Sieben gute Gründe gegen Schwarzmalerei


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Libuda:

Sieben gute Gründe gegen Schwarzmalerei

6
28.12.08 15:03
Sieben gute Gründe gegen Schwarzmalerei

Von Olaf Gersemann 27. Dezember 2008, 11:17 Uhr (aus der Welt)

Wir stehen am Anfang der schwersten Wirtschaftskrise seit 70 Jahren, heißt es so penetrant, dass es gar nicht mehr infrage gestellt wird. Tatsächlich besteht kein Zweifel, dass uns 2009 viele schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft erreichen werden. Doch es gibt auch Gründe, sich nicht kirre machen zu lassen.


Sieben gute Gründe, warum wir 2009 mit Zuversicht begegnen sollten

Pessimisten haben es leicht: Fast täglich bekommen sie Bestätigung durch neue Wirtschaftsstatistiken, und mehrmals wöchentlich sorgt irgendein Analyst dafür, dass im Publikum kein Frohmut aufkommt. Die Nachricht von einer "Superrezession“ etwa legten die Commerzbank-Ökonomen den Deutschen unter den Weihnachtsbaum. Und der Amerikaner Stephen Roach, der Nostradamus der modernen Ökonomie, verhieß der Menschheit nach der Silvesternacht einen mehrjährigen "schweren Kater“. Doch wie schlimm es wirklich kommt, ist nicht ausgemacht. "Nur nicht kirre machen lassen“, ist ein guter Vorsatz fürs kommende Jahr – aus mindestens sieben Gründen.

Die historischen Vergleiche: übertrieben.


Wir stehen am Anfang der schwersten globalen Wirtschaftskrise seit 70 Jahren, heißt es derzeit so penetrant, dass es schon gar nicht mehr infrage gestellt wird. Nur: Treffen die derzeitigen Basisszenarien der Ökonomen ein, dann wächst die Weltwirtschaft 2009 um ein Prozent und 2010 um drei Prozent. Im Vergleich dazu fiel die Krise Anfang der 80er-Jahre schärfer und länger aus. Vergleiche mit der Großen Depression nach 1929 verbieten sich eigentlich sowieso. Damals erreichte die Arbeitslosigkeit in Deutschland und den USA 30 Prozent – Zustände, von denen wir weit entfernt bleiben werden.
Ohnehin herrscht noch immer große Unsicherheit, wie hart China und andere Schwellenländer wirklich getroffen werden. Sollte es der Volksrepublik gelingen, auch 2009 um neun Prozent zuzulegen – was Analysten für durchaus möglich halten –, dann bliebe zumindest dieser Wachstumsmotor intakt.
Wirtschaftsausblick
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Die Rezession: überzeichnet.

Selbst wenn die deutsche Wirtschaftsleistung für 2009 einen Wert von minus zwei oder gar drei Prozent aufweisen sollte: Es wäre nicht so schlimm, wie es den Anschein hat. Grund ist die Art und Weise der Berechnung. Sie führt dazu, dass die Wachstumszahl im Jahresdurchschnitt gedrückt wird, wenn die Wirtschaft im Herbst des Vorjahres schwächelt.
Nach dem Einbruch im vorigen Herbst heißt das konkret: 2009 wird die Wirtschaftsleistung dann schon um 0,8 Prozent unter dem Niveau von 2008 liegen, wenn es gelingt, die Wirtschaft das komplette kommende Jahr hindurch auf dem aktuellen Niveau zu stabilisieren. Kommt nun noch ein schwaches erstes Quartal 2009 hinzu – was abzusehen ist –, wird die Jahresbilanz für 2009 selbst dann sehr schlecht aussehen, wenn es danach wieder langsam aufwärts geht.


Der Ölpreis: abgestürzt.

Die Finanzkrise hat den Abschwung dramatisch beschleunigt und verstärkt. Aber sie war nicht seine Ursache. Tatsächlich schwächt sich die wirtschaftliche Dynamik in Deutschland und vielen anderen Industrieländern schon seit fast zwei Jahren ab, ausgelöst sehr offensichtlich durch die lange steigenden Preise für Öl und andere Energieträger. Fünf Jahre hatte der Ölpreis gebraucht, um von 35 Dollar auf 145 Dollar zu klettern. Jetzt reichten fünf Monate, um ihn von 145 auf 35 Dollar zurückstürzen zu lassen. Ersparnis für Rohölkäufer gegenüber den Höchstständen im Juli: mehr als neun Milliarden Dollar weltweit, Tag für Tag.
Auch das kann zwar die Rezession nicht mehr verhindern. Aber es stärkt die Kaufkraft. In den USA ist deshalb im November der private Verbrauch zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder gestiegen, meldete das Washingtoner Wirtschaftsministerium an Heiligabend.

