ZEW-Indikator
Signale für Belebung der Binnenkonjunktur
Die Finanzmärkte beurteilen einer ZEW-Umfrage zufolge die Aussichten für die deutsche Konjunktur deutlich optimistischer als vor einem Monat.
HB BERLIN. Der Saldo der ZEW-Konjunkturerwartungen der rund 300 befragten Analysten und institutionellen Anleger stieg im August auf 50,0 von 37,0 Punkten im Monat zuvor, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. Das ZEW-Barometer liegt nun deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt von 34,3 Zählern und erreichte seinen höchsten Stand seit März 2004..
ZEW-Präsident Wolfgang Franz sagte: „Vielleicht sehen wir nun gerade, wie der Funke von der Exportwirtschaft auf die Binnenwirtschaft überspringt.“ Neben der trotz des hohen Ölpreises weiterhin soliden Entwicklung der Weltwirtschaft dürften in diesem Monat erste Signale für eine Belebung der Binnenkonjunktur in Deutschland zum steigenden Konjunkturoptimismus beigetragen haben. Steigende Auftragseingänge vor allem aus dem Inland würden zu dieser Hoffnung Anlass geben.
Die aktuelle Konjunktursituation in Deutschland beurteilten die Experten in diesem Monat dank der höheren Industrieproduktion deutlich optimistischer. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage verbesserte sich von minus 66,7 Punkte auf minus 61,1 Punkte.
Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone stiegen im August ebenfalls. Der Euro-Indikator gewann 12,6 Punkte gegenüber dem Vormonat und liegt nun bei 41,6 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum habe sich in diesem Monat hingegen kaum verändert und stehe bei 33,3 Punkten.
An der Umfrage im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests haben sich in diesem Monat 322 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Sie wurden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt.
Die ersten Stellungnahmen der Analysten:
Gerd Hassel, BHF Bank: „Ich hatte zwar mit einem starken Anstieg gerechnet, hätte aber nicht gedacht, dass er so stark ausfallen würde. Es gibt offenbar immer noch recht positive Erwartungen an die bevorstehende Bundestagswahl. Offenbar rechnet man allgemein mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in Folge eines Regierungswechsels. Auf der anderen Seite hatten wir auch gesehen, dass sich die Ifo-Geschäftserwartungen und der ISM-Index aus den USA verbessert haben. Die Zinsstruktur hat sich wieder etwas ausgeweitet, und die Aktienmärkte haben sich erholt. Insofern einige positive Signale von der Datenseite oder von der Finanzmarktseite her, die sicherlich auch die Erwartungen für die künftige Wirtschaftsentwicklung beflügeln. Ich denke, das wird sich auch weiter fortsetzen bei den Ifo-Geschäftsklimadaten, die diese Wochen kommen. Das wird dazu führen, dass wir schon im dritten, aber auf jeden Fall im vierten Quartal auch einen deutlicheren Anstieg beim Bruttoinlandsprodukt sehen können in Deutschland. Nachdem wir im zweiten Quartal Stagnation hatten, sollte es wieder zu einem Aufschwung kommen.
Der Ölpreis ist einer der dämpfenden Faktoren, die dazu geführt haben, dass die Konjunkturerwartungen nicht noch weiter gestiegen sind. Dazu gehörte auch die zwischenzeitliche Aufwertung des Euro. Auch von der politischen Seite haben wir Belastungsfaktoren. Es ist plötzlich nicht mehr so ganz klar, dass Union und FDP die Wahlen mit einer satten Mehrheit gewinnen werden, sondern es gibt jetzt auch das Risiko, dass es vielleicht zu einer großen Koalition kommen könnte oder sogar zu einem Bündnis unter Beteiligung der Linkspartei.“
Julian Barclays Capital: „Das ist ein ermutigendes Signal. Die Hoffnung auf Veränderungen nach der Wahl im September, die Aktienkurse und die Weltwirtschaft haben zu diesem kräftigen Anstieg beigetragen. Die Schwankungsbreite des ZEW ist sehr weit und eine Bewegung dieser Größenordnung ist nicht so bedeutsam wie es etwa bei dem Einkaufsmanagerindex wäre.“
Jörg Angele, Bayerische Landesbank: „Der Indikator ist überraschend positiv ausgefallen, wir hatten nur mit einem Plus von 40 Punkten gerechnet. Richtig ist, dass die letzten Auftragseingänge für die Unternehmen und auch die Industrieproduktion im Juni hoch waren. Dennoch wird meiner Meinung nach der hohe Ölpreis ausgeblendet, gerade weil er sich wohl auf diesem Niveau einpendeln wird. Deshalb wird sich die Konjunktur keinesfalls so entwickeln wie es der ZEW-Indikator vorgibt. Ich denke, dass er noch einmal zurückgehen wird.“
Andreas Scheuerle, Deka-Bank: „Nach den enttäuschenden Zahlen zum BIP heute Morgen endlich gute Nachrichten. Ich würde aber noch nicht soweit gehen, das der Schwung vom Export bereits in der Binnenwirtschaft ankommt. Es ist wichtig zu konstatieren, dass wir weiter einen starken Impuls von Außenhandel haben - das ist die Hauptbotschaft für die Konjunktur. Dies zeigen auch die ZEW-Daten für andere Regionen. Wesentliche Anzeichen für eine Belebung der Binnenwirtschaft sehe ich aber noch nicht.“
Quelle: HANDELSBLATT, Dienstag, 23. August 2005, 11:24 Uhr
...be invested
Der Einsame Samariter
Signale für Belebung der Binnenkonjunktur
Die Finanzmärkte beurteilen einer ZEW-Umfrage zufolge die Aussichten für die deutsche Konjunktur deutlich optimistischer als vor einem Monat.
