Wer glaubt, dass man mit Anleihen Schulden abbaut, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen!
Unternehmensanleihen sind Finanzschulden!
Man emittiert 1,5 MRD € neue Anleihen, um damit alte Anleihen im Nominalwert von 1,2 MRD EUR zu tilgen.
Und dann lese ich da was von 60 Mio € jährlicher Zinsersparnis durch die Anleiheumschuldung???
Was für ein Bullshit! Offensichtlich haben einige Aktionäre vor lauter Buchverlusten das kleine 1x1 verlernt...
Rechnen wir doch mal...
600 Mio € Hochzinsanleihe mit 9,75% p.a. = 58,5 Mio € Zinslast p.a.
600 Mio € Niedrigzinsanleihe mit 2,25% p.a. (fällig in 2027) = 13,5 Mio € Zinslast p.a.
=> Durchschnittszins der zu tilgenden 1,2 MRD EUR Anleihen: 6,0% p.a.
=> Zinsersparnis p.a. nach Tilgung von 1,2 MRD EUR Anleihen = 72 Mio €
Ausgabe neuer Anleihen:
850 Mio € mit Fälligkeit 2031 zu 5,75% = Zinsaufwand 48,875 Mio € p.a.
650 Mio € mit Fälligkeit 202332 zu 6,25% = Zinsaufwand 40,625 Mio € p.a.
=> Durchschnittszins der neuen 1,5 MRD € Anleihen: 5,97%
=> Zinsaufwand p.a. aus 1,5 MRD EUR Anleihe-Neuemission: 89,5 Mio € p.a.
=> Änderung des Zinsaufwands nach Anleihetilgung: 89,5 Mio € - 72 Mio € = 17,5 Mio €
Fazit:
Wie üblich in einem Kapitalmarkt, der allzugern mit schön klingenden Halbwahrheiten gefüttert werden will, haben Eutelsat und zahlreiche Wiederkäuer-Medien die Neuaufnahme der 1,5 MRD EUR Anleihe mit der Tilgung von Hochzinsanleihen begründet...
Vielen Meldungen nach hätte man meinen können, die Neuemission führe zu einer signifikanten jährlichen Zinsersparnis.
Bei Betrachtung der Realität, wo die Hälfte des Tilgungsbetrags eine Niedrigzinsanleihe aus guter alter Nullzinsära betrifft und somit der Durchschnittszins der zu tilgenden Anleihen de facto bei 6,0% und mithin lediglich marginal über dem 5,97% Durchschnittszins der neuen 1,5 MRD EUR Anleihe liegt, sieht die Sache schon ganz anders aus.
Ja, mit der Verlängerung der Tilgungsfristen hat sich Eutelsat kurzfristig Zeit gekauft, aber nein die vermeintliche Zinsersparnis ist definitiv nicht existent und obendrein hat man nun 300 Mio € höhere Anleiheschulden als zuvor.
Eine exakte Quantifizierung der Zinsänderung ist mangels Quantifizierung des zur Tilgung beabsichtigten Darlehens aus 2021 und dessen Zinskonditionen anhand der bisher von Eutelsat publizierten Daten unmöglich.
Allein auf Basis der bekannten Anleihedaten würde die Neuemission zu einer Erhöhung der Finanzschulden i.H.v. 300 Mio € und eine Erhöhung des jährlichen Zinsaufwands i.H.v. 17,5 Mio € führen.
Wie man aus diesen Fakten die Aussicht auf einen kurzfristigen Kurssprung stricken möchte, kann ich betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehen.
Hätte Eutelsat zu o.g. Konditionen Perpetuals, d.h. Ewigkeitsanleihen begeben, die im S&P Rating als Eigenkapitalinstrumente angesehen werden, könnte man dem Gedanken einer "Entschuldung" vielleicht noch irgendwie folgen.
Allerdings würde dies eine gänzlich andere Bonität erfordern... eine Aroundtown konnte zuletzt die Emission von Ewigkeitsanleihen mit 5,25% Zinscoupon vermelden... 5,75% für eine 5J-Anleihe bei 2% Leitzins im Euroraum sind nach wie vor Zeugen eines katastrophal schlechten Eutelsat-Ratings...
Eines Unternehmens, das nicht mal in Kriegszeiten seine Oneweb-Konstellation profitabel vermarkten kann! Profitabel heißt nicht positive EBITDA-Marge, sondern Jahresüberschuss!
