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In der nächsten Woche nimmt die Berichtssaison neue Fahrt auf. Die Erwartungen der Anleger sind allerdings hoch und die Luft für den Dax wird allmählich dünn. Auch ein Plus bei der Konjunktur ist schon längst in die Kurse eingepreist. Kann der Dax die Rally fortsetzen? Vor allem Finanz- und Technologiewerte sollten Anleger im Auge behalten.
HB FRANKFURT. Die Bilanzsaison läuft und bisher überzeugten die Bilanzen die Anleger.Alcoa, Intel, JP Morgan - die US-Schwergewichte stehen überraschend gut da. Für die Anleger aber kein Grund für Jubelstürme. Angesichts der hohen Erwartungen an die beginnende Bilanzsaison wird sich der Dax nach Einschätzung von Börsianern in der neuen Woche kaum von der 7 000-Punkte-Marke lösen. "Nur deutlich positive Überraschungen sollten noch das Potenzial haben, auch den Gesamtmarkt zu stimulieren", schreiben die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) in ihrem Ausblick. In der alten Woche verbuchte der Dax ein Plus von rund 1,8 Prozent. Am Freitag ging der Dax mit minimalen 0,01 Prozent im Plus bei 7075 Punkten aus dem Handel und schloss damit nur 12 Punkte unter seinem Dezember-Hoch
Die Analysten der Bayern LB gewichten nach technischer Analyse die kurzfristigen Aussichten beim Dax mit neutral ein. Langfristig seien die Chancen aber gut. "Übergewichten" lautete das Urteil der Landesbanker.
Auch nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp hat der deutsche Leitindex nach seiner 1100-Punkte-Rally der vergangenen Monate kaum noch Luft nach oben. Er rate Investoren daher, Rücksetzer für den Einstieg vor allem bei denjenigen Unternehmen zu nutzen, die stark in wachstumsstarken Schwellenländern sowie in den USA engagiert sind.
Marktstratege Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz urteilt optimistischer: "Von der Wirtschaft droht keine Gefahr. Die Ausblicke könnten weiteres Kurspotenzial eröffnen." Risiken für den Aktienmarkt sieht er, ebenso wie die LBB-Experten, vor allem in der europäischen Schuldenkrise. Konjunkturseitig rechnet Amato mit einer Bestätigung des positiven Bildes.
Das Stimmungsbarometer der Federal Reserve Bank von Philadelphia (Philly Fed), das am Donnerstag veröffentlicht werden soll, ist Analystenprognosen zufolge im Januar auf 25 Punkte von 24,3 Zählern im Vormonat gestiegen. Außerdem warten Anleger gespannt auf den Ifo-Index am Freitag. Analysten rechnen mit einem geringfügigen Rückgang des Stimmungsindikators der deutschen Wirtschaft auf 109,8 Punkte von 109,9 Zählern im Vormonat. Das ifo-Geschäftsklima ist ein zentraler Frühindikator zur Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland. "Der OECD Frühindikator stellt bereits eine Abschwächung der Weltwirtschaft in Aussicht", lautet das Urteil der Helaba-Analysetn. "Auch die Stimmung in der exportlastigen deutschen Industrie dürfte sich bald sichtbar abkühlen".
Bereits am Dienstag gibt der ZEW-Index Hinweise darauf, wie die Finanzmarktprofis die weiteren Aussichten einschätzen. Hier erwarten Analysten für Januar im Schnitt einen Anstieg auf 6,0 Punkte von 4,3 Stellen im Vormonat.
Unternehmensseitig steht die neue Woche im Zeichen der Finanzwerte, sobald die US-Anleger aus ihrem verlängerten Wochenende zurückkehren. Am Montag bleibt die Wall Street wegen des US-Feiertages "Martin Luther King Day" geschlossen. Ab Dienstag legen eine Reihe namhafter US-Institute ihre Geschäftszahlen vor. Den Anfang macht Citigroup, gefolgt von Goldman Sachs am Mittwoch, Morgan Stanley am Donnerstag und Bank of America am Freitag.
Auch aus der Technologiebranche sind Impulse zu erwarten. Unter anderem haben iPhone- und iPad-Produzent Apple, der Suchmaschinen-Betreiber Google sowie der Intel-Rivale AMD angekündigt, sich in die Bücher schauen zu lassen.
Bei den deutschen Unternehmen steht der Baukonzern Hochtief erneut im Rampenlicht. Am Dienstag läuft die verlängerte Frist für das Übernahmeangebot des spanischen Konkurrenten ACS aus. Am Tag zuvor will der im Kleinwerte-Index SDax gelistete Reifenhändler Delticom vorläufige Gesamtjahreszahlen vorlegen.
" Die einzigen Zeugen für die Erfolge des Börsenspekulanten sind seine Erben "
André Kostolany