Karstadt-Insolvenzverwalter: „Ich glaube an die Zukunft des Warenhauses“
Klaus Hubert Görg, Insolvenzverwalter von Karstadt, hat zwar einen potenziellen Käufer an der Angel. Doch die Verhandlungen dauern. Sollten sie Scheitern, droht Karstadt die Zerschlagung. Im Handelsblatt-Interview spricht Klaus Hubert Görg über die Chancen für das Unternehmen.
von Dieter Fockenbrock und Susanne Metzger
Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg spricht im Handelsblatt-Interview über die Überlebenschancen für das Unternehmen. Quelle: ReutersLupe
Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg spricht im Handelsblatt-Interview über die Überlebenschancen für das Unternehmen. Quelle: Reuters
Triton will die Warenhauskette Karstadt kaufen, doch in der vergangenen Woche schlug der deutsch-schwedische Finanzinvestor eine Fristverlängerung für die Kaufverhandlungen bis zum 28. Mai heraus. Beobachter werten dies als Rückschlag, denn Triton verlangt für die Übernahme der ehemaligen Arcandor-Tochter weit über den Insolvenzplan hinausgehende Zugeständnisse. Erhebliche Nachbesserungen fordet Triton sowohl von den Mitarbeitern als auch von den Vermietern.
Bei einem Verkauf könnte das Insolvenzverfahren zum 30. Juni aufgehoben werden. Sollte sich im Falle eines Scheiterns kein anderer Investor finden, droht Karstadt die Zerschlagung. Am Rande der Handelsblatt-Jahrestagung "Restrukturierung 2010" sprachen Dieter Fockenbrock und Susanne Metzger mit Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg über seine Einschätzung.
Handelsblatt: Herr Görg, der bevorzugte Investor für Karstadt braucht vier Wochen mehr Zeit für Verhandlungen. Ein schlechtes Zeichen?
Klaus Hubert Görg: Das würde ich anders sehen. Der 30. April als Stichtag für eine Entscheidung ist überholt. Das Verfahren ist komplexer als von Vielen erwartet.
HB: Triton will aber nachverhandeln. Muss man befürchten, dass aus dem Geschäft nichts wird?
Görg: Warum? Es kam doch nicht überraschend, dass ein Investor kommt, der nachverhandeln will. Wenn ein Unternehmen so weitergeführt werden könnte wie vor dem Insolvenzantrag, dann müssten wir erst gar nicht zum Insolvenzrichter.
HB: Wie geht es Karstadt aktuell?
Görg: Cash und operatives Ergebnis liegen über Plan. Der Umsatz liegt wegen Sortimentsbereinigungen etwas darunter. Unter dem Strich haben wir in den letzten sechs Monaten kein Geld verloren.
HB: Karstadt, heißt das, ist vom Tropf? Aber ist Karstadt auch langfristig überlebensfähig?
Görg: Eindeutig. Ich glaube an die Zukunft des Warenhauses in der Innenstadt. Denn wo können Sie ansonsten noch Haushaltswaren, Knöpfe, Geschirr, Besteck, Stoffe oder Strickwaren kaufen? Wenn man das ordentlich macht, kann man mit einem Kaufhaus im klassischen Stil Geld verdienen.
HB: Triton macht das ordentlich?
Görg: Ich sehe das ernsthafte Bemühen und den Willen, sich mit dem Kaufhaus zu beschäftigen.
HB: Bemühen ist das Eine. Reicht auch das Know-how, um einen so großen Konzern zu führen?
Görg: Derzeit sehe ich keinen anderen Interessenten, der mehr Expertise mitbringt.
HB: Gibt es noch weitere ernsthafte Investoren?
Görg: Der Datenraum für Interessenten ist nach wie vor geöffnet. Als Insolvenzverwalter sehe ich mich auch dazu verpflichtet, die Tür für jeden ernsthaften Investoren so lange es geht offen zu halten.
HB: Wie viele Interessenten sind es denn?
Görg: Zweieinhalb.
HB: Ein halber Interessent ist also kein ernsthafter?
Görg: Es gibt Seh-Leute in solchen Verfahren. Aber man kann nie ausschließen, dass daraus ernstzunehmende Investoren werden.
HB: Wer sind die anderen Interessenten?
Görg: Namen werden sie von mir nicht hören. Aber wenn ein Scheich kommt, lern ich auch arabisch.
HB: Hat denn einer angefragt?
Görg: Bis jetzt habe ich mir kein arabisches Wörterbuch gekauft.
HB: Was könnte Investoren denn an Karstadt interessieren?
Görg: Ein schnelles Rein und Raus wird es nicht geben. Das verhindern wir durch die Vertragsbedingungen. Karstadt verfügt über eine erstaunlich stabile Marke und ist ein Netzwerk aus funktionsfähigen Vertragsverhältnissen, der Jurist spricht von einem eingerichteten Geschäftsbetrieb. Das kann man jemandem übergeben und sagen: Mach mal was daraus!
HB: Und wie wahrscheinlich ist es, dass Triton etwas daraus macht?
Görg: Lassen Sie es mich einmal so sagen: Vor einigen Monaten hätten noch viele Leute dagegen gewettet, dass wir überhaupt so weit kommen.
VITA Klaus Hubert Görg
1940 wird Klaus Hubert Görg in Düsseldorf geboren.
1969 promoviert er nach Studium in Marburg, München und Köln zum Doktor der Rechtswissenschaften.
1972 erhält er die Zulassung als Rechtsanwalt in Köln im Gebiet Konkurs- und Vergleichsrecht.
1999 wird er mit der Reform des Insolvenzrechts Wegbereiter der Eigenverwaltung und setzt diese bei zahlreichen Unternehmen wie Philipp Holzmann und der Kirch-Gruppe ein.
2009 wird er zum Insolvenzverwalter für die Insolvenzverfahren von Arcandor, Karstadt, Quelle und weiteren Konzerngesellschaften bestellt. Seither sucht er einen Käufer.
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