Flächendeckendes Internet aus der Steckdose -
Fiktion oder bald schon Realität ?
Mittwoch, den 21.03.01 09:09
Seit Jahren wird über Internet aus der Steckdose diskutiert. Zuerst war es
nur Insidern ein Begriff, dann gingen die Stromkonzerne in die Offensive und verkündeten vollmundig dass es "bald" soweit sei. Doch "bald" ist relativ, denn seit Jahren stehen diese Ankündigungen nun im Raum. Pünktlich zur CeBit ist es nun wieder einmal soweit, die RWE hat bekanntgegeben, dass
die neue Übertragungstechnik schon nach der CeBIT den Verbrauchern zur
Verfügung stehen werde.
Doch wie immer sind diese Aussagen mit Vorsicht zu geniessen, denn
bisher ist die Technik nicht über grössere Feldversuche hinausgekommen.
Natürlich wäre Powerline für Verbraucher und Anbieter eine feine Sache, ist
er doch komplett unabhängig vom Telefonnetz der Deutschen Telekom und
kann somit die sogenannte "letzte Meile" zum Kunden umgehen.
Stromleitungen liegen schliesslich in jedem Haushalt.
Allerdings zeichnet sich bisher auch kein einheitlicher Standard bei dem
Zugang ab, so kochen RWE, E.ON und EnBW jeweils ihr eigenes
Süppchen und wollen bei der Realisierung der Zugänge eigene Wege gehen.
Misstrauisch wird dabei die Arbeit des jeweiligen "Konkurrenten" beobachtet
und man spart auch nicht mit Seitenhieben gegeneinander. Aber Klappern
gehört schliesslich zum Handwerk, was zählt ist nur die schnelle
Verfügbarkeit der Technik selbst. Trotzdem ist es schade, dass die
einzelnen Firmen nicht enger zusammenarbeiten, um auftretende Probleme
gemeinsam in den Griff zu bekommen.
Einen Rückschlag erhielt das Projekt Powerline in Baden-Württemberg zu
Beginn dieser Woche durch die Firma Siemens. Völlig überraschend zog
man sich dort aus dem gemeinsamen Projekt mit EnBW zurück. Über den
Hintergrund kann nur spekuliert werden. Während Siemens angab "Die
Rahmenbedingungen für die neue Technologie seien zu ungewiss", munkeln
Insider, Siemens habe sich aus taktischen Überlegungen und auf Drängen
der Deutschen Telekom von dem gemeinsamen Projekt zurückgezogen.
Siemens ist bekanntlich in vielen Bereichen ein Partner der Telekom und
von Telekom-Seite wurde wohl ein massiver Verlust von Marktanteilen
befürchtet, wenn die Powerline-Technologie schon dieses Jahr
flächendeckend starten würde. Immerhin ist der rosa Riese gerade dabei,
sein noch immer bestehendes Monopol im Ortsnetz dazu zu missbrauchen,
Deutschland fast flächendeckend mit DSL-Anschlüssen zu versorgen und
sich somit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu sichern. Vor
diesem Hintergrund steht die Entscheidung von Siemens plötzlich in einem
ganz anderen Licht da.
Die RWE scheint die Nase vorn zu haben beim Internet aus der Steckdose.
RWE-Vorstandschef Dietmar Kuhnt gab vor wenigen Wochen auf der
Hauptversammlung bekannt, "Der volle Markteintritt solle ab Juli diesen
Jahres erfolgen ". Das sind grosse Worte vom RWE-Chef, ob ihnen Taten
folgen werden ist allerdings vorerst noch ungewiss. Immerhin hat die neue
Technik den entscheidenen Vorteil, dass man komplett unabhängig vom
Telefonnetz arbeiten kann. Erforderlich sind, laut RWE, lediglich einige
"zusätzliche Installationen" im Keller und ein Modem in der Wohnung, das
den Computer mit der Steckdose verbindet.
