Warum die Bush- Regierung dem Pleitenunternehnen nicht aushalf- obwohl sie von dessen Wahlhilfe profitierte
Innerhalb kürzester Zeit vom siebtgrößten Unternehmen der USA zum Bankrotteur und zu einer wachsenden Belastung für die Regierung von George W. Bush - das ist die Geschichte des Energiehandelsunternehmens Enron. Angestellte und Investoren sind geschockt, der US-Kongress und das Justizministerium haben Untersuchungen eingeleitet. Es wird noch Monate dauern, bis sich die Ermittler durch den Sumpf aus Finanzmanipulationen und fragwürdigem Geschäftsgebaren gekämpft haben.
Schon jetzt aber ist klar, dass der Zusammenbruch von Enron dem Ansehen von Präsident Bush schwer geschadet hat. In einer Umfrage vom Wochenende sagten fast zwei Drittel der Befragten, dass die Regierung ihre wahren Beziehungen zu Enron nach wie vor verberge. Die Hälfte glaubt außerdem, dass Enron Einfluss auf die Energiepolitik der Regierung genommen hat.
Schon jetzt kann man aus dem Debakel sechs wichtige Lehren ziehen, die sich nicht nur Manager in Großkonzernen hinter die Ohren schreiben müssen.
Auch die besten politischen Verbindungen, die man für Geld haben kann, genügen nicht immer, um ein Not leidendes Unternehmen zu retten.
Kein Unternehmen hat George W. Bush auf seinem Weg zur Präsidentschaft mehr unterstützt als Enron. Insgesamt 623 000 Dollar spendeten die Angestellten der Firma für seine Karriere, allen voran Firmenchef Kenneth Lay. Anlässlich der Feier zum Amtsantritt ließen Enron und Lay nochmals 200 000 Dollar springen. Aber als die Firma die Regierung Bush um Hilfe bat, was tat sie? Offenbar nichts - trotz Lays Anrufen bei Wirtschaftsminister Donald Evans und bei Finanzminister Paul O'Neill. Und obwohl Enron-Präsident Lawrence Whalley dem Finanz-Staatssekretär Peter Fisher telefonisch die Tür einrannte. Donald Evans sagte, es sei ein "ungeheuerlicher Missbrauch" seines Amtes, wenn er Lay helfen würde. Warum, das führte er nicht aus - wahrscheinlich fürchtet er als ehemaliger Ober-Spendensammler der Republikaner, dies könnte als Gefälligkeit für die Enron-Gelder verstanden werden.
Die Wirtschaftsprüfungs-Branche muss dringend reformiert werden.
Enron ist kein Einzelfall: Schon in der Vergangenheit attestierten die fünf größten Wirtschaftsprüfungsfirmen der Welt ihren Klienten Unbedenklichkeit, obwohl sie offensichtlich zumindest fragwürdige Finanzmanöver in den Bilanzen entdeckten - bis zum Zusammenbruch dieser Firmen. Im Fall von Enron wird man Arthur Andersen fragen müssen, wie das Unternehmen seine Profite schön rechnen und Hunderte Millionen Dollar Schulden in Personengesellschaften verstecken konnte. Außerdem wird man fragen dürfen, warum Andersen auch Aufgaben übernahm, die normalerweise die Buchhalter des Unternehmens erledigen - was zu einem schweren Interessenskonflikt führte. Als Enron auf den Bankrott zusteuerte, vernichteten Mitarbeiter der Prüfungsgesellschaft Unterlagen über ihre Arbeit. Das sagt das Unternehmen, das sich inzwischen im Streit von Andersen getrennt hat.
Für Douglas R. Carmichael, Professor für Buchführung am Baruch College in New York, ist es ein Fehler im System, warum die Kontrolle versagt, die die Prüfgesellschaften ausüben sollen: "Auf den Führungskräften lastet ein viel zu großer Druck, einen Kunden wie Enron bei Laune zu halten." Zudem seien die Regeln der Buchführung so weit auslegbar, dass man Gewinne und Umsätze manipulieren kann - ein Umstand, den die Prüfer selbst bemängeln. Ein grundsätzliches Problem liegt darin, dass sie ihre Kunden nicht nur prüfen, sondern auch beraten. Damit wird ein Anreiz geschaffen, hier und da beim eigentlichen Job ein Auge zuzudrücken, um nicht das lukrative Zweitgeschäft zu verlieren.
Arbeitgeber gefährden ihre Mitarbeiter, indem sie ihnen zur betrieblichen Altersvorsorge Aktien des eigenen Unternehmens aufzwingen.