Die Finanzkrise: eingedämmt.

Der Abschwung hat die Finanzkrise mit ausgelöst, nicht umgekehrt. Wenn das aber so ist, dann stehen die Chancen gut, dass auch im Bankensektor wieder mehr Normalität einkehrt, sobald es mit der Konjunktur wieder merklich aufwärts geht.
Wie es weitergeht mit der Wirtschaft
Szenarien: Konjunkturexperten tun sich derzeit besonders schwer mit Prognosen. Manche sind daher dazu übergegangen, nicht konkrete Werte für das Wirtschaftswachstum und andere Indikatoren vorherzusagen, sondern Intervalle. Andere entwickeln Szenarien für den weiteren Lauf der Dinge – und erstellen für diese dann Prognosen.
Spannbreite: Die Experten von Morgan Stanley arbeiten derzeit mit drei Szenarien: einem pessimistischen (Wahrscheinlichkeit: 30 Prozent), einem Basisszenario (60 Prozent) und einem optimistischen (10 Prozent). Die weitere konjunkturelle Entwicklung weicht in den Szenarien stark voneinander ab. Selbst im Negativszenario allerdings würde sich die Rezession nicht zu einer Depression ausweiten. Auch eine regelrechte Deflation würde es nicht geben.
Erste Anzeichen für eine Beruhigung gibt es ohnehin. Nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September hatte Angst vor weiteren Pleiten dazu geführt, dass sich Banken keine kurzfristigen Krediten mehr gewährten. Nach wie vor funktioniert dieser so wichtige Geldmarkt nicht richtig. Aber immerhin: Kurz vor Weihnachten waren die Zinsaufschläge auf dem US-Markt auf den bisher niedrigsten Stand seit dem Lehman-Fiasko gefallen.
Und das größte Desaster hat die Politik abwenden können. Hätten Sparer massenhaft ihre Konten abgeräumt: Eine Krise unvorstellbaren Ausmaßes hätte die Folge sein können. Diese Gefahr, vor drei Monaten noch sehr real, ist durch die Rettungsschirme der Regierungen gebannt worden. Anfang der 30er-Jahre dagegen spannte US-Präsident Herbert Hoover seinen Rettungsschirm derart ungeschickt auf, dass dieser die Panik erst auslöste, die er verhindern sollte.


Die Politikberater: fortgebildet.

1929 wussten die Wissenschaftler noch nicht wirklich viel über Wirtschaft. Die damals dominanten „Neoklassiker“ hatten verstanden, wie und warum Märkte im Regelfall gut funktionieren. Aber sie erkannten nicht, wann und weshalb Märkte versagen können. Sie wussten auch nicht, wie konjunkturelle Schwankungen entstehen, die Arbeitslosigkeit erzeugen können.
Auch die heutigen Experten müssen sich viel Kritik anhören – weil sie immer neue, immer andere Vorschläge unterbreiten. Aber nicht zuletzt dem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt ist es zu verdanken, dass Zentralbanken die Krise heute – anders als Anfang der 30er-Jahre – nicht durch eine Hochzinspolitik noch verschlimmern. Aus Japans Dauerstagnation in den 90er-Jahren haben die Fachleute gelernt, dass sich eine Bankenkrise vertieft, wenn sie nicht frühzeitig angegangen wird.


Die Populisten: zahnlos.

Die Große Depression half, Hitler an die Macht zu spülen. Auch später beförderten wirtschaftliche Krisen und Umbrüche populistische Heilsversprecher von links wie rechts. Oder sie brachten außerparlamentarische Oppositionsbewegungen hervor.

