DJ UPDATE: Karstadt-Insolvenzverwalter ist einen Schritt weiter
(NEU: verdi, Stadt Köln, Berggruen)
Von Kirsten Bienk und William Launder
DOW JONES NEWSWIRES
ESSEN (Dow Jones)--Der Insolvenzverwalter des Warenhauskonzerns Karstadt ist einen großen Schritt vorangekommen. Der Großteil der Gemeinden, in denen sich die Einzelhandelsniederlassungen befinden, verzichtet auf die Gewerbesteuer und entlastet das Unternehmen von seinen Verpflichtungen. Damit kann der Insolvenzverwalter eine Voraussetzung für den vom Gericht noch zu billigenden Insolvenzplan erfüllen.
Die andere Bedingung, ein unterschriebener Kaufvertrag, ist indes noch nicht erfüllt. Ein paar Tage Zeit bleiben noch. Das Amtsgericht Essen will erst am Montag über den Insolvenzplan entscheiden. Zuvor muss noch der Gläubigerausschuss über mögliche alternative Kaufangebote abstimmen.
Die Stadt Köln hatte am Dienstag eigenen Angaben zufolge entschieden, auf die Gewerbesteuer zu verzichten. Sie ist damit wie viele der anderen 93 Gemeinden der Bitte des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg gefolgt und unterstützt seine Sanierungsbemühungen. Nun bedarf es noch eines unterzeichneten Kaufvertrags. Anwärter dafür sind die Investoren Triton und Berggruen Holdings Ltd. Sie haben dem Insolvenzverwalter ihre Gebote bereits unterbreitet, diese aber mit Bedingungen versehen.
Das Vorliegen von zwei Geboten sei "kein Selbstläufer", sagte Thomas Schulz, Sprecher des Karstadt-Insolvenzverwalters. Beide Bieter hätten Gesprächsbedarf mit unterschiedlichen Parteien angemeldet.
Berggruen will in seinen Gesprächen mit dem Vermieterkonsortium Highstreet vor allem eine Reduzierung der Mieten für die Warenhäuser erreichen. Triton fordert indes weitere Zugeständnisse von der Arbeitnehmerseite. Diese hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di aber bereits abgelehnt und darauf verwiesen, dass die Beschäftigten durch den beschlossenen Sanierungstarifvertrag weitreichende Einschränkungen auf sich nehmen.
Für Triton ist dies aber nicht genug. Der Finanzinvestor hatte sich in der abgelaufenen Woche mit dem Gesprächsergebnis sehr unzufrieden gezeigt. Nach Angaben der Gewerkschaft gibt es derzeit keine weiteren Gespräche mit Triton.
Wesentlich besser sehen sich die Arbeitnehmer beim Angebot von Berggruen aufgehoben. Die Gespräche am Wochenende sind nach Angaben einer Sprecherin sehr gut verlaufen, und das Konzept zur Fortführung der Warenhauskette sei "vielversprechend". Die Repräsentanten von Berggruen haben verdi zufolge zum Ausdruck gebracht, dass der Beitrag der Beschäftigten zur Sanierung ausreiche und der Sanierungstarifvertrag akzeptiert werde.
Abgesehen von diesen beiden Bietern gilt das Immobilienkonsortium Highstreet als weiterer Interessent. Ein Angebot gibt es nach Angaben des Insolvenzverwalters aber noch nicht.
Der Privatinvestor Nicolas Berggruen rechnet auch nicht damit, dass Highstreet ein Gebot für Karstadt abgeben wird. "Highstreet ist ein Immobilienbesitzer und kein Einzelhandelsunternehmen", sagte Berggruen am Dienstag Dow Jones Newswires. Das Konsortium sei vielmehr daran interessiert, gute Mieter für seine Immobilien zu bekommen. Nur wenn sich kein guter Mieter finden lasse, habe Highstreet einen Plan B und werde ein Gebot für die Warenhauskette abgeben, prognostizierte Berggruen. Sein eigenes Interesse begründete Berggruen mit der Attraktivität des Warenhausunternehmens. "Karstadt ist ein sehr guter Name", sagte der Investor. Die Häuser würden sich in sehr guten Lagen befinden und die Einnahmen seien gut. Lediglich die Mieten seien zu hoch.
Außerdem fehle dem Unternehmen ein frischer Wind. Für diesen will Berggruen auch sorgen und hat sich als Modepartner für das Unternehmen BCBG Max Azria entschieden. "BCBG kennt den Markt extrem gut und versteht viel von Merchandising", sagte Berggruen. Details zur möglichen Zusammenarbeit wollte Berggruen noch nicht nennen. Es sei aber eine "richtige Partnerschaft", bei der BCBG auch ein bestimmtes Risiko übernehme.
BCBG wurde 1989 vom Designer Max Azria gegründet. Unter der Marke werden weltweit Shops geführt. Die Kleidungspreise liegen unter denen großer Labels. In Deutschland hat BCBG im vergangenen Jahr Läden in Berlin, München und Köln eröffnet.
Webseite: www.karstadt.de
-Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, +49 (0)40 3574 3116,
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May 25, 2010 10:34 ET (14:34 GMT)
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Quelle:Dow Jones 25.05.2010 16:34
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