Aktien können auch fallen - und daher dürfen Belegschaftsaktien in den Rentenplänen von Unternehmen nicht zu stark gewichtet werden. Diese Erfahrung machen jetzt die Mitarbeiter von Enron. Nicht, dass das eine neue Erkenntnis wäre. Im vergangenen Jahr erwischte es beispielsweise die Mitarbeiter von IT-Unternehmen wie Lucent, Dell und vielen anderen, deren Hoffnungen auf einen sorgenfreien Ruhestand dahinschwanden. Dank der eifrigen Lobby-Arbeit der Arbeitgeber sind Aktien als Bestandteil der Altersversorgung - verbunden mit einem langfristigen Verbot, die Papiere zu verkaufen - jedoch noch immer erlaubt.
Das New Economy-Modell vom Erfolgs-Unternehmen ohne Sachvermögen ist immer noch Zukunftsmusik.
Wie viele seiner Dotcom-Kollegen war der frühere Enron-Chef Jeffrey Skilling der Ansicht, dass zu viel Sachvermögen ein Unternehmen behindert. Information sei der Schlüssel zur Herrschaft im Energiemarkt, nicht Kraftwerke oder Pipelines. Letztere würden nur Geld binden, das man profitabler für den Handel einsetzen kann - zum Beispiel mit Elektrizität oder Internet-Bandbreite. Also stießen die Manager alle Anlagen ab und schufen ein immer unübersichtlicheres System von Finanzverflechtungen, um Geld für die neuen Geschäfte aufzutreiben. Durch Transaktionen mit Personengesellschaften, die mit Enron in Verbindung standen, hielten sie Hunderte Millionen Dollar Schulden aus der Bilanz fern. Als diese Praxis aufflog, begann die Krise.
Wer vom Handel lebt, lebt vom Vertrauen seiner Geschäftspartner. Und das kann in Nullkommanichts verschwunden sein.
Enron verdankte seine Gewinne vor allem dem Handel. Kredit bekam das Unternehmen, weil Gläubiger wie Handelspartner auf die Solidität der Firma vertrauten. Daher wies Enron immer wieder darauf hin, wie gut das Handels-Geschäft lief - auch noch, als die Presse längst Gegenteiliges behauptete. Ende Oktober ließ Enron sogar selbst seinen Kreditrahmen bei den Banken um 3 Milliarden Dollar senken - ein letzter vergeblicher Versuch, das Vertrauen des Marktes wiederzugewinnen. Denn zu dem Zeitpunkt war die Phase längst passé, dass das Unternehmen wegen seiner Marktmacht bei Energie-Geschäften Sonderbedingungen erhielt und weniger Sicherheiten stellen musste. In dem Maße, wie die Bonität von Enron schwand, reduzierten Partner ihre Geschäfte und machten bei den Verträgen strengere Auflagen.
Es gab gute Gründe, Geschäfts- und Investment-Banken zu trennen. Diese Teilung aufzugeben, ist riskant.
1999 hob der Kongress den Glass-Steagall-Act auf. Nach diesem Gesetz durften Banken nie gleichzeitig im Kreditgeschäft und im Investment-Banking tätig sein. So sollte verhindert werden, dass sich die Institute - gedeckt durch die Einlagen von Kleinsparern - mit leichtfertig vergebenen Krediten lukrative Investment-Aufträge erkaufen. J.P. Morgan und Citigroup, zwei der größten Enron-Kreditgeber, verdienten bei ihrem Schuldner mit solchen Dienstleistungen zig Millionen Dollar. Die Banken bestreiten entschieden, dass sie ihre Kredit-Standards gesenkt hätten, um diese Aufträge zu bekommen. Zum Glück müssen die beiden Banken mit Enron nur einen kleinen Teil ihres Portfolios abschreiben. Vielleicht wird man sich aber trotzdem überlegen, ob Spareinlagen nicht wieder besser vor der Wall Street geschützt werden müssen.
Am Wochenende entschied ein Konkursrichter, dass die Schweizer Investmentbank UBS Warburg das Handelsgeschäft von Enron übernehmen darf. UBS Warburg muss dafür nichts bezahlen und übernimmt auch keine Schulden, die Gläubiger erhalten dafür ein Drittel der künftigen Gewinne vor Steuern. Richter Arthur Gonzalez sagte, der Verkauf sei im besten Interesse des Unternehmens. Die Bedingungen seien fair und vernünftig. Das Ende der Enron-Geschichte ist damit allerdings noch lange nicht geschrieben.
