
Schwellenländerfonds sind die großen Gewinner
Selten war es so einfach, Geld zu verdienen: Das Jahr 2005 hat unter den Fondsanlegern fast nur Gewinner gekannt. Nur wenige der im deutschsprachigen Raum zum Vertrieb zugelassenen Fonds haben im vergangenen Jahr ihren Anlegern Verluste beschert. "Es war 2005 recht einfach, mit Fonds Geld zu verdienen", sagt Christian Schreckeis, Fondsanalyst bei E-Fundresearch.com.
Die Spitzenreiter unter den Fonds des Jahrgangs 2005 waren Produkte, die auf Aktien aus Schwellen- und Entwicklungsländer gesetzt haben: Wer auf koreanische, russische oder lateinamerikanische Aktien gesetzt hat, hatte gute Chancen, zu den Top-Gewinnern des Fondsjahres 2005 zu gehören. Allen voran waren koreanische Aktienfonds erfolgreich: Der Dit-Korea-Aktienfonds mit einem Plus von 111 Prozent wurde der beste Fonds des vergangenen Jahres; drei weitere Korea-Fonds kamen unter die besten 30 Fonds des Jahres.
Korea-Fonds schnitten im vergangenen Jahr gut ab
Ein Teil der guten Entwicklung des koreanischen Aktienmarktes ist Experten zufolge auch koreanischen Investoren geschuldet, die im vergangenen Jahr verstärkt in Aktien des eigenen Landes investiert hatten. Ebenfalls stark unter den besten 30 Fonds des vergangenen Jahres vertreten sind Fonds, die in russische Aktien investiert haben - hier war es vor allem der hohe Ölpreis, von dem der russische Aktienmarkt profitierte. Überraschungssieger waren auch Fonds, die auf japanische Nebenwerte gesetzt haben, meint Detlef Glow vom Fondsdienstleister Lipper: "Wenn der Konsum der Japaner weiter steigt, ist diese Anlagekategorie sicherlich eine erfolgversprechende Beimischung für das Portfolio."
Der Rohstoffboom hat seine Spuren denn auch in den Portfolios der Fondsanleger hinterlassen: Mit einem Plus von 52 Prozent waren Fonds, die in Grundstoffe investierten, in ihrer Gesamtheit die größten Gewinner des vergangenen Fondsjahres. An zweiter Stelle folgten Fonds, die in Gold und Edelmetalle investieren (43 Prozent), gefolgt von Auslandsimmobilienfonds (40 Prozent).
Unter den größten Verlierern des Jahres finden sich auffällig viele Hedge-Fonds-Produkte, vor allem sogenannte Managed-Futures-Fonds. Allerdings sollte das nicht zu dem Schluß verleiten, daß diese Produkte im vergangenen Jahr generell sehr schlecht abgeschnitten haben: "Die Spannweite der Ergebnisse dieser Fonds ist recht weit, im Durchschnitt haben Managed-Futures-Fonds gar nicht so schlecht abgeschnitten", sagt Schreckeis.
Gewinnerfonds des vergangenen Jahres allesamt riskante Produkte
Allerdings sollte die Liste der besten Fonds die Anleger nicht dazu verleiten, ohne kritischen Blick in die Gewinner des vergangenen Jahres zu investieren. Zum einen muß man die Wertentwicklung immer ins Verhältnis zu dem dabei eingegangenen Risiko setzen: "Die Gewinnerfonds des vergangenen Jahres sind allesamt recht riskante Produkte, die hohen Kursschwankungen unterliegen und sich lediglich zur Beimischung in ein Portfolio eignen", sagt Schreckeis.
Manche Fondsexperten gehen sogar so weit, daß sie die Gewinner des Jahres unter den größten Verlierern des Folgejahres sehen. Viele Studien, die sich mit Ranglistenplätzen von Fonds und deren Wertentwicklung beschäftigen, tendieren dazu, eine eher verhaltene Antwort zu geben: Wenn, dann sind es nur die allerbesten und die allerschlechtesten Fonds, die ihren Listenplatz im zweiten Jahr behalten. Insofern sollte eine Ranglistenplazierung eines Fonds allenfalls als ein Hinweis auf die bisherige Güte des Produktes gewertet, aber nie als alleiniges Entscheidungskriterium herangezogen werden. Man sollte, wenn überhaupt, nur auf jene Fonds achten, die über einen möglichst langen Zeitraum vorne liegen: "Es ist nicht wichtig, daß ein Fonds auf dem ersten Platz landet, sondern daß er konstant unter den besten 20 Prozent seiner Vergleichgruppe liegt", meint Glow.
Quelle: faznet.de