Was bedeutet marktneutral und aktuelles zum DAX
00:16 23.05.09
Liebe Leserinnen und Leser,
Wie Sie wahrscheinlich wissen, vertrete ich ja schon seit einiger Zeit in vielen Punkten eine andere Auffassung als die Finanzindustrie und die meisten Fondsgesellschaften. Konkret behaupte ich, dass man
Keinesfalls immer in Aktien investiert sein sollte Aktien nicht in jedem beliebigen längeren Zeitraum die erfolgreichste Anlageklasse sind
Wenn man bedeutende Aktienindizes wie z.B. den breiten amerikanischen S&P 500 studiert erkennt man rasch, dass diese heute auf ähnlichem Niveau handeln wie z.B. in den Jahren 1998 und 2003! Auch bei der Analyse von sehr langen Charts über die vergangenen 100 Jahre erkennt man immer wieder Dekaden, in denen mit Aktien per Saldo kein einziger Cent zu verdienen gewesen wäre! Trotzdem hält sich das Credo der Banken, dass Aktien langfristig steigen, sehr hartnäckig.
Sehr viele Anleger sind natürlich in den vergangenen Jahren der großmäuligen Werbung der Finanzindustrie unterlegen, dass Aktien langfristig immer steigen würden und Verluste „nur“ eine Perspektive des jeweiligen Zeitpunktes seien. Erst nach (oder in mitten?) in der gegenwärtigen Doppelbaisse wird deutlich, dass man viel mehr Zeit braucht als die meisten Anleger haben um den Slogan der Banken zu entlarven, dass Aktien langfristig immer steigen! Aber auch altgediente Banker und Fondsmanager müssen sich erst langsam an die neuen Parameter der Märkte gewöhnen. Denn die allermeisten der heute aktiven Vermögensverwalter haben ihre Berufserfahrung während des ungewöhnlich langen Zeitraumes von zwei Dekaden mit steigenden Aktienkursen gesammelt, in den 80-er und 90-er Jahren nämlich!
Nicht nur das vergangene sehr schlechte Aktienjahr hat gezeigt das es sinnvoll ist, einen wesentlichen Anteil seines Vermögens in marktneutrale und vermögensverwaltende Fondskonzepte zu investieren. Daher biete ich meinen Kunden die Möglichkeit, in Abhängigkeit von meinem eigenen Trendbarometer, ihr Fondsdepot auf bestimmte sehr hochwertige marktneutrale und vermögensverwaltende Fonds zu verteilen.
Wie erkennt man aber einen neutralen Fonds? Am einfachsten an der Korrelation des Fonds zu seinem Markt, z.B. zum weltweiten Aktienindex MSCI.
Investoren, die einen Fonds wünschen, der die heftigen Schwankungen des Aktienmarktes nicht nachzeichnet, müssen dann z.B. in einen Fonds investieren, der mit Aktien unkorreliert ist. Dessen Korrelation sollte nahe bei Null liegen, bzw. nur möglichst schwach um die Null-Linie schwanken.
Dies bedeutet, dass neutrale Fonds über einen kurzen Zeitraum auch mit einem Index steigen oder fallen können. Aber eben nicht über einen langen Zeitraum.
Über einen längeren Zeitabschnitt soll ein guter neutraler Fonds eine konstante und gleichmäßige Rendite erwirtschaften, die einige Prozente oberhalb des risikolosen Zinssatzes liegt.
Viele der als marktneutral beworbenen Konzepte floppen in der Praxis
Eigentlich müsste man streng genommen zuerst definieren, zu welchem Markt ein Fonds neutral sein soll. Zum Aktien-, Renten oder Immobilenmarkt z.B.?
Um die Sache zu vereinfachen, werde ich mich hier auf die Aktien und Rentenmärkte konzentrieren, da diese Märkte für die meisten unter uns am interessantesten sind.
Vielfach bezeichnen sogar Vermögensverwalter einen Fonds als marktneutral der steigt, wenn die Aktienmärkte fallen. Es gibt zwar solche Fonds und ETF`s in der Praxis, diese sind aber keinesfalls marktneutral sondern negativ korreliert. Daher ist es so wichtig für uns Investoren zu unterscheiden, welche Fonds wirklich neutral sind und welche Konzepte dies in schlechten Aktienphasen nur vortäuschen. Dies ist gerade für diejenigen Anleger von großer Bedeutung, die mit herkömmlich verwalteten Aktienfonds nichts mehr zu schaffen haben wollen und eine echte Alternative suchen. Diese Investoren will ich hier davor bewahren in Fonds zu investieren, die in Wirklichkeit das Prädikat „marktneutral“ nicht verdient haben.
Wegen der Masse an „innovativen“ Konzepten, die derzeit aggressiv beworben werden, ist die Gefahr nicht unerheblich, einem Etikettenschwindel aufzusitzen.
Nur ein Teil der Fonds, die sich marktneutral nennen, können diesen Anspruch auch in der Praxis aufrechterhalten – vor allem über einen längeren Zeitraum.