Wenn ich dann lese, das 60%-Wachstum bei LEO hätte den dramatischen Rückgang des Jahresfehlbetrags zu verantworten... was für ein Bullshit!!!
Eutelsat verdient ausschließlich im rückläufigen Video-Segment noch Geld... LEO ist dank gigantisxher Ersatz- und CAPEX-Investitionen ein Cashburner, wie er im Buche steht...
Warum war Oneweb 2021 wohl insolvent!
Die Lebensdauer der Leo-Satelliten beträgt durchschnittlich ca. 6 Jahre.
Sprich die Konstellation muss sich innerhalb von 6 Jahren komplett durch FCF refinanzieren.
Die bisherigen ca 600 aus der Insolvenzmasse für gut 3 MRD EUR übernommenen Satelliten haben Eutelsat gigantische Cashverluste beschert...
Wer garantiert mir, dass die neuen 450 Satelliten Eutelsat innerhalb ihrer 6-jährigen Nutzungsdauer nun plötzlich risikoadäquate Cash-Überschüsse bescheren?
Aktuell muss eine selbst nach der 1,5 MRD € Rekapitalisierung durch Aktienemission noch mit mehr als 2,0 EBITDA verschuldete Eutelsat weitere Milliarden in den LEO-Ausbau investieren... sprich die Bruttofinanzverschuldung wird auf Sicht der nächsten 2 Jahre voraussichtlich um weitere 21 MRD EUR steigen...
Und Eutelsat wird bottom line nach eigener Finanzplanung auch 2025/2026 und 2026/2027 weiter hunderte Millionen Verlust schreiben, deren Refinanzierung durch zukünftige Gewinne aktuell sprichwörtlich in den Sternen geschrieben steht.
Schaut man in die Bilanz, findet sich dort auf der Aktivseite weiterhin viel Luft in Form von "Goodwill"
Aus Analystensicht dem Wortlaut entsprechend reine Luftbuchungen, die im Rahmen der Bilanzanalyse regelmäßig gegen das EK verrechnet werden, um das Tangible Equity als einiger maßen verlässliche, weil "anfassbare" Eigenkapitalgröße zu ermitteln.
Basierend auf dem Tangible Equity ist die Aktie selbst nach der die Gewinnanteile der Altaktionäre stark verwässenden 1,5 MRD EUR Kapitalerhöhung nicht etwa billig, was ich bei einem KBV von 0,5 oder weniger konstatieren könnte...
Fazit:
Eutelsat ist aktuell ein hochverschuldetes, unprofitables Unternehmen, das in den nächsten 2 Jahren ca 2 MRD eur Capex schultern muss und zeitgleich kaum Umsatzwachstum generiert, weil das LEO-Umsatzwachstum die Umsatzverluste des weitaus größeren und vor allem hochprofitablen Video-Segments (noch) nicht ausgleichen kann, erst recht nicht aus Gewinn- und Cashflowbasis...
Wenn Eutelsat nicht endlich mal überplanmäßige, d.h. den Kapitalmarkt positiv überraschende Umsatz- und Gewinnsteigerungen im LEO-Segment präsentieren kann, ist die Notwendigkeit einen neuen verwässenden Kapitalerhöhung nur eine Frage der Zeit.
Den bei Eutelsat zahlreichen KURZFRISTZOCKERN ist das freilich vollkommen egal, weil sie Vola lieben und ihnen das Kursniveau ihrer Zocks letztlich komplett egal ist. Hauptsache die Aktie bewegt sich in kurzen Zeithorizonten, charttechnisch gut vorhersehbar und mit hoher Taktung abwechselnd stark nach oben oder unten.
Für Langfristinvestoren - und nur die interessieren mich - ist Eutelsat stand heute ein unprofitabler, wachstumsschwacher, hochverschuldeter Zockerwert.
Insbesondere für Income-Investoren, die an stetig wachsenden Umsatz- und Gewinnerwartungen interessiert sind, gibt es tausende wenn nicht hunderttausende besser geeignete Aktien im weltweiten Börsenuniversum.
Dass in diesem Forum einige wenige Foristen sich in Dauerschleife mit sich selbst unterhalten und glauben, die Welt würde sich irgendwie für Eutelsat verbessern, wenn im Stundentakt neue Einzeiler ins Forum geblasen werden, spricht für sich.
