SchmidtBank schwebt in höchster Gefahr


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SchmidtBank schwebt in höchster Gefahr

 
16.11.01 14:08
Die finanziell angeschlagene SchmidtBank befindet sich offenbar in noch höherer Gefahr als bislang bekannt. Das Bundesaufsichtsamt (BAKred) fordert sehr rasch eine Auffanglösung für das Institut.

Möglichst noch am Freitag müsse eine Entscheidung getroffen werden, ist aus Finanzkreisen zu hören. Das BAKred wollte zu den Spekulationen keine Stellungnahme abgeben. Grund für das Ultimatum der Bankenaufsicht ist dem Vernehmen nach die weit überhöhte Bewertung der Tochtergesellschaft Consors in den Büchern der Schmidt Bank. Das Institut hält derzeit 64,5 Prozent der Anteile an dem Online-Broker.

"Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen," sagte eine Sprecherin der SchmidtBank auf Anfrage. Aus Kreisen des Instituts ist jedoch zu hören, dass bis zum Wochenende eine Entscheidung über die Zukunft der SchmidtBank erwartet wird.

Das Interesse der privaten Großbanken, sich in irgendeiner Form an der Rettung der SchmidtBank zu beteiligen, geht gegen Null. Beinahe alle, ob Commerzbank, Deutsche Bank oder HypoVereinsbank, haben sehr schlechte Erfahrungen mit ihren Onlinetöchtern und Internetaktivitäten gemacht. Die Engagements haben die Erwartungen so gut wie nie erfüllt, sondern erwiesen sich im Gegenteil meist als äußerst verlustreich.

Marktnahe Werte in der Bilanz

Doch nie zuvor hat ein Online-Broker seine Muttergesellschaft an den Rand des Untergangs gebracht. Der Grund ist, dass die SchmidtBank ihre Mehrheitsbeteiligung in der Vergangenheit offensichtlich mit allzu marktnahen Werten in die Bilanz einstellte. Im Oktober 1999, auf dem Höhepunkt der New-Economy-Euphorie, notierte die Consors-Aktie mit mehr als 160 Euro. Das entsprach einer Marktkapitalisierung von rund 7,5 Mrd. Euro. Derzeit liegt der Kurs bei 13 Euro. Der Börsenwert liegt unter 640 Mio. Euro. Derzeit liegt der Marktwert um einen dreistelligen Millionenbetrag unter dem Buchwert, ein Umstand, den programmgemäß die Bankenaufsicht auf den Plan ruft. Ein zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf von rund 400 Mio. Euro sei bei der SchmidtBank entstanden, hatten bereits am am Wochenende verschiedene Medien gemeldet. Das Institut hat die Berichte nie ausdrücklich dementiert, auch wenn es lautstark beteuerte, es gebe keine Existenzbedrohung.

Um das klaffende Bilanzloch zu schließen, versucht Mitinhaber Karl Gerhard Schmidt seit geraumer Zeit, Consors meistbietend zu verkaufen. Verhandlungen mit der Commerzbank, der Deutschen Bank, der HypoVereinsbank (HVB) und anderen Instituten scheiterten jedoch. Der Grund war schlicht, dass die Schmidt-Familie als Kaufpreis den weit überhöhen Buchwert ihrer Beteiligung forderte.

Erhoffte Hilfe aus München

Jetzt muss die ganze SchmidtBank zum Verkauf gestellt werden. Die Münchener HVB sieht sich zwar durchaus in der Lage, die Bank erfolgreich zu integrieren. Andererseits aber müsste die HVB Kapital und Managementkapazitäten bereitstellen, die in dem weitverzeigten Bankkonzern auch anderswo dringend benötigt werden - etwa bei der unlängst übernommenen Bank Austria. Vor allem aber müssten die 125 Filialen der SchmidtBank größtenteils schließen. Das Institut ist vor allem im Nordosten Bayerns tätig, wo die HVB bereits über genügend eigene Filialen verfügt. Massenentlassungen könnte Bayerns Regierung kaum hinnehmen: Das Stammgebiet der SchmidtBank gehört zu den strukturschwächsten Regionen Deutschlands. Die Schmidts hoffen daher auf Hilfe aus München. Die Bankiers erwarten augenscheinlich ein wenig Dankbarkeit für ihr Engagement im Armenhaus Bayerns. Dort gibt es jede Menge mittelständischer Betriebe, die unter Billigkonkurrenz aus dem Ausland zu leiden haben, und die die SchmidtBank mit Krediten versorgte, als die Geschäftsbanken sich hier längst zurückgezogen hatten.

Aus Kreisen des bayerischen Finanzministeriums ist jedoch zu hören, dass eine Landesbürgschaft nicht in Frage kommt. Am aussichtsreichsten erscheint derzeit eine Auffanglösung unter Beteiligung der Bayerischen Landesbank und der Landesförderanstalt. Letztere hatte sich bereits vor mehreren Jahren an der SchmidtBank beteiligt, als das Institut ebenfalls in Schwierigkeiten steckte. Die BayernLB gehört zwar zur Hälfte dem bayerischen Staat. Die übrigen 50 Prozent liegen allerdings bei den Sparkassen. Und die sträuben sich dagegen, einen unmittelbaren Konkurrenten zu fördern.

Gruß
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ftd.de
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