Innerhalb kürzester Zeit vom siebtgrößten Unternehmen der USA zum Bankrotteur und zu einer wachsenden Belastung für die Regierung von George W. Bush - das ist die Geschichte des Energiehandelsunternehmens Enron. Angestellte und Investoren sind geschockt, der US-Kongress und das Justizministerium haben Untersuchungen eingeleitet. Es wird noch Monate dauern, bis sich die Ermittler durch den Sumpf aus Finanzmanipulationen und fragwürdigem Geschäftsgebaren gekämpft haben.
Schon jetzt aber ist klar, dass der Zusammenbruch von Enron dem Ansehen von Präsident Bush schwer geschadet hat. In einer Umfrage vom Wochenende sagten fast zwei Drittel der Befragten, dass die Regierung ihre wahren Beziehungen zu Enron nach wie vor verberge. Die Hälfte glaubt außerdem, dass Enron Einfluss auf die Energiepolitik der Regierung genommen hat.
Schon jetzt kann man aus dem Debakel sechs wichtige Lehren ziehen, die sich nicht nur Manager in Großkonzernen hinter die Ohren schreiben müssen.
Auch die besten politischen Verbindungen, die man für Geld haben kann, genügen nicht immer, um ein Not leidendes Unternehmen zu retten.
Kein Unternehmen hat George W. Bush auf seinem Weg zur Präsidentschaft mehr unterstützt als Enron. Insgesamt 623 000 Dollar spendeten die Angestellten der Firma für seine Karriere, allen voran Firmenchef Kenneth Lay. Anlässlich der Feier zum Amtsantritt ließen Enron und Lay nochmals 200 000 Dollar springen. Aber als die Firma die Regierung Bush um Hilfe bat, was tat sie? Offenbar nichts - trotz Lays Anrufen bei Wirtschaftsminister Donald Evans und bei Finanzminister Paul O'Neill. Und obwohl Enron-Präsident Lawrence Whalley dem Finanz-Staatssekretär Peter Fisher telefonisch die Tür einrannte. Donald Evans sagte, es sei ein "ungeheuerlicher Missbrauch" seines Amtes, wenn er Lay helfen würde. Warum, das führte er nicht aus - wahrscheinlich fürchtet er als ehemaliger Ober-Spendensammler der Republikaner, dies könnte als Gefälligkeit für die Enron-Gelder verstanden werden.
Die Wirtschaftsprüfungs-Branche muss dringend reformiert werden.
Enron ist kein Einzelfall: Schon in der Vergangenheit attestierten die fünf größten Wirtschaftsprüfungsfirmen der Welt ihren Klienten Unbedenklichkeit, obwohl sie offensichtlich zumindest fragwürdige Finanzmanöver in den Bilanzen entdeckten - bis zum Zusammenbruch dieser Firmen. Im Fall von Enron wird man Arthur Andersen fragen müssen, wie das Unternehmen seine Profite schön rechnen und Hunderte Millionen Dollar Schulden in Personengesellschaften verstecken konnte. Außerdem wird man fragen dürfen, warum Andersen auch Aufgaben übernahm, die normalerweise die Buchhalter des Unternehmens erledigen - was zu einem schweren Interessenskonflikt führte. Als Enron auf den Bankrott zusteuerte, vernichteten Mitarbeiter der Prüfungsgesellschaft Unterlagen über ihre Arbeit. Das sagt das Unternehmen, das sich inzwischen im Streit von Andersen getrennt hat.
Für Douglas R. Carmichael, Professor für Buchführung am Baruch College in New York, ist es ein Fehler im System, warum die Kontrolle versagt, die die Prüfgesellschaften ausüben sollen: "Auf den Führungskräften lastet ein viel zu großer Druck, einen Kunden wie Enron bei Laune zu halten." Zudem seien die Regeln der Buchführung so weit auslegbar, dass man Gewinne und Umsätze manipulieren kann - ein Umstand, den die Prüfer selbst bemängeln. Ein grundsätzliches Problem liegt darin, dass sie ihre Kunden nicht nur prüfen, sondern auch beraten. Damit wird ein Anreiz geschaffen, hier und da beim eigentlichen Job ein Auge zuzudrücken, um nicht das lukrative Zweitgeschäft zu verlieren.
Arbeitgeber gefährden ihre Mitarbeiter, indem sie ihnen zur betrieblichen Altersvorsorge Aktien des eigenen Unternehmens aufzwingen.
