Silber ist derzeit so stark gefragt, dass einige Prägeanstalten die Nachfrage nicht mehr bedienen können. Nicht nur Privatanleger wollen das Edelmetall - die Hälfte des Verbrauchs kommt aus der Industrie.
Von Tim Höfinghoff am 19. Februar 2011
Das Edelmetall Silber ist so teuer wie seit dem Jahr 1980 nicht mehr. Die gute Konjunkturlage, Sorgen der Investoren vor Inflation sowie die Unruhen in vielen arabischen Ländern haben dazu geführt, dass Silber mittlerweile fast 32 Dollar je Feinunze (rund 31,1 Gramm) kostet. Auch andere Edelmetalle wie Gold und Palladium haben sich verteuert, der Palladium-Preis erzielte am Freitag mit 848 Dollar sogar ein Zehn-Jahres-Hoch.
Silber findet nicht nur als Schmuck Verwendung, es ist auch ein wichtiger Industrierohstoff. Die Hälfte des Silberverbrauchs kommt aus der Industrie. Das Metall ist in der Elektroindustrie gefragt, für Solarzellen und Haushaltsgeräte wichtig. Silber ist ein idealer Stromleiter. Hinzu kommt, dass Privatanleger verstärkt Silbermünzen und Barren gekauft haben, um sich gegen Geldentwertung abzusichern. Ebenso nimmt das Interesse an börsengehandelten Rohstoffpapieren wie Silber-ETC (Exchange Traded Commodity) zu. Der größte Silber-ETF der Welt, der iShares Silver Trust, meldete vor kurzem eine Erhöhung der Silberbestände um 900 Tausend Unzen. Auch Rohstoff-Fonds, die in Platin und Palladium investieren, erzielten zusätzliche Anlegergelder. Platin und Palladium werden in der Schmuckindustrie und im Automobilbau zur Herstellung von Katalysatoren benötigt. „Wegen der guten Konjunktur wird nun mehr Silber nachgefragt“, sagt Rohstoffanalyst Thorsten Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Außerdem war bei manchen Anlegern in der zweiten Hälfte des Jahres 2010 offenbar der Eindruck entstanden, Silber sei zu billig.
Nur Nebenprodukt bei der Gewinnung von Basismetallen
Auch gab es Spekulationen, dass Großanleger im Silbermarkt stark engagiert waren. Diese Investoren sollen mit „Short“-Positionen auf sinkende Silberpreise gesetzt haben. Sie könnten also Silber-Future-Kontrakte verkauft und damit den Preis gedrückt haben. Diese Geschäfte, die Leerverkäufen im Aktienmarkt ähneln, sind zwar legal, „doch es besteht die Möglichkeit, den Markt nach unten zu beeinflussen“, sagt Proettel. Die Kaufbereitschaft für das Edelmetall nahm daraufhin im Jahresverlauf zu, der Preis stieg.
Auch Privatanleger kaufen gerne Silbermünzen und Barren, weil sie im Vergleich zu Gold in der Regel günstiger zu haben sind. Zuletzt hatte auch das Interesse an Gold wieder zugenommen, so dass der Preis mit bis zu rund 1389 Dollar je Feinunze am Freitag auf ein Fünf-Wochen-Hoch kletterte. Doch Silber ist derzeit so stark gefragt, dass einige Prägeanstalten von Silbermünzen nicht mehr die Nachfrage bedienen können.
„Die Krise geht auf institutionalisierten Betrug zurück“
Manche Silber-Minenbetreiber sind allerdings schon dazu übergegangen, sich gegen fallende Preise abzusichern. „Der Silberpreis hat sich in nur zwei Jahren verdoppelt“, sagt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. „Es ist logisch, dass sich einige Produzenten gegen einen Preisrückgang absichern wollen. Das meiste Silber wird als Nebenprodukt beim Abbau von Basismetallen gewonnen und macht daher nicht so viel in der Produzentenrechung aus.“ Der Silberpreis sei schon sehr hoch. Sollte sich die konjunkturelle Lage wieder etwas eintrüben, dürfte dies auch Druck auf den Silberpreis ausüben. „Das gilt besonders, wenn in China die Zinsen wegen Überhitzungsgefahr weiter erhöht werden“, sagt Fritsch, „China war zuletzt ein wichtiger Importeur von Silber.“ LBBW-Rohstoffanalyst Proettel rechnet ebenfalls damit, dass der Silberpreis in den kommenden Wochen wieder unter die Marke von 29 Dollar gedrückt werden könnte.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
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