüder führte. Sie wurden 1988 zu einer Strafe von 134 Millionen USD verurteilt und vom Handel ausgeschlossen. Der Crash traf auch andere Investoren hart und führte zu einer langfristigen Skepsis am Silbermarkt.
Ist eine Wiederholung denkbar?
Eine exakte Wiederholung der Hunt-Spekulation – also ein einzelner Akteur oder eine kleine Gruppe, die den gesamten Silbermarkt dominiert – ist heute unwahrscheinlich, aber nicht vollständig ausgeschlossen. Hier eine Analyse der Gründe:
Warum eine Wiederholung schwieriger ist:
Größerer und liquiderer Markt: Der globale Silbermarkt hat sich seit 1980 massiv erweitert. Die jährliche Produktion liegt bei über 800 Millionen Unzen (ca. 25.000 Tonnen), und der Handel (einschließlich Futures an der COMEX und LBMA) umfasst Milliarden USD täglich. Die Hunts kontrollierten damals ein Drittel des Angebots; heute bräuchte es ein Vermögen in Billionenhöhe, um vergleichbar zu wirken – weit jenseits der Mittel eines einzelnen Milliardärs.
Strengere Regulierungen: Die Lehren aus 1980 haben zu Position Limits (z. B. max. 3 Mio. Unzen pro Trader an der COMEX), höheren Margins und Echtzeit-Überwachung durch die CFTC und SEC geführt. Große Positionen müssen offengelegt werden, und Manipulation wird schneller erkannt und geahndet. Die Fed und Börsen können wie damals eingreifen, z. B. durch Liquidationsregeln.
Institutionelle Dominanz: Heute handeln vor allem Fonds (ETFs wie iShares Silver Trust mit >500 Mio. Unzen), Zentralbanken und Industrie (Silber wird zu 50 % industriell genutzt, z. B. in Solarpaneelen und Elektronik). Das macht den Markt resistenter gegen individuelle Spieler.
Warum eine Wiederholung dennoch denkbar ist:
Moderne Leverage und Spekulation: Mit Derivaten, ETFs und Kryptowährungen (z. B. tokenisiertes Silber) ist es einfacher, gehebelte Positionen aufzubauen. Große Investoren wie Warren Buffett kauften 1997–1998 129 Mio. Unzen und trieben den Preis um 20 % hoch – ohne Cornering, aber mit spürbarem Einfluss. Aktuelle Trends wie der "Reddit-Squeeze" (z. B. GameStop) oder Krypto-Hypes zeigen, wie koordinierte Gruppen (z. B. via Social Media) Märkte manipulieren können.
Aktuelle Parallelen: Der Silberpreis schwankt derzeit (Stand Oktober 2025) um 30 USD, getrieben von Industrie-Nachfrage (grüne Energie) und Inflation. Wenn ein reicher Akteur (z. B. ein Tech-Milliardär) mit Algos und Offshore-Krediten massiv kauft, könnte ein temporärer Preisanstieg entstehen – ähnlich wie bei den Hunts. Die Geschichte wiederholt sich oft in neuer Form, z. B. durch institutionelle "Short-Squeezes".
Risiken für Anleger: Selbst ohne volles Cornering können Spekulationsblasen entstehen, wie 2011 (Silber auf 49 USD) oder in Kryptos. Die Hunts verloren alles durch Leverage; heute warnen Experten vor ähnlichen Fallen in volatilen Märkten.
Fazit: Eine Wiederholung im Stil der 1980er ist durch Regulierungen und Marktwachstum blockiert, aber spekulative Blasen mit dramatischen Crashes sind immer möglich – besonders in unsicheren Zeiten. Für Anleger: Diversifizieren Sie, vermeiden Sie übermäßigen Leverage und beobachten Sie Regulierungsnews. Die Hunt-Geschichte lehrt: Gier endet oft in Panik.
Zusammenfassung erstellt von Grok