Mit bis zu zwei Megabit pro Sekunde kann der Kunde dann durchs Internet
surfen, was einer 35-fachen ISDN-Geschwindigkeit entspricht. Allerdings
teilt der jeweilige Nutzer sich diese Geschwindigkeit mit allen anderen
Anschlüssen an seiner Verteilung, so dass die zweit Megabit eher ein
theoretischer als ein tatsächlicher Wert sind. Einige Nachteile, welche laut
RWE-Angaben, die Markteinführung bisher verzögerten sind rein technischer
Natur. So können bei Powerline durch Abstrahlungen vor allem Funkdienste
massiv gestört werden.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat hierzu Grenzwerte festgelegt, die
Ende März im Bundesrat verabschiedet werden sollen. Powerline soll nach
dem Willen der RWE nicht allein auf den Zugang zum Internet beschränkt
bleiben, bereits 2002 soll Sprachtelefonie das Angebot ergänzen. Dabei soll
die sogenannte Voice over IP-Technik eingesetzt werden. Aber auch andere
energienahe Dienstleistungen sollen angeboten werden. Die RWE versteht
darunter den Bereich der Steuerung von Elektro- und Heizgeräten sowie
Sicherheitssystemen über Handy oder Internet von jedem Ort aus.
Als Fazit bleibt nur zu bemerken, dass Powerline bisher einen "netten"
Versuch der Stromkonzerne darstellt, alternative Zugangsmöglichkeiten zum
Internet zu schaffen. Inwieweit hier jedoch wirklich eine Absicht zur
bundesweiten, flächendeckenden Versorgung besteht, ist mehr als nur
ungewiss. Powerline ist bisher nichts anderes als ein grosses, teures
Spielzeug der Stromversorger. Es bleibt zu hoffen, dass dem nicht so bleibt
und die Markteinführung nach Ende der werbewirksamen Auftritte auf der
CeBIT nicht doch für immer ad acta gelegt wird. Dem Internet-Standort
Deutschland würde ein Internet-Zugang zum Pauschaltarif mit Powerline mit
Sicherheit neue Impulse geben.
Fiktion oder bald schon Realität ?
Mittwoch, den 21.03.01 09:09
Seit Jahren wird über Internet aus der Steckdose diskutiert. Zuerst war es
nur Insidern ein Begriff, dann gingen die Stromkonzerne in die Offensive und verkündeten vollmundig dass es "bald" soweit sei. Doch "bald" ist relativ, denn seit Jahren stehen diese Ankündigungen nun im Raum. Pünktlich zur CeBit ist es nun wieder einmal soweit, die RWE hat bekanntgegeben, dass
die neue Übertragungstechnik schon nach der CeBIT den Verbrauchern zur
Verfügung stehen werde.
Doch wie immer sind diese Aussagen mit Vorsicht zu geniessen, denn
bisher ist die Technik nicht über grössere Feldversuche hinausgekommen.
Natürlich wäre Powerline für Verbraucher und Anbieter eine feine Sache, ist
er doch komplett unabhängig vom Telefonnetz der Deutschen Telekom und
kann somit die sogenannte "letzte Meile" zum Kunden umgehen.
Stromleitungen liegen schliesslich in jedem Haushalt.
Allerdings zeichnet sich bisher auch kein einheitlicher Standard bei dem
Zugang ab, so kochen RWE, E.ON und EnBW jeweils ihr eigenes
Süppchen und wollen bei der Realisierung der Zugänge eigene Wege gehen.
Misstrauisch wird dabei die Arbeit des jeweiligen "Konkurrenten" beobachtet
und man spart auch nicht mit Seitenhieben gegeneinander. Aber Klappern
gehört schliesslich zum Handwerk, was zählt ist nur die schnelle
Verfügbarkeit der Technik selbst. Trotzdem ist es schade, dass die
einzelnen Firmen nicht enger zusammenarbeiten, um auftretende Probleme
gemeinsam in den Griff zu bekommen.
