Rio-Tinto-Chef zweifelt am Superzyklus


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Rio-Tinto-Chef zweifelt am Superzyklus

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27.08.06 16:19
HANDELSBLATT, Sonntag, 27. August 2006, 14:40 Uhr
Rohstoffpreise

Rio-Tinto-Chef zweifelt am Superzyklus


Der Chef der Bergbauunternehmens Rio Tinto, Leigh Clifford, bezweifelt, dass die Rohstoffpreise weiterhin auf breiter Front so dynamisch steigen werden. "Ich bin seit 36 Jahren in diesem Geschäft und weiß, dass es nicht immer so bleiben wird", sagte Clifford dem Handelsblatt.


HB DÜSSELDORF. Er warnt vor Begriffen wie dem so genannten Superzyklus. "Vorsicht, wenn die Leute von solchen Paradigmenwechseln reden. Was diesmal anders ist, ist der Ausschlag und die Länge des Zyklus, aber es bleibt ein zyklisches Geschäft. Manche sagen 'stronger for longer', das ist vielleicht die richtige Beschreibung, aber gewiss nicht 'stronger for ever'."

Dass die Rohstoffpreise aber wieder auf ein Niveau wie Ende der neunziger Jahre fallen glaubt Clifford allerdings nicht: "Es gibt ein neues Basisniveau, das höher ist als das vorige. Das gilt für eine ganze Reihe von Rohstoffen. Darin spiegelt sich aber auch die Kostenentwicklung, die wir haben. Einerseits müssen wir immer mehr Dreck zur Seite räumen, um an neue Lagerstätten heranzukommen. Und andererseits ist Öl dauerhaft teurer geworden, und der Ölpreis hat großen Einfluss auf unsere Kosten", sagte Clifford.


Das komplette Interview lesen Sie in der Montagsausgabe des Handelsblatts.
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stefan64:

dämliche Phrase - jeder weiß, daß Zyklen nicht

 
27.08.06 16:42
ewig dauern, die Frage ist, w a n n   sind sie zu Ende. Vorher zu wissen, wann sie zu Ende sind ist die Kunst, nicht zu wissen d a s s  sie mal zu Ende sind. Den Artikel werde ich auf jeden Fall morgen lesen, vielleicht ist der besser als der Auszug.

Stefan64
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Rio-Tinto-Chef zweifelt am Superzyklus

 
28.08.06 08:54
HANDELSBLATT, Montag, 28. August 2006, 08:43 Uhr
Rohstoffpreise

Rio-Tinto-Chef zweifelt am Superzyklus


Leigh Clifford: Der Chef des Bergbaukonzerns Rio Tinto über die erstaunliche Entwicklung der Rohstoffpreise, die starke Nachfrage aus China, die neuen Chancen für Entwicklungsländer und den erheblichen Mangel an Fachkräften.


Rio-Tinto-Chef zweifelt am Superzyklus 2756026
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Rio-Tinto-Chef zweifelt am Superzyklus 2756026
Profitiert vom Rohstoffboom: Leigh Clifford

Handelsblatt: Mr. Clifford, die Rohstoffpreise steigen und steigen. Sind die üblichen Marktzyklen außer Kraft gesetzt?

Clifford: Wir profitieren in der Tat zurzeit von einem langen Rohstoffboom. Aber ich bin seit 36 Jahren im Geschäft und weiß, dass es nicht immer so bleiben wird. Normalerweise reagiert das Angebot, wenn die Nachfrage stark steigt. Doch bei vielen Rohstoffen ist das bisher nicht der Fall.

Warum nicht?

Dafür gibt es eine Reihe von Erklärungen. Zum einen gibt es einfach nicht unbegrenzt Lagerstätten von hoher Qualität. Dann haben viele Unternehmen die Exploration in den schwachen Jahren dramatisch heruntergefahren. Darum sehen wir Verknappungen bei einer Reihe von Metallen, aber auch bei Zulieferern, Fahrzeugen oder Personal. Die andere Seite der Geschichte ist die starke Nachfrage. China hat sehr viel Schwung, Europa kommt zurück, Japan erholt sich, auch der Rest von Asien kommt.

Sie erwarten nicht, dass sich die Nachfrage aus China abkühlt?

Nein, wir glauben, dass sie noch lange stark bleiben wird. Sehen Sie, wenn China das Bruttosozialprodukt steigert, dann steigt auch der Verbrauch von Rohstoffen stark; wenn die Schweiz wächst, hat das fast keine Auswirkungen für uns. Und hier geht es nicht um die Produktion von Waschmaschinen und Kühlschränken für die Welt, sondern um den Aufbau von Infrastruktur, von Straßen und Wohnungen. In Schanghai mag das geschehen sein, doch schauen Sie sich das riesige Hinterland an. Die chinesische Regierung bremst zwar jetzt das Wachstum, aber sie bremst es von astronomisch auf nur noch phantastisch.

