Noch etwas ausführlicher, dann höre ich aber erst mal auf:
Schloss Wachenheim ist aus meiner Sicht keine spektakuläre Wachstumsstory, sondern ein solide geführter, aber zyklisch und margenseitig nicht völlig berechenbarer europäischer Getränkehersteller. Das Unternehmen wurde 1888 als „Deutsche Schaumweinfabrik in Wachenheim“ gegründet und bekam seine heutige Form 1996 durch die Verschmelzung mit der Sektkellerei Faber in Trier. Heute arbeitet der Konzern in den drei operativen Teilkonzernen Deutschland, Frankreich und Ostmitteleuropa. Zum Portfolio gehören nicht nur klassischer Sekt und Perlwein, sondern auch Stillwein, alkoholfreie Sparklings und Weine, Wermut, Cider, Spirituosen und Kinderpartygetränke. Wichtige Marken sind in Deutschland vor allem Faber, Schloss Wachenheim, Light Live, Eisberg und Robby Bubble, in Frankreich Charles Volner, Muscador, Opéra und Veuve Amiot, in Ostmitteleuropa Cin&Cin, Dorato, Fresco, Cydr Lubelski und Zarea.
Operativ war 2024/25 ordentlich, aber nicht stark. Der Umsatz stieg auf 447,4 Mio. Euro, das EBIT sank auf 27,2 Mio. Euro, der Konzernjahresüberschuss fiel auf 16,2 Mio. Euro und das Ergebnis je Aktie auf 1,01 Euro; die Dividende blieb bei 0,60 Euro je Aktie. Wichtiger ist für den Stand 17.4.2026 aber das laufende Jahr: Im ersten Halbjahr 2025/26 stiegen die Absatzmengen um 3,7 Prozent auf 132,6 Mio. Flaschen, der Umsatz um 1,9 Prozent auf 261,2 Mio. Euro und das EBIT auf 27,1 Mio. Euro. Die Gesellschaft hat ihre Jahresprognose dabei bestätigt und erwartet weiter ein Umsatzplus von 3 bis 6 Prozent, ein EBIT von 30 bis 33 Mio. Euro und einen Konzernjahresüberschuss von 18 bis 21 Mio. Euro.
Die nackten Fundamentals sehen auf den ersten Blick günstig aus, aber man muss sie sauber lesen. Zum 30. Juni 2025 lag die Eigenkapitalquote bei 54,4 Prozent, zum Halbjahresstichtag 2025/26 immer noch bei 50,8 Prozent. Das ist für einen Konsumwert ordentlich. Gleichzeitig entfielen vom Konzernjahresüberschuss 2024/25 von 16,2 Mio. Euro nur 8,0 Mio. Euro auf die Aktionäre der Schloss Wachenheim AG; 8,2 Mio. Euro gingen an Minderheitsgesellschafter. Genau deshalb wirkt die Aktie auf Umsatz- oder Buchwertbasis billiger, als sie für die Stammaktionäre tatsächlich ist. Das ist kein Schönheitsfehler, sondern ein zentraler Punkt bei der Bewertung.