In den 90er-Jahren wurde Ostasien mit Chinas Aufstieg endgültig zur Werkbank der Welt. Folge war eine Welle der Globalisierungskritik, von seriösen Skeptikern wie der Amerikanerin Lori Wallach ebenso vorgetragen und wie von Vulgärtheoretikern vom Schlage der Kanadierin Naomi Klein („No Logo“); auf der Straße gab es teils gewaltsame Massenproteste, wie 1999 in Seattle und 2001 in Genua.
Und heute? Bei aller Systemkritik bleibt die Fundamentalopposition schwach. "Unser Land, seine Bürger und die Politik haben klug und besonnen reagiert“, sagte Bundespräsident Horst Köhler in seiner Weihnachtsansprache – im Kern zu Recht. Die Linkspartei jedenfalls hat bisher aus der Krise kein Kapital schlagen können.


Der politische Mainstream: sachorientiert.

Die einen Banken werden gerettet, andere fallen gelassen. Rettungspakete werden geschnürt und dann immer wieder neu verpackt, vor allem in den USA. Eine echte wirtschaftspolitische Koordination auf europäischer Ebene? Fehlanzeige. Viel lässt sich kritisieren am Krisenmanagement der Regierungen in den großen Industrieländern. Doch eine wirtschaftliche Katastrophe vor Augen, ist die Politik imstande, sich zusammenzureißen – nicht nur in Deutschland. Und anders als in den 30er-Jahren gibt es nur wenige Versuche, sich auf Kosten Dritter gesundzustoßen. Einen wirklichen Subventionswettlauf hat es nicht gegeben, Protektionismus ist weitgehend Rhetorik geblieben.
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Libuda:

Und die Aktien nehmen diese Entwicklung

3
28.12.08 15:09
zum Teil schon vorweg - zumindest bei den Aktien, die eigentlich ein struktureller Play sind, aber mitabgestraft wurden, hat sich teilweise schon bemerkenswertes getan - z.B. liegt eine von mir auf dem Hot-Stock-Board beobachtete Aktie schon wieder über 65% über völlig unsinnigen Tiefstständen und ein Ende derartiger Korrekturen von Kollektivabstrafungen ist nicht abzusehen. Zeigen sich dann die ersten "Schwalten", geht dann auch bei den stärker konjunkturabhängigen Werten die Post ab.
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FDSA:

Ein Prediger sagt: irgendwann stimmts...

2
28.12.08 15:55
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Trader75:

... ausserdem, wie sagte schon Kostolany

 
28.12.08 16:07
Die Börse reagiert gerade mal zu zehn Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie.
„Man muss die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte dafür sorgen, dass sie so kommen, wie man sie zu nehmen wünscht.“
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Martinricks:

Ich denke auch man muss nur...

 
28.12.08 16:12
...dran glauben;-)
Wer auf andere hört darf sich auch nicht wundern falls es anders kommt...
Bilde dir deine eigene Meinung und handel danach...

Ich werde jedenfalls dieses Jahr also Morgen und Übermorgen ;-) schonmal ein paar Weihnachtsgeschenke für 2009 aussuchen*g*

Allen einen Guten Rutsch ins Jahr `09
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Trader75:

...sehe ich genau so

 
28.12.08 16:32
1... muss man dran glauben, und wenn man es nicht täte, würde man auch nicht
     an der Börse handeln - Fakten hin oder her

2...es gibt immer gute Chancen und Möglichkeiten an der Börse, egal wie aktuelle Daten gerade zu sein scheinen

3...man darf sich nie von sogenannten Wirtschafts-Analysten beirren lassen, denn die kochen auch nur mit
    Wasser und liegen oftmals enorm daneben.

4...ein Risiko muss man eingen, aber darin liegt ja auch die Chance und der Reiz
    denn wie sagt auch schon Kostolany
    "Wer die Papiere nicht hat, wenn sie zurückgehen, hat sie auch nicht, wenn sie steigen"

Ich werde mich morgen auch noch spekulativ veranlagen:-)

Viel Erfolg allen und auch einen guten Rutsch ins Jahr 2009
„Man muss die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte dafür sorgen, dass sie so kommen, wie man sie zu nehmen wünscht.“
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Libuda:

Zu Ehrenrettung der Analysten

2
28.12.08 17:27
muss man sagen, dass es da nicht nur unsolide ins Kriminelle hineingehende Marktschreier wie den Sinn vom Ifo gibt. Ins Kriminelle hineingehend deshalb, weil seine Aussagen nicht auf einer Modellberechnung basieren, sondern aus dem hohlen Bauch stammen - das erfährt man erst auf Rückfrage und das ist die Schweinerei und das meines Erachtens Kriminelle an der Sinnsche Wichtigtuerei. Denn der Außenstende vermute, dass wenn sich ein Institutschef so weit aus dem Fenster lehnt, ein solides Modell existiert, das man mit soliden Zahlen gefüttert wurde - aber nicht von dem, nur ein Werk aus dem hohlen Bauch. Zweck der ganzen Geschichte ist, dass der Geldgeier Sinn bei möglichst vielen Medien tüchtig Kohle abkassieren wollte, denn die reagieren ja bekanntlich nur auf Geiles von unsoliden Marktschreiern.

