von Mark Schrörs, Elisabeth Atzler, Yasmin Osman (Frankfurt) und Claas Tatje (New York)
Alle Hoffnungen ruhen auf der Federal Reserve. Kommt es nicht zu einer Rezession, erwarten Strategen steigende Kurse an den Börsen und eine Erholung des schwachen Dollar. Die Rentenmärkte sind immer noch keine Alternative zu Aktien. Rohstoffe gelten als sichere Kaufwette.
Im neuen Jahr halten die weltweiten Zentralbanken das Schicksal der Finanzmärkte und die Wachstumschancen in der Hand. Gelingt es speziell der US-Notenbank, in den USA mit beherzten Zinssenkungen eine Rezession zu vermeiden, dann sagen Strategen den Aktienmärkten weitere Gewinne voraus - wenn auch weniger kräftig als in den vergangenen Jahren. Den Staatsanleihen traut die Mehrheit dagegen erneut nur wenig Aufwärtspotenzial zu, vor allem in der zweiten Jahreshälfte dürften die Kurse sinken und die Renditen steigen. Der Dollar wird sich nach einigen Rückschlägen im zweiten Halbjahr erholen. Nur hinsichtlich der Rohstoffe, speziell im Agrarsektor, sind die Bankexperten fast durchweg positiv gestimmt.
Vor allem für die Zentralbanken in den USA und Europa spitzt sich nach Einschätzung von Volkswirten zumindest im ersten Halbjahr 2008 die prekäre Lage zu. Sie müssen ihre Entscheidungen in einem Spagat zwischen Spannungen an den Geldmärkten, einer sich abkühlenden Konjunktur und steigender Inflation abwägen. "Das Dilemma verschärft sich. Es wird ungemütlich", sagt Joachim Scheide, Konjunkturchef beim Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel.
Kämpfen Fed und Europäische Zentralbank (EZB) entschieden mit höheren Leitzinsen gegen die Teuerung, besteht das Risiko, dass sich die Wirtschaft im jeweiligen Währungsraum massiv abkühlt, sogar in eine Rezession schlittert. Vereinzelte Stimmen sehen die USA bereits am Anfang einer Rezession. Stimulieren die Notenbanken das Wachstum, riskieren sie, dass Teuerung und Inflationserwartungen weiter anziehen - mit womöglich hohen langfristigen Kosten für die Volkswirtschaften.
Weitere Zinssenkung erwartet
Die Federal Reserve wird nach Einschätzung aller Beobachter ihren Zins vorerst trotzdem weiter senken. Die meisten Volkswirte erwarten, dass er Anfang 2008 zumindest von 4,25 auf 3,75 Prozent fällt. Seit September 2007 hat die Fed ihren Zins bereits um 100 Basispunkte zurückgenommen. Zuletzt hat sich die massive Krise am US-Häusermarkt erneut verschärft, eine Trendwende ist nicht absehbar. Zudem droht die Hypothekenkrise die Kreditvergabe zum Erliegen zu bringen. Beides belastet den Konsum, der bislang die große Konjunkturstütze war.
Einige Beobachter setzen gar darauf, dass der US-Zins bis Mitte des Jahres auf 3,0 Prozent sinkt. Hintergrund ist, dass sie die USA im Winterhalbjahr nah an oder - wie Morgan Stanley - in einer Rezession sehen. Scheide schätzt dieses Risiko mit 30 Prozent ein. Im Basisszenario geht er aber auch davon aus, dass sich die US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr erholt. Für das Gesamtjahr sagt er 1,8 Prozent Wachstum voraus.