Also stecken wir tatsächlich in einem Rohstoff-Superzyklus?

Vorsicht, wenn die Leute vom Paradigmenwechsel reden! Was diesmal anders ist, sind der Ausschlag und die Länge des Zyklus, aber es bleibt ein zyklisches Geschäft. Manche sagen "stronger for longer", das ist vielleicht die richtige Beschreibung, aber gewiss nicht "stronger for ever".

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Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Die Welt braucht neue Kapazität, und diese wird aus immer schwerer erreichbaren Lagerstätten kommen."

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Aber die Preise werden doch gewiss nicht auf die Tiefstände vor dem Boom zurückfallen?

Es gibt ein neues Basisniveau, das höher ist als das vorherige. Das gilt für eine ganze Reihe von Rohstoffen. Darin spiegelt sich aber auch die derzeitige Kostenentwicklung wieder. Einerseits müssen wir immer mehr Dreck zur Seite räumen, um an neue Lagerstätten heranzukommen. Und andererseits ist Öl dauerhaft teurer geworden, und der Ölpreis hat großen Einfluss auf unsere Kosten.

An welchem Punkt im Zyklus sind wir denn jetzt? Erreichen die Preise bald ihren Höhepunkt?

So generell kann man das nicht sagen. Die Preise für einzelne Rohstoffe bewegen sich sehr unterschiedlich. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Wir geben drei Milliarden Dollar allein für den Ausbau unserer Eisenerzförderung in Australien aus. Das bringt Zigmillionen Tonnen im Jahr zusätzliche Kapazität. Das würden wir nicht tun, wenn wir nicht weiterhin starke Preise erwarteten.

Was heißt denn das für die Preisverhandlungen mit den Stahlherstellern im Herbst? Werden Sie von denen noch einmal hohe Aufschläge verlangen?

Die Nachfrage ist stark, und die Preise werden am Ende immer die Angebot- und Nachfragesituation reflektieren. Ich kommentiere nie den Eisenerzpreis, das ist viel zu heikel. Aber wie ich Ihnen geschildert habe, geben wir ja verdammt viel Geld aus, um die Kapazität zu erhöhen.

Machen Sie sich Gedanken darüber, was die hohen Rohstoffpreise für die Endkunden bedeuten?

Rohstoffe waren lange Zeit zu billig, und die Leute hatten sich daran gewöhnt. Viele Metalle waren zu günstig, um Anreize für mehr Exploration zu geben. Jetzt sind die Preise hoch, und Sie sehen die Antwort: Es wird mehr investiert. Kupfer für 60 Cent das Pfund - das war einfach lächerlich. Auch wenn mehr recycelt wird, die Welt braucht neue Kapazität, und diese wird aus immer schwerer erreichbaren Lagerstätten kommen.

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Lesen Sie weiter auf Seite 3: "Rohstoffe sind eine der wenigen Chancen für unterentwickelte Länder, Infrastruktur, ausgebildete Arbeitskräfte und Einkommen zu erlangen."

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Müssen wir damit rechnen, dass manche Metalle knapp werden?

Langfristig betrachtet, nein. Aber kurzfristig, todsicher. Wir waren beim Beispiel Kupfer. Das Angebot hängt eben davon ab, wie sich die Preise entwickeln, ob sie die steigenden Explorationskosten weiterhin rechtfertigen. Neue Lagerstätten sind schwierig zu finden. Also müssen wir auch in bisher nicht so erforschten Gegenden suchen, in Afrika etwa oder der früheren Sowjetunion.

Reichen Ihre Aktivitäten dort?

Es ist leicht zu fordern: Geht doch nach Afrika und erschließt die dortigen Vorkommen, zum Beispiel im Kongo. Ja, das Potenzial ist groß, aber schauen Sie doch mal auf die Karte: Dort, wo die Mineralien sind, gibt es keinerlei Infrastruktur. Das ist wahrscheinlich 1 000 Kilometer von der Küste entfernt. Diamanten kann man von dort in einer Aktentasche ausfliegen, aber doch nicht Kupfer. Dafür brauchen Sie die Infrastruktur. Und natürlich qualifizierte Arbeitskräfte und eine stabile Regierung.

Welche Rahmenbedingungen muss eine Regierung bieten?

