KI; "Das Fehlen von Rheinmetall im EU-Projekt AURIGA (Armoured Infantry Ground Assault) hat in der Branche für Aufsehen gesorgt, lässt sich jedoch auf eine Kombination aus strategischen Prioritäten, industriepolitischen Konflikten und der spezifischen Ausrichtung des Programms zurückführen.
Hier sind die Hauptgründe für die Nichtberücksichtigung:
1. Fokus auf Technologie-Bausteine statt Plattformen
Das AURIGA-Programm, das mit rund 30 Millionen Euro (davon 25 Mio. aus dem Europäischen Verteidigungsfonds) vergleichsweise gering budgetiert ist, dient nicht dem Bau eines fertigen Schützenpanzers. Es geht primär um die Entwicklung modularer "Technologie-Bausteine" (z. B. Drohnenabwehr, KI-Links, hybride Antriebe).
Rheinmetall vermarktet den KF41 Lynx bereits als fertiges, modulares System.
Es besteht die Vermutung, dass die EU-Partner eher neue, offene Standards setzen wollen, anstatt sich an eine bereits existierende, proprietäre Plattform eines dominanten Marktteilnehmers zu binden.
2. Industrielle Rivalitäten und Konsortialbildung
Das Projekt wird von der italienischen Firma Leonardo koordiniert. Zu den 52 beteiligten Unternehmen gehören Schwergewichte wie KNDS (KMW + Nexter), BAE Systems und Iveco.
Rheinmetall steht in direkter Konkurrenz zu KNDS, insbesondere im Hinblick auf zukünftige europäische Panzerprojekte (wie das MGCS).
Experten wiesen darauf hin, dass Unstimmigkeiten über die Rollenverteilung oder bestehende Konflikte zwischen den Konzernen zur Nichtberücksichtigung geführt haben könnten.
3. Strategische Autonomie und Wettbewerb
Die EU nutzt den Verteidigungsfonds oft, um die Kooperation zwischen einer breiten Basis von Unternehmen (daher die hohe Zahl von 52 Firmen) zu fördern und die Abhängigkeit von einzelnen Großkonzernen zu verringern.
Da der Lynx bereits erfolgreich nach Ungarn verkauft wurde und auch in Italien sowie der Ukraine Fuß fasst, scheint das AURIGA-Konsortium einen Gegenentwurf zu planen, der die Kompetenzen anderer europäischer Akteure bündelt.
4. Rheinmetalls eigene Wege
Rheinmetall ist keineswegs isoliert, konzentriert sich jedoch derzeit massiv auf eigenständige Großprojekte und bilaterale Abkommen außerhalb des AURIGA-Rahmens:
Ukraine-Fokus: Aufbau von Produktionsstätten für den Lynx in der Ukraine bis Ende 2025.
Anduril-Partnerschaft: Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen Anduril zur Entwicklung von Drohnenabwehrsystemen, was teilweise dieselben Ziele wie AURIGA verfolgt, aber auf einer anderen technologischen Basis (KI-Plattform Lattice).
Zusammenfassend: Rheinmetall wurde wahrscheinlich nicht "vergessen", sondern ist entweder aufgrund industrieller Differenzen nicht Teil des von Leonardo geführten Konsortiums oder hat sich bewusst gegen eine Teilnahme an einem (finanziell eher kleinen) Konzept-Projekt entschieden, das in Konkurrenz zum eigenen, bereits marktreifen Lynx steht."