SARS: Rezessionsgefahr Asien/Welt?


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Twinson_99:

SARS: Rezessionsgefahr Asien/Welt?

 
05.05.03 15:25
SARS: Rezessionsgefahr für Asien und den Rest der Welt?  
 
Die Sorge um die Ausbreitung der Lungenkrankheit Severe Acute Respiratory Syndrom (SARS) beeinträchtigt gegenwärtig v.a. die asiatischen Börsen. Die Frage, inwieweit die SARS-Epidemie zu einer regional begrenzten Wachstumsdelle führt oder sich gar zu einer schweren Wirtschaftskrise verschiedener Volkswirtschaften auswachsen kann oder schon verursacht, ist derzeit nicht zu beantworten. Fest steht jedoch, dass es sich um einen Risikofaktor handelt, der die internationalen Kapitalmärkte überschattet. Die verschiedenen Szenarien vom „Worst Case“ bis zum „Best Case“ sind in der Mai-Ausfertigung des Börsenkompasses (S. 16) unter „SARS: Wachstumsbremse für Asien?“ dargelegt.  
 
 
Welche Auswirkungen eine asien- oder sogar weltweite SARS-Epidemie haben könnte, ist derzeit nicht zu quantifizieren. Dennoch wurden in den stark betroffenen Regionen angesichts der negativen Auswirkungen in den letzten Monaten vorsorglich bereits Revisionen der Wachstumserwartungen vorgenommen. So hat der Premierminister Singapurs die BIP-Wachstumsprognose des Landes für 2003 von ehemals 2% bis 5% auf nunmehr 0,5% bis 2,5% gesenkt und auch die kanadische Notenbank hat die Wachstumsprognose für Kanada, der ausserhalb Asiens am stärksten betroffenen Region, von 4% auf 2,5% reduziert, was etwa zur Hälfte auf die SARS-Beeinträchtigungen im Großraum Toronto zurückzuführen ist.  
 
 

Auf welche Branchen und börsennotierte Unternehmen negative Auswirkungen zukommen, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt ebenfalls schwer zu beurteilen, die anschließende Betrachtung erhebt auch keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit. Augenscheinlich sind jedoch die Transport- und Tourismusbranche unmittelbar überproportional betroffen. Asien als Reiseziel ist derzeit deutlich weniger gefragt und in Deutschland hat die Deutsche Lufthansa z.B. Flüge in die betroffenen Regionen deutlich reduzieren müssen. Auch der Reiseanbieter TUI sowie Karstadt Quelle mit der 50%-Beteiligung am Reiseveranstalter Thomas Cook - die andere Hälfte gehört der Deutschen Lufthansa - könnten negativ tangiert werden sowie die Deutsche Post, deren Logistiktochter in Asien ein starkes Standbein hat und dort auf Expansion setzt.  
 
 
Unternehmen mit einem hohen Asien-Exposure, sei es auf der Absatz- als auch auf der Produktionsseite, könnten ebenso Beeinträchtigungen zu spüren bekommen. Bei den 30 deutschen DAX-Werten wären hiervon insbesondere adidas (Produktionsanteil 53%), Infineon (Umsatzanteil 30%) und MAN (Umsatzanteil 15%) betroffen. Für Siemens ist China bzw. Asien als der wichtigste Wachstumsmarkt zu bezeichnen. Mit Blick auf die deutschen Automobilhersteller ist festzustellen, dass insbesondere VW – China ist der zweitgrößte Absatzmarkt von VW mit eigenen Produktionsstätten vor Ort - betroffen sein könnte.  
 
 
Im europäischen Ausland könnte der in Frankreich beheimatete Luxusgüterproduzent LVMH (Asien-Umsatzanteil rd. 16%, weiterer Umsatz mit v.a. japanischen Touristen kommt hinzu) kursmäßig unter Druck geraten, wenn auch in anderen asiatischen Metropolen Verhältnisse wie in Hongkong und Singapur ausbrächen. Allein ein weiterer Rückgang beim Flugverkehr (Duty Free Shops) und Tourismus würde die Geschäftsentwicklung spürbar beeinträchtigen. Aus unserer Beratungsgattungswelt dürften im Hightech-Sektor insbesondere auch Nokia und Ericsson bei einer Ausdehnung der SARS-Epidemie tangiert werden, da beide Unternehmen jeweils etwa 25% ihrer Produktionsstätten in Asien betreiben. Möglicherweise stockt aber auch in größerem Umfang die Versorgung mit Komponenten in vielen Bereichen der industriellen Fertigung, was den Technologiebereich insgesamt treffen würde. Die erste und sichere Beeinträchtigung ergibt sich im Handelsbereich mit elektronischen Konsumgütern, wobei unklar ist ob diese Nachfrage nur aufgeschoben ist.  
 
 
Aber auch die Grundstoffsparte verliert mit den eingetrübten Wachstumschancen in Asien einiges an Charme. Wenngleich China verglichen mit den USA absolut gesehen zu klein sein dürfte, um eine weltweite Rezession heraufzubeschwören, so zeichnet sich für die Minen- und Stahlwerte doch ein anderes Bild. Gegenwärtig benötigt China mehr Stahl und Kupfer als die USA. Im Jahr 2002 hat China 25% des weltweiten Eisenerzbedarfs, 22% des Stahlbedarfs, 17% der weltweiten Nachfrage nach Zink und Kupfer, 15% der internationalen Aluminiumnachfrage und 8% der Goldnachfrage auf sich vereinigt. Letztlich hatte nur das Wachstum in China die erstaunlich robuste Geschäftsentwicklung der großen integrierten Minenkonzerne alimentiert. Damit sind die Wachstumsprofile von Unternehmen dieser Branche wie BHP oder Rio Tinto zu revidieren.  
 
 
Sektoren, die von der Epidemie und der Massenpanik profitieren sind schwer auszumachen. Natürliche Wahl wäre etwa die Pharmabranche. Hier wird zwar an SARS geforscht, ein möglicher Impfstoff dürfte aber kaum vor 2005 gefunden sein. Kurzfristig dürfte allerdings die Entwicklung von Schnelltests zur Erkennung von Infektionen einen Geschäftsimpuls bringen. Aufwind dürften zudem Sektoren erfahren, bei denen Aktivitäten auch aus dem privaten Bereich erfolgen können. Dies sind Dienstleister, bei denen keine physische Präsenz des Kunden erforderlich ist. Dazu zählt etwa der Telekombereich, der eine erhöhte Nachfrage über "infektionsfreie" Kommunikation erfahren dürfte. Hinzu kommt ein vermehrter Bedarf an Videokonferenzen. Auch Internet-Dienstleistungen werden stärker nachgefragt werden.  
 
 
Branchen, die aus heutiger Sicht keine oder nahezu keine negativen Auswirkungen zu befürchten haben, sind etwa der Finanzbereich, wo viele Dienstleistungen auch via PC abgewickelt werden können. In der Versicherungsbranche sind kurzfristig Geschäftsbeeinträchtigungen vorstellbar, auf längere Sicht dürften sich Krisen dieser Art jedoch nicht negativ bemerkbar machen (vgl. BSE-Krise im Winter 2000).  




Bye, Twinson_99

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