Sie brauchen eine Regierung, die versteht, dass Rohstoffe eine gute Gelegenheit für arme Länder sind, um Investitionen, Beschäftigung und damit den Wohlstand zu steigern. Doch die Versuchung ist leider groß zu sagen: Schaut euch die Profite an, die die Konzerne machen. Dabei vergessen die Leute die enormen Investitionen, die wir erst mal leisten müssen, und die Zyklizität des Geschäfts.

Was halten Sie von Studien, die zeigen, dass rohstoffreiche Entwicklungsländer oft schlechter abschneiden als andere?

Rohstoffe als Fluch, ja, ich kenne diese Argumentation. Aber Rohstoffe sind eine der wenigen Chancen für unterentwickelte Länder, Infrastruktur, ausgebildete Arbeitskräfte und Einkommen zu erlangen. Das Problem sind nicht die Rohstoffe, es sind oft die Regierungen. Ein Musterbeispiel ist übrigens Chile, das sich dank des klug genutzten Rohstoffreichtums zum Modell für Schwellenländer entwickelt hat. Die Investitionsbedingungen waren dort auch über Regierungswechsel hinweg stabil gut.

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Lesen Sie weiter auf Seite 4: "Ich kann mir keine Branche auf der Welt vorstellen, in der es keine weitere Konsolidierung geben wird."

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Zurück zur Branche: Es gab zuletzt einige Fusionen. Wird die Konsolidierung weitergehen?

Ich kann mir keine Branche auf der Welt vorstellen, in der es keine weitere Konsolidierung geben wird. Wir sind noch nicht sehr stark konsolidiert. Aber es hat schon einige Fusionen gegeben, und wir haben uns daran beteiligt. Allerdings wird es nun immer schwieriger, mit Übernahmen Werte zu schaffen.

Rio Tinto wird Interesse nachgesagt, zusammen mit anderen Konzernen einen Angriff auf Anglo American zu starten.

Wir kommentieren so etwas nie.

Sind Fusionen nicht ein guter Weg, schnell zu mehr Kapazität zu kommen?

Einfach Kapazität dazuzukaufen bringt nichts. Die Frage ist ja: Wie wettbewerbsfähig sind die Lagerstätten, die man da kauft. Heute macht jeder Geld, aber wenn sich der Markt verändert, wird das nicht mehr der Fall sein. Wenn man andererseits selber etwas aufbaut, ist das manchmal auch teuer. Aber dafür kennt man auch die langfristigen Kosten.

Was treibt derzeit die Kosten so?

Zum großen Teil das Personal. Gut ausgebildete Leute sind überall sehr gesucht. Wenn unter Ihren Lesern welche sind, die einen Abschluss in Bergbau oder Metallurgie haben, besuchen Sie unsere Website, wir finden bestimmt einen Job in Kanada, den USA oder Australien für Sie. Daneben natürlich die Energiekosten: Öl, Gas, Diesel. Und Material wie die berühmten Reifen für Lastwagen. Auch Stahl kostet viel mehr, wozu wiederum das Eisenerz beigetragen hat. Der beste Weg, die Produktionskosten zu verringern, ist, die Performance zu verbessern. Wir tauschen weltweit Erfahrungen aus, um alle Anlagen möglichst effizient laufen zu lassen. Das heißt, Ausfallzeiten zu minimieren und Wartungsarbeiten zu optimieren.

Haben Sie wegen der steigenden Kosten Projekte verschoben?

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Lesen Sie weiter auf Seite 5: "Viele glauben, dass die Rohstoffpreise bald nachgeben, doch diese Meinung gibt es schon seit längerem."

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Nein, wir haben noch kein Projekt verschoben, weil es uns zu teuer geworden wäre. Natürlich steigen die Kapitalkosten, aber die Rohstoffpreise sind ja auch ein bisschen gestiegen.

Die Rohstoffkonzerne führten lange ein Schattendasein an der Börse, doch jetzt sind die Aktien stark gestiegen. Ist die Branche korrekt bewertet?

Ich werde nie sagen, dass die Märkte nicht effizient sind. Viele glauben, dass die Rohstoffpreise bald nachgeben, doch diese Meinung gibt es schon seit längerem. Wir versuchen, die Märkte von unserer Fähigkeit zu überzeugen, neue profitable Projekte anzuschieben.

Es war zu lesen, dass Sie in gut einem Jahr ihr Amt abgeben?

Ja, dann werde ich 60 Jahre alt. Dann gehe ich nach Australien zurück und mache etwas Neues. Der Board weiß das, und die Suche nach einem Nachfolger läuft. Wir haben viele gute interne Kandidaten. Es wird einen glatten Übergang geben.

Das Gespräch führte Dirk Heilmann

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