Bei einem Kurs von rund 14 Euro am 17. April 2026 und 7,92 Mio. Aktien liegt die Marktkapitalisierung grob bei 110 Mio. Euro. Auf Basis des zuletzt ausgewiesenen Ergebnisses je Aktie von 1,01 Euro ergibt das ein KGV von knapp 14; die zuletzt gezahlte Dividende von 0,60 Euro entspricht einer Rendite von gut 4 Prozent. Das ist nicht teuer. Noch interessanter: Der Free Float liegt nur bei rund 30 Prozent, während die Günther Reh AG knapp 70 Prozent hält. Das stützt zwar die langfristige Orientierung, drückt aber auch auf die Liquidität der Aktie und rechtfertigt einen Small-Cap- und Illiquiditätsabschlag. (live.deutsche-boerse.com)
Die Dividende ist einer der Gründe, warum die Aktie überhaupt interessant ist. 2024/25 wurden erneut 0,60 Euro je Aktie ausgeschüttet; auch 2023/24 und 2021/22 lag die Dividende bei 0,60 Euro, nachdem sie für 2019/20 auf 0,40 Euro und für 2020/21 auf 0,50 Euro gelegen hatte. Das Unternehmen hat 2020 ausdrücklich eine Politik genannt, nach der ungefähr die Hälfte des Jahresüberschusses der AG plus 20 bis 25 Prozent des Konzernüberschusses vor Minderheiten zur Ausschüttung vorgeschlagen werden. Ob das in exakt dieser Form heute noch unverändert gilt, weiß ich nicht; die jüngsten Ausschüttungen passen aber grob dazu. Für 2025/26 halte ich eine stabile Dividende von 0,60 Euro für wahrscheinlich, falls die Prognose erreicht wird. Das ist eine Einschätzung, keine veröffentlichte Zusage. (Schloss Wachenheim)
Für die nächsten 5 bis 15 Jahre sehe ich bei Schloss Wachenheim drei echte Pluspunkte. Erstens wächst der Bereich alkoholfreier Sparklings und Weine strukturell, und genau dort ist die Gruppe mit Light Live und Eisberg gut positioniert. Zweitens ist das Geschäft geografisch breiter aufgestellt als es bei der deutschen Börsenbewertung wirkt. Drittens investiert das Unternehmen weiter in Produktionsmodernisierung und Kapazitätserweiterung und bleibt offen für Zukäufe. Gegen diese Stärken stehen aber klare Grenzen: Die Sekt-, Schaumwein- und Perlweinmärkte in Deutschland und Frankreich sind laut Gesellschaft eher stabil bis leicht rückläufig, in Ostmitteleuropa rechnet man nur noch mit Seitwärtsbewegung, und in Rumänien belasten höhere Verbrauchsteuern. Dazu kommen Weinpreis-, Verpackungs-, Währungs- und Konsumrisiken. Schloss Wachenheim ist daher in meinen Augen kein langfristiger Vervielfacher, sondern eher ein ordentliches, defensiv wirkendes Cashflow- und Dividendeninvestment mit begrenztem Wachstum.
Wichtig ist auch die Saisonalität. Das Geschäft hängt stark am Jahresendgeschäft, vor allem in Deutschland und Ostmitteleuropa. Deshalb darf man das starke erste Halbjahr 2025/26 nicht einfach linear aufs Gesamtjahr hochrechnen. Dass nach sechs Monaten bereits 27,1 Mio. Euro EBIT erreicht wurden und die Jahresprognose trotzdem nur 30 bis 33 Mio. Euro beträgt, ist nicht automatisch vorsichtig oder verdächtig, sondern entspricht der Struktur des Geschäfts. Zusätzlich gibt es 2025/26 einen positiven Sondereffekt aus der deutschen Körperschaftsteuerreform, der den Konzernjahresüberschuss laut Geschäftsbericht um rund 0,7 Mio. Euro entlasten soll. Das hilft, ist aber kein operativer Qualitätssprung. (Schloss Wachenheim)
Meine Kursziele auf Sicht von 12 bis 18 Monaten lauten deshalb: 12 Euro im schwachen Szenario, 17 Euro im Basisszenario und 20 Euro im guten Szenario. Das Basisszenario unterstellt, dass Schloss Wachenheim die laufende Prognose erfüllt, die Dividende bei 0,60 Euro hält und der Markt der Aktie wieder ein etwas normaleres Bewertungsniveau für einen soliden europäischen Marken- und Private-Label-Getränkehersteller zubilligt. Das gute Szenario setzt voraus, dass Frankreich margenseitig sauberer läuft, die alkoholfreien Produkte weiter stark wachsen und die Ostmitteleuropa-Geschäfte stabil bleiben. Das schwache Szenario greift, wenn Konsum, Währungen oder Beschaffungskosten erneut gegen das Unternehmen laufen und die Marge wieder enttäuscht. Unterm Strich halte ich Schloss Wachenheim derzeit für unterbewertet, aber nicht für einen Selbstläufer. Es ist eine brauchbare Value- und Dividendenaktie mit begrenzter Fantasie nach oben und überschaubarem, aber realem operativem Risiko.
Autor: ChatGPT