HB BERLIN. Der Saldo der ZEW-Konjunkturerwartungen der rund 300 befragten Analysten und institutionellen Anleger stieg im August auf 50,0 von 37,0 Punkten im Monat zuvor, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. Das ZEW-Barometer liegt nun deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt von 34,3 Zählern und erreichte seinen höchsten Stand seit März 2004..
ZEW-Präsident Wolfgang Franz sagte: „Vielleicht sehen wir nun gerade, wie der Funke von der Exportwirtschaft auf die Binnenwirtschaft überspringt.“ Neben der trotz des hohen Ölpreises weiterhin soliden Entwicklung der Weltwirtschaft dürften in diesem Monat erste Signale für eine Belebung der Binnenkonjunktur in Deutschland zum steigenden Konjunkturoptimismus beigetragen haben. Steigende Auftragseingänge vor allem aus dem Inland würden zu dieser Hoffnung Anlass geben.
Die aktuelle Konjunktursituation in Deutschland beurteilten die Experten in diesem Monat dank der höheren Industrieproduktion deutlich optimistischer. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage verbesserte sich von minus 66,7 Punkte auf minus 61,1 Punkte.
Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone stiegen im August ebenfalls. Der Euro-Indikator gewann 12,6 Punkte gegenüber dem Vormonat und liegt nun bei 41,6 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum habe sich in diesem Monat hingegen kaum verändert und stehe bei 33,3 Punkten.
An der Umfrage im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests haben sich in diesem Monat 322 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Sie wurden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt.
Die ersten Stellungnahmen der Analysten:
Gerd Hassel, BHF Bank: „Ich hatte zwar mit einem starken Anstieg gerechnet, hätte aber nicht gedacht, dass er so stark ausfallen würde. Es gibt offenbar immer noch recht positive Erwartungen an die bevorstehende Bundestagswahl. Offenbar rechnet man allgemein mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in Folge eines Regierungswechsels. Auf der anderen Seite hatten wir auch gesehen, dass sich die Ifo-Geschäftserwartungen und der ISM-Index aus den USA verbessert haben. Die Zinsstruktur hat sich wieder etwas ausgeweitet, und die Aktienmärkte haben sich erholt. Insofern einige positive Signale von der Datenseite oder von der Finanzmarktseite her, die sicherlich auch die Erwartungen für die künftige Wirtschaftsentwicklung beflügeln. Ich denke, das wird sich auch weiter fortsetzen bei den Ifo-Geschäftsklimadaten, die diese Wochen kommen. Das wird dazu führen, dass wir schon im dritten, aber auf jeden Fall im vierten Quartal auch einen deutlicheren Anstieg beim Bruttoinlandsprodukt sehen können in Deutschland. Nachdem wir im zweiten Quartal Stagnation hatten, sollte es wieder zu einem Aufschwung kommen.
Der Ölpreis ist einer der dämpfenden Faktoren, die dazu geführt haben, dass die Konjunkturerwartungen nicht noch weiter gestiegen sind. Dazu gehörte auch die zwischenzeitliche Aufwertung des Euro. Auch von der politischen Seite haben wir Belastungsfaktoren. Es ist plötzlich nicht mehr so ganz klar, dass Union und FDP die Wahlen mit einer satten Mehrheit gewinnen werden, sondern es gibt jetzt auch das Risiko, dass es vielleicht zu einer großen Koalition kommen könnte oder sogar zu einem Bündnis unter Beteiligung der Linkspartei.“
Julian Barclays Capital: „Das ist ein ermutigendes Signal. Die Hoffnung auf Veränderungen nach der Wahl im September, die Aktienkurse und die Weltwirtschaft haben zu diesem kräftigen Anstieg beigetragen. Die Schwankungsbreite des ZEW ist sehr weit und eine Bewegung dieser Größenordnung ist nicht so bedeutsam wie es etwa bei dem Einkaufsmanagerindex wäre.“
Jörg Angele, Bayerische Landesbank: „Der Indikator ist überraschend positiv ausgefallen, wir hatten nur mit einem Plus von 40 Punkten gerechnet. Richtig ist, dass die letzten Auftragseingänge für die Unternehmen und auch die Industrieproduktion im Juni hoch waren. Dennoch wird meiner Meinung nach der hohe Ölpreis ausgeblendet, gerade weil er sich wohl auf diesem Niveau einpendeln wird. Deshalb wird sich die Konjunktur keinesfalls so entwickeln wie es der ZEW-Indikator vorgibt. Ich denke, dass er noch einmal zurückgehen wird.“
Andreas Scheuerle, Deka-Bank: „Nach den enttäuschenden Zahlen zum BIP heute Morgen endlich gute Nachrichten. Ich würde aber noch nicht soweit gehen, das der Schwung vom Export bereits in der Binnenwirtschaft ankommt. Es ist wichtig zu konstatieren, dass wir weiter einen starken Impuls von Außenhandel haben - das ist die Hauptbotschaft für die Konjunktur. Dies zeigen auch die ZEW-Daten für andere Regionen. Wesentliche Anzeichen für eine Belebung der Binnenwirtschaft sehe ich aber noch nicht.“
Quelle: HANDELSBLATT, Dienstag, 23. August 2005, 11:24 Uhr
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Der Einsame Samariter