Ich bin lange genug Eutelsat-Aktionär, um zu wissen, dass die Oneweb-Übernahme in finanzieller Hinsicht ein brutales Fiasko für die Eutelsat-Altaktionäre war. De facto haben die Aktionäre einer insolventen ONEWEB-Konstellation sich mit einem grandiosen Übernahmepreis eine bis dahin hochprofitable Eutelsat einverleibt und nicht umgekehrt.
Die Folgen dieser katastrophalen Oneweb-Fehlbewertung wurden mit milliardenschweren Wertberichtigungen und einer "grandiosen" Marktwertvernichtung in den letzten Jahren überdeutlich.
Als Aktionär würde ich mir wünschen, dass Eutelsat am Ende doch noch irgendwie die Kurve kriegt und wieder profitabel wirtschaften kann. Auf Basis des bilanziellen Istzustands, der unverändert haushohen Verluste und des durch extreme CAPEX getriggerten Cashburns sehe ich die Chancen für einen nachhaltigen Erfolg des aktuellen Unternehmenskonzepts, d.h. ein nachhaltiges Erreichen der Profitabilität ohne Durchführung weiterer Kapitalerhöhungen bei maximal 50:50.
Dieses Umstands sollte sich jeder "Glücksritter" bewusst sein, wenn er in ein französisches Small Cap namens Eutelsat investiert.
Wenn ich weitaus profitablere Aktien wie Verve Group oder Hometogo sehe, die vom Kapitalmarkt in den letzten Jahren ähnlich brutal abverkauft wurden, heute aber mit exorbitant niedrigen KBVs, extrem hohem Umsatzwachstum und positiven KGVs und KCVs glänzen, bin ich geneigt zu sagen, dass es auch für hochrisikofreudige Anleger langfristig weitaus erfolgversprechendere Aktien als Eutelsat gibt, mit deutlich günstigerem Risikoprofil.
Die deutsche Bundeswehr hat sich glasklar gegen eine Beteiligung an Eutelsat positioniert.
Man sieht in Eutelsat ein französisch-englisches Projekt und kein Projekt für die Zukunft einer europäischen Armee.
Macron und Starmer hätten es gern gesehen, dass sich Deutschland bei Eutelsat mit einem Milliardenbetrag engagiert und Frankreich strategisch weiter den Hut aufbehält.
Von diesem Traum sollte sich Präsident Macron verabschieden.
Angesichts eines extrem verschuldeten und politisch unregierbar erscheinenden Frankreich wird Deutschland kurz- und mittelfristig eine militärische Führungsrolle in Europa beanspruchen und sich keinesfalls französischen Wünschen nach deutschen Finanzhilfen an französisch dominierte Geldverbrennungsmaschinen unterordnen. Macron ist eine lame duck und Eutelsat daher für Deutschland uninvestierbar. Wir werden sehen, ob Dtl IRIS2 als europäisches Verteidigungsprojekt akzeptiert. Aktuell sehe ich Bestrebungen der Bundeswehr, ein gänzlich eigenes Satellitennetz mit deutschen Firmen wie Siemens und Co. aufzubauen. Es geht eben nicht in erster Linie darum, wieviel Staatsknete Satellitenprojekte benötigen, sondern zuallererst, welche Firmen und mithin wessen Arbeitsplätze von deutschen Rüstungsmilliarden profitieren.
Es wird unter Garantie nicht so laufen, dass französische Staats- und Rüstungskonzerne sich an deutschen Rüstungsmilliarden gütlich tun! Daher wird Dtl. im Zweifelsfall lieber eine komplett neue deutsche Satellitenkonstellation aufbauen, als Eutelsat auch nur wenige Milliarden in den Rachen zu schieben. Deutsch-französische Freundschaft stößt bei Rüstungsprojekten immer wieder an enge Grenzen. Letztlich herrscht da wohl immer noch wesentlich mehr wirtschaftspolitische Rivalität als man uns bei staatstragenden Freundschaftsreden glauben machen will. Die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz. Und da hat Deutschland die mit der jüngsten Kapitalerhöhung auf dem Silbertablett präsentierte Chance eines Eutelsat-Einstiegs offenbar mit Wissen und Wollen abgelehnt und sich stattdessen für den Aufbau einer eigenen Satellitenkonstellation für die BW entschieden, womit Eutelsats Wachstumsaussichten im Bereich europäischer Verteidigungsprojekte auf absehbare Zeit signifikant eingedampft worden sein dürften... Eutelsat ist eben keine Rheinmetall, keine Renk...