Einen Rückschlag erhielt das Projekt Powerline in Baden-Württemberg zu
Beginn dieser Woche durch die Firma Siemens. Völlig überraschend zog
man sich dort aus dem gemeinsamen Projekt mit EnBW zurück. Über den
Hintergrund kann nur spekuliert werden. Während Siemens angab "Die
Rahmenbedingungen für die neue Technologie seien zu ungewiss", munkeln
Insider, Siemens habe sich aus taktischen Überlegungen und auf Drängen
der Deutschen Telekom von dem gemeinsamen Projekt zurückgezogen.
Siemens ist bekanntlich in vielen Bereichen ein Partner der Telekom und
von Telekom-Seite wurde wohl ein massiver Verlust von Marktanteilen
befürchtet, wenn die Powerline-Technologie schon dieses Jahr
flächendeckend starten würde. Immerhin ist der rosa Riese gerade dabei,
sein noch immer bestehendes Monopol im Ortsnetz dazu zu missbrauchen,
Deutschland fast flächendeckend mit DSL-Anschlüssen zu versorgen und
sich somit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu sichern. Vor
diesem Hintergrund steht die Entscheidung von Siemens plötzlich in einem
ganz anderen Licht da.
Die RWE scheint die Nase vorn zu haben beim Internet aus der Steckdose.
RWE-Vorstandschef Dietmar Kuhnt gab vor wenigen Wochen auf der
Hauptversammlung bekannt, "Der volle Markteintritt solle ab Juli diesen
Jahres erfolgen ". Das sind grosse Worte vom RWE-Chef, ob ihnen Taten
folgen werden ist allerdings vorerst noch ungewiss. Immerhin hat die neue
Technik den entscheidenen Vorteil, dass man komplett unabhängig vom
Telefonnetz arbeiten kann. Erforderlich sind, laut RWE, lediglich einige
"zusätzliche Installationen" im Keller und ein Modem in der Wohnung, das
den Computer mit der Steckdose verbindet.
Mit bis zu zwei Megabit pro Sekunde kann der Kunde dann durchs Internet
surfen, was einer 35-fachen ISDN-Geschwindigkeit entspricht. Allerdings
teilt der jeweilige Nutzer sich diese Geschwindigkeit mit allen anderen
Anschlüssen an seiner Verteilung, so dass die zweit Megabit eher ein
theoretischer als ein tatsächlicher Wert sind. Einige Nachteile, welche laut
RWE-Angaben, die Markteinführung bisher verzögerten sind rein technischer
Natur. So können bei Powerline durch Abstrahlungen vor allem Funkdienste
massiv gestört werden.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat hierzu Grenzwerte festgelegt, die
Ende März im Bundesrat verabschiedet werden sollen. Powerline soll nach
dem Willen der RWE nicht allein auf den Zugang zum Internet beschränkt
bleiben, bereits 2002 soll Sprachtelefonie das Angebot ergänzen. Dabei soll
die sogenannte Voice over IP-Technik eingesetzt werden. Aber auch andere
energienahe Dienstleistungen sollen angeboten werden. Die RWE versteht
darunter den Bereich der Steuerung von Elektro- und Heizgeräten sowie
Sicherheitssystemen über Handy oder Internet von jedem Ort aus.
Als Fazit bleibt nur zu bemerken, dass Powerline bisher einen "netten"
Versuch der Stromkonzerne darstellt, alternative Zugangsmöglichkeiten zum
Internet zu schaffen. Inwieweit hier jedoch wirklich eine Absicht zur
bundesweiten, flächendeckenden Versorgung besteht, ist mehr als nur
ungewiss. Powerline ist bisher nichts anderes als ein grosses, teures
Spielzeug der Stromversorger. Es bleibt zu hoffen, dass dem nicht so bleibt
und die Markteinführung nach Ende der werbewirksamen Auftritte auf der
CeBIT nicht doch für immer ad acta gelegt wird. Dem Internet-Standort
Deutschland würde ein Internet-Zugang zum Pauschaltarif mit Powerline mit
Sicherheit neue Impulse geben.