Die Investmentstrategien hinter den marktneutralen Fonds sind sehr unterschiedlich und haben in verschiedenen Börsenphasen jeweils ihre Vor- und Nachteile. Einige Fondsmanager streben marktneutralität durch eine optimierte Diversifikation an, andere setzen auf Timing, auf Volatilität oder Long/Short-Strategien und den Einsatz von gedeckten Optionen, die meistens verkauft werden. Leider funktionieren auch die erprobten Strategien nicht in jedem Jahr gleich gut, weshalb es auch nicht den „idealen“ Fonds geben kann. Daher ist es wichtig, funktionierende Strategien zu kombinieren, um sich vor Enttäuschungen bei der Gesamtrendite des Depots zu schützen.
Sollte die Vola in den Märkten auch in der zweiten Jahreshälfte weiter sinken, könnten meiner Meinung nach in diesem Jahr z.B. die Vola-Strategien ein Problem bekommen. Unter „Problem“ verstehe ich hier allerdings eine unter-durchschnittliche Rendite und keinesfalls einen Verlust. Man sieht aber wie wichtig es ist, verschiedene neutrale Strategien zu kombinieren, um keine negativen Überraschungen zu erleben.
Ein kurzer Blick auf den DAX für alle, die nicht „nur“ marktneutral wünschen!
Quelle: stockcharts.com
5.150 Punkte als Widerstand bestätigt
Einen guten Überblick über die Chancen und das Rückschlagsrisiko eines Marktes gewährt die P & F-Methode, die sich einzig auf den Kampf zwischen Angebot und Nachfrage konzentriert. Alle übrigen subjektiven Einflussgrößen, wie etwa sehr kurzfristige Chartformationen , Indikatoren und die zeitliche Komponente, werden ausgeblendet um den Blick auf das Wesentliche zu erhalten. Die rechte Säule ist eine O-Spalte, aktuell führen also die Bären wieder den Ball. Diese konnten zwar in der Sprache des Tennis einen Satz gewinnen, aber noch kein Match. Nach wie vor befindet sich der DAX auf einem Kaufsignal, denn die aktuelle O-Spalte konnte die vorige noch nicht unterbieten. Erst unter dem Niveau von 4.700 wären die Bären deutlich am Zug.
In der jetzigen Marktlage wird auch der Vorteil der P & F-Charts deutlich, die sich auf die dominierenden Trends stützen und das kleine unkalkulierbare „Rauschen“ des Marktes ausblenden.
Gut erkennt man den positiven Trend des DAX an den dominierenden X-Säulen und auch dessen Verlauf oberhalb der „bullischen Unterstützungslinie“ in blauer Farbe.
Nachdem der erste Angriff auf die psychologisch wichtige 5.000 Punkte-Marke abgelehnt wurde, fand sich rasch wieder Kaufinteresse am alten Widerstand (jetzt Unterstützung) bei 4.650. Das bisherige zyklische Hoch bei 5.150 wurde noch nicht erreicht. Außerdem lehnte der DAX bisher das Niveau oberhalb der 5.000 Punkte ab und trat den Rückzug sehr schnell an. Sollte sich die aktuelle Korrektur ausweiten, liegt die nächste schwache Unterstützung wiederum bei 4.700 Punkten, eine stabile aber erst bei ca. 4.450 Punkten. Warum gerade 4.450? In diesen Bereich wird die steil steigende „bullische Unterstützungslinie“ in den kommenden Tagen wandern. Sehr häufig kehren Hausse-Märkte an diese Linie zurück und testen sie mehrfach. In der Umgebung dieser Linie finden Sie gute Einstiegsgelegenheiten in steigenden Märkten.
Ich bin gespannt, ob der DAX jetzt schnell sein Widerstandsniveau bei 5.150 bis 5.300 Punkte erreichen kann, oder vorher pausieren muss. Wegen der zu beobachtenden Eintrübung in den Sektoren tippe ich auf eine Korrektur.
Vor allem der derzeitig dominierende US-Bankensektor neigt seit Tagen zur Schwäche. Die letzten Marktkorrekturen begannen stets mit leichten Gewinnmitnahmen bei den Banken.
Aber auch andere Sektoren wie z.B. Energie, Öl, Ölservice, Stahl, Broker und Konsum verlieren deutlich an Schwungkraft.
Auch fundamental wäre eine Verschnaufpause zu erwarten und vollkommen berechtigt. Die jüngsten konjunkturellen Daten waren zwar versöhnlich, reichen aber nicht aus eine Rallye von fast 35 % zu rechtfertigen. Werden nicht rasch echte und reale Verbesserungen deutlich, wird die Schere zwischen liquiditätsgetriebener Hausse und fundamentalem Umfeld größer, könnten in naher Zukunft die frühen Investoren und Trader blitzschnell ihre Chips vom Tisch nehmen. Davon einmal abgesehen muss man sich als Investor immer vergegenwärtigen, dass es völlig normal ist, dass Märkte zwischen überkauften und überverkauften Zuständen pendeln. Jetzt sind wir eher überkauft und sollten vorsichtig agieren.
Auch das fundamentale Bild rät dazu, bestehende Long-Positionen abzusichern und vorerst keine neuen mehr aufzubauen.
Ein kleiner Trost für die Bullen: Die mittelfristigen Chancen für den DAX sind nach wie vor als positiv zu bezeichnen. Die Point & Figure Kurszielprojektion deutet auf ein Kursziel von etwa 5.600 Punkten hin, was ich für den Herbst erwarte. Keine schlechte Perspektive, oder?
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihren Engagements und vor allem zunächst einmal ein schönes Wochenende!
Herzliche Grüße
Ihr Klaus Buhl
KB-Assets Investment Service