Im Uptrend bis April haben fast alle hier non-stop gegenan geshortet, bis nur noch das Weiße in den Augen zu sehen war. Das war falsch, denn es stieg weiter. Die Erfolg bringende Strategie war, von OE vorexerziert, jeden Dip (d.h. die täglichen Durchhänger) zu kaufen, wobei man den Haupttrend (nach oben) respektierte.
Am 2. Mai hat - unverkennbar - ein starker (und noch intakter) Downtrend begonnen.
Und was machen NUN die meisten Quo-Vadis-Strategen? Sie LONGEN gegenan. Das ist strategisch im Prinzip genauso verkehrt wie zuvor das Shorten im Uptrend.
Es gab Anfang Mai einen "Change of Market Character". Flexible Trader passen sich dem neuen Haupttrend (nun nach unten) an und respektieren ihn. Folgerichtig sollte die bevorzugte (und im Sinne von OE bis April erfolgreiche) Strategie nun darin bestehen, sämliche Erholungen "wegzushorten". D.h. statt Dip-Buying nun "Spike-Shorting".
Spike-Shorting im Downtrend ist die spiegelbildliche Variante des vorherigen Dip-Buying im Uptrend. Und genauso wie OE damals recht erfolgreich war, könnte seine Strategie - jetzt spiegelbildlich übertragen auf den neuen Downtrend (d.h. Spike-Shorting), erneut die erfolgversprechendere sein.
Ich gebe zu, dass es mental äußerst schwierig ist, seine Trading-Gewohnheiten an solche (Market Character-)Wechsel anzupassen. Die meisten Trader machen einfach das weiter, "was bisher lief" - ohne sich über die veränderten Bedingungen einen Kopf zu machen.
Es gibt aber deutlich veränderte Bedingungen. Man sehe sich nur den heutigen Eröffnungs-Spike in USA an. Er wurde postwendend und geradzu brutal abverkauft. In intakten Bullenmärkten passiert sowas fast nie. In intakten Bärenmarkt hingegen passiert es relativ häufig. Daher war "Spike-Shorting" heute um 16 Uhr auch die "angesagte Strategie".
Die meisten Trader stellen ihre Strategie viel zu langsam und erst viel zu spät um. Wohl erst bei DAX 4500 würden die meisten hier den dann unverkennbaren Downtrend respektieren. Doch so weit unten wird das Spike-Shorting immer gefährlicher. Es drohen dann verstärkt Short-Squeezes, weil "Fundi-Buyer" lauern.
Short-Squeezes drohen jetzt (nach gebrochenem Uptrend) übrigens kaum noch. Die meisten Bären wurden im Uptrend vernichtet. Wer soll jetzt noch covern, wenn es fällt? Im Gegenteil sind jetzt die ehemaligen Dip-Buyer "unter Wasser". Sie warten auf Markterholungen, um noch mit blauem Auge aus ihren Posis rauszukommen. Deshalb ist Spike-Shorting auch so erfolgreich: Der "böse Bär" verkauft, stellvertrend für die "trapped Longs", schon kurz vor Erreichen der Marken, wo die Bullen schadenfrei wieder rauskämen. Heute nachmittag ist diese Marke übrigens 1324 im SP-500, was fatalerweise auch noch der 50-Tage-Linie entspricht.
Ich glaube unter diesen Prämissen kaum, dass sich die US-Indizes heute noch ins Plus retten können.