Sonntag, 18. August 2002
Trauriger Rekord
Telekom im Minus
Die Deutsche Telekom hat Presseberichten zufolge im ersten Halbjahr ein Minus von drei Milliarden Euro eingefahren. Ein Telekom-Sprecher bestätigte auf n-tv-Anfrage zwar den Verlust, machte zur genauen Höhe aber keine Angaben. Unterdessen wurde das Management angezeigt. Grund: ein möglicherweise überhöhter Kaufpreis für Voicestream.
Telekom-Sprecher Ulrich Lissek sagte gegenüber n-tv.de, dass das Unternehmen für das erste Halbjahr 2002 einen Verlust ausweisen werde. Weiter bestätigte Lissek frühere Aussagen von Telekom-Interimschef Sihler, der bereits zu einem früheren Zeitpunkt für das Gesamtjahr 2002 ein negatives Ergebnis in Aussicht gestellt hatte. Zur Höhe des Verlustes wollte er jedoch keine Stellung nehmen.
Das Nachrichtenmagazin "Focus" hatte berichtet, dass die Deutsche Telekom neben den drei Milliarden Euro weitere 600 Mio. Euro Verlust aus dem Engagement des Unternehmens bei der France Télécom verkraften müsse. Sollten sich diese Zahlen bestätigen, dann wäre der Verlust für das erste Halbjahr 2002 bereits höher als der Fehlbetrag aus dem Gesamtjahr 2001 in Höhe von 3,5 Mrd. Euro. Nach Angaben von Lissek rührt der Verlust bei France Télécom, an der die Deutsche Telekom mittlerweile keine Anteile mehr hält, aus dem Verlust zwischen Kauf- und Verkaufpreis für diese Beteiligung.
Lissek nannte als weitere Ursachen für den Fehlbetrag im ersten Halbjahr die Konsolidierung der amerikanischen Mobilfunktochter Voicestream und Abschreibungen auf UMTS-Lizenzen. Dennoch sieht der Telekom-Sprecher sein Unternehmen auf einem guten Weg. Das operative Geschäft verlaufe "sehr positiv". Insbesondere Voicestream habe sich besser entwickelt als erwartet. In den amerikanischen Bundesstaaten Kalifornien und Nevada beispielsweise habe die Mobilfunktochter 100.000 neue Kunden hinzugewinnen können - erwartet worden waren laut Lissek lediglich 40.000.
Zu welchem "Preis" diese Neukunden gewonnen werden konnten, sprich: ob ihnen ertragsschmälernde Vergünstigungen oder Rabatte eingeräumt wurden, sagte Lissek allerdings nicht. Am kommenden Mittwoch wird die Deutsche Telekom ihre Geschäftszahlen zum 1. Halbjahr 2002 präsentieren.
Unterdessen erhebt der Mannheimer Wirtschaftsanwalt Wolfgang Philipp nach einem Bericht des "Spiegel " Strafanzeige gegen die Deutsche Telekom. Grund: das Unternehmen habe für Voicestream einen drastisch überhöhten Preis gezahlt. "Spiegel"-Angaben zufolge stütze Philipp seine Vorwürfe auf ein Gutachten, das eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für das Amtsgericht in Bonn erstellt hat.