Solide Analysen wie die von einem ING-Analysten in Euro am Sonntag gehen da unter:

"Den bestehenden volkswirtschaftlichen Theorien liegt die Annahme zugrunde, dass der Mensch als Homo Oeconomicus stets rational handelt und auf Basis vollständiger Informationen Entscheidungen trifft, die den eigenen Nutzen maximieren. Die Erfahrungen der letzten sechs Jahre haben uns jedoch gelehrt: Unser kollektives Wirtschaftsverhalten entspricht eher dem eines Manisch-Depressiven. Die letzte euphorische Phase begann 2003, als weltweit niedrige Zinssätze viele zum Irrglauben verleiteten, die Kombination aus robustem Wachstum, geringer Inflation, steigenden Häuserpreisen und niedrigen Risikoaufschlägen an Finanzmärkten könne ewig dauern. Derzeit preisen die Märkte ein außerordentlich deprimierendes Bild der wirtschaftlichen Entwicklung ein, von dem sich die Welt in absehbarer Zeit nicht erholen wird. Meiner Meinung nach ist der aktuelle Pessimismus völlig übertrieben.

Während der Großen Depression in den 30er Jahren vertrat der bedeutende Nationalökonom John Maynard Keynes die Ansicht, dass irrationale kollektive Stimmungswechsel die treibende Kraft hinter konjunkturellen Schwankungen seien. Sein Heilmittel: Wann immer übermäßiger Pessimismus die Privatwirtschaft lähmt, soll der Staat in die Bresche springen, um im Wege des sogenannten Deficit Spending die lahmende Wirtschaft anzukurbeln.

Anstatt zu warten, dass die vermeintliche Rationalität von Verbrauchern und Unternehmen die Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht bringt, würden Regierungen und Zentralbanken rund um den Globus selbst aktiv und ergriffen Maßnahmen, um die Konjunktur anzukurbeln. Regierungen sind kaum die Hände gebunden, da Staaten theoretisch nicht bankrott gehen können, sofern sie Schuldtitel in ihrer eigenen Währung ausgeben. Falls nötig, könnten sie Haushaltsdefizite dadurch finanzieren, dass sie Druckerpresse anwerfen. Auch wenn sich die Achterbahnfahrt noch für die nächsten paar Monate fortsetzen wird, bin ich zuversichtlich, dass im nächsten Jahr die Stabilisierung einsetzen wird.

aus: Euro am Sonntag vom 16.11.2008
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Marlboromann:

Achter Grund: Kriegsspannungen im Nahen Osten

 
28.12.08 19:48
Immer wenn es Vorkriegsspannung im Nahen Osten gibt, dann boomt dort der Waffenmarkt und wer verkauft bitte die meisten Waffen dort? USA.
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Libuda:

Dass Kriege nützlich seien, ist ein nicht

 
29.12.08 11:18
aus der Welt zu schaffende Legende - abgesehen vom menschlichen Leid sind sie für Börsen immer kontraproduktiv, da sie Unsicherheit produzieren, die zu höheren Risikoprämien führen.

Das ist auch einer der Gründer, warum die Aktienkurse in der Bushkriegerzeit nie richtig auf die Beine kamen. Auf der anderen Seite sollte die Börsen vom Wegfall des Bushkriegermalus profitieren.
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Marlboromann:

Ansichtssache wer Krieg führt

 
29.12.08 11:29
Wenn ich keinen Krieg führe, aber die Ressourcen verkaufe, die jene Kriegsparteien benötigen, dann profitiere ich vom Krieg.
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Depothalbierer:

es gibt 1000 gute gründe, auf dieses land stolz

 
29.12.08 13:52
zu sein, warum fällt uns jetzt auf einmal kein einziger mehr ein...

all die ganzen gründe...
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