"Speicherchips
Qimonda-Insolvenzverwalter sucht "potente Investoren"
dpa/ses
27.01.2009 Jetzt kommentieren! 0 (0) Legende
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Wie geht's weiter bei Qimonda? Eine konkrete Antwort geben konnte den Beschäftigten der Insolvenzverwalter Michael Jaffé auf den Betriebsversammlungen gestern und heute zwar noch nicht. Er suche nach "potenten Investoren". Eine Zerschlagung des Unternehmens ist wahrscheinlich. Vorerst läuft die Produktion weiter.
Bild vergrößern Noch läuft die Chip-Produktion bei Qimonda AP In der Luft lag die Pleite des Chipherstellers Qimonda ja schon lange. So reagierten die meisten der rund 1000 Qimonda-Mitarbeiter auf der Betriebsversammlung ihres Unternehmens zwar enttäuscht, aber gefasst auf den Gang in die Insolvenz. „Die Diskussion war sehr sachlich“, sagte der 46 Jahre alte Qimonda-Mitarbeiter Thomas Heinel nach dem Treffen, auf dem der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé die Belegschaft in München über die nächsten Schritte informiert hatte.
Viel sagen konnte ihnen der erfahrene Jaffé, der erst vor kurzem den Verkauf des insolventen Wohnmobil-Herstellers Knaus Tabbert unter Dach und Fach brachte, allerdings noch nicht. Zunächst muss er Geld auftreiben, um den Betrieb am Laufen zu halten. Die Chancen dafür stehen zumindest ganz gut. Dann geht es daran, die längerfristigen Chancen für Qimonda auszuloten und hier sieht es schon schwieriger aus.
Als „hochkomplex“ umschrieb Jaffé zurückhaltend die Lage. Für eine tragfähige Lösung würden Beiträge von „potenten Investoren“ gebraucht. Eine Übernahme der kompletten Firma gilt als unwahrscheinlich, schließlich hatte sich die Mutter Infineon, die nach wie vor 77,5 Prozent an Qimonda hält, genau darum bereits Monate vorher vergeblich bemüht. Größere Chancen dürfte nach Einschätzung eines Branchenkenners ein Verkauf von Teilen des Unternehmens haben.
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Auch der Staat als direkter Rettungsanker scheidet wohl aus. Er könnte allenfalls möglichen Investoren den Einstieg mit Bürgschaften versüßen, hieß es gestern aus Branchenkreisen. Kurz vor Weihnachten hatten die Mitarbeiter des Unternehmens noch einmal Hoffnung geschöpft. Sachsen, Portugal und der Mutterkonzern Infineon hatten ein Rettungspaket über 325 Millionen Euro zugesagt. Sachsen wollte sich mit 150 Millionen Euro beteiligen, Infineon mit 75 Millionen Euro und Portugal als einer der Qimonda-Standorte mit 100 Millionen Euro. Daneben war eine Bürgschaft von Bund und Land Sachsen über 280 Millionen vorgesehen.
Doch vergangene Woche sickerte dann durch, Qimonda brauche wohl zusätzlich 300 Millionen Euro, um über die Runden zu kommen. Das Rettungspaket war zunächst gestorben. Frage ist nun, ob sich die Beteiligten nochmals an einen Tisch setzen, um ein neues Paket für Qimonda zu schnüren. Infineon machte gestern aber klar, das ursprüngliche Angebot von 75 Millionen Euro nicht aufstocken zu wollen. „Es gibt für uns keinen weiteren Spielraum“, sagte ein Sprecher.
Zur Person: Michael Jaffé
1963 wird Michael Jaffé in München geboren. Er arbeitet nach dem Jura-Studium in seiner Heimatstadt als Referendar am Landgericht und in einer Kanzlei.
1993 macht sich der Jurist mit einer Kanzlei selbstständig. Heute beschäftigt er an fünf Standorten in Deutschland 15 Rechtsanwälte und 45 weitere Mitarbeiter.
2002 wird er bundesweit als Insolvenzverwalter bekannt: Nachdem der Medienkonzern von Leo Kirch in die finanzielle Schieflage geraten ist, gelingt es ihm, den zum Kirch-Imperium gehörenden TV-Konzern Pro Sieben Sat1 an den Hollywood-Milliardär Haim Saban zu verkaufen. Andere große Fälle folgen. Jaffé ist Mitglied in wichtigen Vereinigungen des Insolvenzrechts und Lehrbeauftragter der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Die Pleite der Tochter käme möglicherweise aber teurer. Analysten sprechen von bis zu 280 Millionen Euro. Auch Bayern sitzt mit am Verhandlungstisch. Von Seiten des bayerischen Wirtschaftsministerium hieß es gestern nur, es werde weiter mit allen Beteiligten gesprochen, um die Möglichkeiten für Qimonda auszuloten. Doch selbst wenn sich Infineon und die Regierungen der betroffenen Länder auf ein neues Rettungspaket einigen oder sich ein Investor findet, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens ist damit noch lange nicht gesichert.
Allein im vergangenen Geschäftsjahr 2007/2008 hatte Qimonda seiner Mutter Infineon Verluste von rund drei Milliarden Euro beschert. Hauptgrund ist vor allem der dramatische Preisverfall bei sogenannten DRAM-Speicherchips. Am Markt herrschen große Überkapazitäten für die Chips, die vor allem in Computern und Spielekonsolen zum Einsatz kommen. Infineon kann nicht einspringen, da der Konzern selbst tief in der Krise steckt. Die Mutter kämpft ebenfalls mit dem Preisverfall und der gesunkenen Nachfrage bei Chips für die Automobil- und Handyindustrie. Einige Mitarbeiter stellen sich daher schon einmal auf das Schlimmste ein. „Ich habe nichts in der Hand, und ich verkaufe jetzt mein Auto, weil ich mir das nicht mehr leisten kann“, sagte der 37-jährige Oguz Piri, Vater von zwei Kindern.
Produktion läuft weiter
Bild vergrößern Viel gefragt bei spektakulären Fällen, wie etwa bei der Kirch-Pleite: der Insolvenzverwalter Michael Jaffé AP Trotz der unsicheren Zukunft des insolventen Speicherchipherstellers Qimonda läuft die Produktion an allen Standorten zunächst weiter. Die so genannte Insolvenzgeldvorfinanzierung werde bereits auf den Weg gebracht, teilte Qimonda weiter mit. Sie dient zunächst vor allem der Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes. In der Regel übernimmt dabei eine Bank die Finanzierung der fälligen Mitarbeitergehälter. Darüber hinaus würden unterschiedliche Optionen für die mittel- und langfristige Zukunft des Unternehmens untersucht. „Für eine fundierte Bewertung ist es derzeit noch zu früh. Klar ist schon jetzt: Wir haben es hier mit einer hochkomplexen Situation und einem extrem kapitalintensiven Geschäft zu tun“, sagte Jaffé laut Mitteilung. „Deshalb braucht es für eine tragfähige Lösung Beiträge von potenten Investoren."
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