Aktien können auch fallen - und daher dürfen Belegschaftsaktien in den Rentenplänen von Unternehmen nicht zu stark gewichtet werden. Diese Erfahrung machen jetzt die Mitarbeiter von Enron. Nicht, dass das eine neue Erkenntnis wäre. Im vergangenen Jahr erwischte es beispielsweise die Mitarbeiter von IT-Unternehmen wie Lucent, Dell und vielen anderen, deren Hoffnungen auf einen sorgenfreien Ruhestand dahinschwanden. Dank der eifrigen Lobby-Arbeit der Arbeitgeber sind Aktien als Bestandteil der Altersversorgung - verbunden mit einem langfristigen Verbot, die Papiere zu verkaufen - jedoch noch immer erlaubt.
Das New Economy-Modell vom Erfolgs-Unternehmen ohne Sachvermögen ist immer noch Zukunftsmusik.
Wie viele seiner Dotcom-Kollegen war der frühere Enron-Chef Jeffrey Skilling der Ansicht, dass zu viel Sachvermögen ein Unternehmen behindert. Information sei der Schlüssel zur Herrschaft im Energiemarkt, nicht Kraftwerke oder Pipelines. Letztere würden nur Geld binden, das man profitabler für den Handel einsetzen kann - zum Beispiel mit Elektrizität oder Internet-Bandbreite. Also stießen die Manager alle Anlagen ab und schufen ein immer unübersichtlicheres System von Finanzverflechtungen, um Geld für die neuen Geschäfte aufzutreiben. Durch Transaktionen mit Personengesellschaften, die mit Enron in Verbindung standen, hielten sie Hunderte Millionen Dollar Schulden aus der Bilanz fern. Als diese Praxis aufflog, begann die Krise.
Wer vom Handel lebt, lebt vom Vertrauen seiner Geschäftspartner. Und das kann in Nullkommanichts verschwunden sein.
Enron verdankte seine Gewinne vor allem dem Handel. Kredit bekam das Unternehmen, weil Gläubiger wie Handelspartner auf die Solidität der Firma vertrauten. Daher wies Enron immer wieder darauf hin, wie gut das Handels-Geschäft lief - auch noch, als die Presse längst Gegenteiliges behauptete. Ende Oktober ließ Enron sogar selbst seinen Kreditrahmen bei den Banken um 3 Milliarden Dollar senken - ein letzter vergeblicher Versuch, das Vertrauen des Marktes wiederzugewinnen. Denn zu dem Zeitpunkt war die Phase längst passé, dass das Unternehmen wegen seiner Marktmacht bei Energie-Geschäften Sonderbedingungen erhielt und weniger Sicherheiten stellen musste. In dem Maße, wie die Bonität von Enron schwand, reduzierten Partner ihre Geschäfte und machten bei den Verträgen strengere Auflagen.
Es gab gute Gründe, Geschäfts- und Investment-Banken zu trennen. Diese Teilung aufzugeben, ist riskant.
1999 hob der Kongress den Glass-Steagall-Act auf. Nach diesem Gesetz durften Banken nie gleichzeitig im Kreditgeschäft und im Investment-Banking tätig sein. So sollte verhindert werden, dass sich die Institute - gedeckt durch die Einlagen von Kleinsparern - mit leichtfertig vergebenen Krediten lukrative Investment-Aufträge erkaufen. J.P. Morgan und Citigroup, zwei der größten Enron-Kreditgeber, verdienten bei ihrem Schuldner mit solchen Dienstleistungen zig Millionen Dollar. Die Banken bestreiten entschieden, dass sie ihre Kredit-Standards gesenkt hätten, um diese Aufträge zu bekommen. Zum Glück müssen die beiden Banken mit Enron nur einen kleinen Teil ihres Portfolios abschreiben. Vielleicht wird man sich aber trotzdem überlegen, ob Spareinlagen nicht wieder besser vor der Wall Street geschützt werden müssen.
Am Wochenende entschied ein Konkursrichter, dass die Schweizer Investmentbank UBS Warburg das Handelsgeschäft von Enron übernehmen darf. UBS Warburg muss dafür nichts bezahlen und übernimmt auch keine Schulden, die Gläubiger erhalten dafür ein Drittel der künftigen Gewinne vor Steuern. Richter Arthur Gonzalez sagte, der Verkauf sei im besten Interesse des Unternehmens. Die Bedingungen seien fair und vernünftig. Das Ende der Enron-Geschichte ist damit allerdings noch lange nicht geschrieben.