DJ BÖRSEN-AUSBLICK/Entspannter Anstieg auf den 6.000er
Dow Jones
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Von Michael-Otto Denzin
DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Entspannt nach oben dürfte der DAX in den zwei folgenden Handelswochen streben. Dicht am Jahreshoch ist es nur eine Frage der Zeit, bevor die psychologisch interessanten 6.000er-Marke genommen wird. Die Rahmenbedingungen dafür sind gut: Von den Notenbanken kamen keine Signale für einen raschen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik, die Konjunkturindikatoren wie der ifo unterstreichen die Wirtschaftserholung und in Krisengebieten der Finanzmärkte wie Dubai gibt es klare Entwarnungssignale. Technische Analysten räumen dem DAX denn auch ein Potenzial bis rund 6.300 Punkte in den kommenden Wochen ein.
Für Entspannung an den Finanzmärkten sprechen auch der US-Dollar und der abgelaufene Verfalltag an den internationalen Terminbörsen. Mit dem dritten Freitag im Dezember sind alle Optionen und Futures an den Terminmärkten für dieses Jahr abgerechnet. Für viele Marktteilnehmer war dies der Stichtag, um die Bücher zu schließen. Da zahlreiche Handelsstrategien auf dem Verkauf dieser Instrumente beruhen, habe auf den Märkten ein latenter Verkaufsdruck gelastet, hieß es im Handel.
Gerade hochliquide Standardwerte wie Siemens oder Deutsche Telekom hätten bis dahin unter laufenden Verkäufen des Terminmarkts gelitten. Mit dem großen Dezember-Verfall sollte dieser Druck entwichen sein.
Gleichzeitig zeigt die Stabilisierung des Euro gegenüber dem US-Dollar, dass auch der Druck von der Währungsseite nachlassen dürfte. Der rapide Verfall der Gemeinschaftswährung von über 1,50 USD in den Bereich um 1,43 USD wurde als Zeichen des Rückzugs der "Carry Trader" gedeutet. Diese verschulden sich zu geringsten Zinsen im US-Dollar und legen dann im höher rentierlichen Euro-Raum an. Ihr Rückzug habe für kräftigen Verkaufsdruck bei europäischen Aktien gesorgt. Sollte sich der Euro nun auf dem Niveau um 1,44 USD stabilisieren, gebe es keinen Grund mehr für weitere Verkäufe, so die Hoffnung im Handel. Auch von der Zins-Seite kamen im Wochenverlauf nur gute Nachrichten mit Perspektive. So machte US-Notenbank-Präsident Ben Bernanke im Rahmen der jüngsten Leitzinsentscheidung einmal mehr deutlich, dass die Zinsen über einen ausgedehnten Zeitraum hinweg auf einem niedrigen Niveau verbleiben. Die Sorgen der Anleger vor einer schnellen "Exit"-Politik, also der Zinswende in den USA, gingen danach deutlich zurück. Auch von der Europäischen Zentralbank kamen keine Zeichen für einen schnellen Ausstieg.
Freunde der Statistik verweisen daneben auf die guten saisonalen Erfahrungen mit der Zeit zwischen den Jahren. Die Wochen bis in den Januar hinein gehören üblicherweise zu den stärksten der Aktienmärkte. Ihre Outperformance ist derart häufig zu beobachten, dass sie mit dem "Januar-Effekt" sogar ihren eigenen Namen erhalten haben. Einen Beitrag zu diesen positiven Renditen leistet sicherlich das "Window Dressing" der großen Kapitalanlagegesellschaften zum Jahresende. Dann werden gerne die Bestände in gut gelaufenen Titeln aufgestockt, um sie in entsprechender Höhe im Portfolio ausweisen zu können. Handelsstrategen kaufen daher rund um den Jahreswechsel gerne die Top-Performer des vergangenen Jahres.
Positive Stimmen überwiegen auch bei den technischen Analysten. Sie verweisen besonders auf die wiedergewonnene Relative Stärke des DAX. Monatelang war der deutsche Index sklavisch jeder Bewegung der US-Börsen gefolgt und hatte sie nach unten oft überzeichnet. Dieses Muster gelte nun nicht mehr, sagen Techniker. Mit größeren Widerstandsbereichen erst ab 6.200 Punkten aufwärts sehen sie noch ausreichendes Potenzial für den DAX.
Große Marktbewegungen durch Konjunkturdaten müssen Anleger bis Jahresende nicht mehr erwarten. Da die meisten Marktteilnehmer im Weihnachtsurlaub sind, dürften Anlageentscheidungen erst im neuen Jahr getroffen werden. Zudem stehen nur wenige interessante Daten an. So am Montag der Chicago Fed National Activity Index (CFNAI), am Dienstag der GfK-Konsumklimaindikator für Januar und in den USA am Mittwoch die US-Neubauverkäufe. Ob sich der Markt an Heiligabend den Auftragseingängen langlebiger US-Wirtschaftsgüter widmet, sei dahingestellt.
Die zwischen den Jahren veröffentlichten Daten dürften denn auch erst im neuen Jahr bewertet werden. Hier stehen unter anderem am Dienstag das US-Verbrauchervertrauen, am Mittwoch der Einkaufsmanagerindex Chicago an.
-Von Michael Otto Denzin, Dow Jones Newswires; +49 (0)69-29725 218;
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December 18, 2009 09:25 ET (14:25 GMT)
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§Quelle: Dow Jones 18.12.2009 15:25:00