RWE-Chef fordert einheitliche Standards bei AKW-Prüfung
Sonntag, 3. April 2011, 11:11 Uhr
Berlin (Reuters) - RWE-Chef Jürgen Großmann hat einheitliche Standards bei der Sicherheitsüberprüfung der Atommeiler nach der Katastrophe in Japan gefordert.
Er wünsche sich, dass die Überprüfung der Reaktoren europaweit "möglichst uniform" verlaufe, sagte Großmann am Sonntag im Deutschlandfunk. Es sei nicht sachgerecht, wenn hierzulande Kraftwerke wegen unerreichbar hoher Standards stillgelegt würden, während dann Strom aus ausländischen Kraftwerken importiert werden müsse, die den deutschen Sicherheitsanforderungen nicht genügten. Immerhin seien in Europa derzeit 143 Atomkraftwerke in Betrieb. Großmann kritisierte: "Wir Deutschen wollen immer die Besten sein."
Der RWE-Chef räumte zugleich ein, dass wohl nicht alle sieben derzeit abgeschalteten Reaktoren nach den verschärften Sicherheitstests weiterlaufen würden. Er rechne aber damit, dass "ein, zwei oder drei" Reaktoren den sogenannten Stresstest bestehen würden.
Die Bundesregierung hat als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan ein dreimonatiges AKW-Moratorium verhängt und will den Weiterbetrieb der Altreaktoren von den Ergebnissen verschärfter Sicherheitstests abhängig machen. Allerdings gilt ein Wiederanfahren der Altreaktoren als politisch kaum durchsetzbar.
GROSSMANN VERTEIDIGT KLAGE
Großmann verteidigte die am Freitag eingereichte Klage gegen die Stilllegung des Reaktors Biblis A. Ein Konzernvorstand müsse nach dem Aktienrecht Vermögensschäden vermeiden und habe daher kaum eine andere Möglichkeit als zu klagen. Die Klage diene der "Wahrung unserer Rechtsposition, dass, wenn ein Schaden eintritt, wir zumindest uns bemühen, formaljuristisch diesen Schaden ausgeglichen zu bekommen.", sagte Großmann. Die Höhe einer Schadenersatzforderung bezifferte Großmann nicht, es gehe aber "um einen fühlbaren Betrag".
Der RWE-Chef rechnet bei einem Ausstieg aus der Atomkraft-Nutzung mit steigenden Strompreisen. Der Endverbrauchspreis werde etwa um 20 Prozent anziehen, sagte er.
Auch einen vollständigen Verzicht auf die Atomenergie schloss Großmann längerfristig nicht aus, es müsse dabei aber über die Kosten eines Ausstiegs gesprochen werden. "Wir sind keine Kreuzritter für die Kernenergie. Wir sind Kreuzritter für eine sichere und verlässliche Energieversorgung, die auch bezahlbar ist in Deutschland."
© Thomson Reuters 2011 Alle Rechte vorbehalten.
de.reuters.com/article/companiesNews/idDEBEE73201F20110403
Ein Mann kann zwischen mehreren Methoden wählen, sein Vermögen loszuwerden: Am schnellsten geht es am Roulette-Tisch, am angenehmsten mit schönen Frauen und am dümmsten an der Börse.