Solarfirmen spüren Krise
Die Photovoltaik-Unternehmen in Sachsen-Anhalt bemerken erstmals saisonale Schwankungen im Geschäft
von VON STEFFEN HÖHNE, 03.02.09, 21:34h, aktualisiert 03.02.09, 21:45h
HALLE/MZ. Bis zuletzt schienen die Uhren in der Solarbranche anders zu ticken. Die Auftragsbücher vieler Unternehmen waren für mindestens ein Jahr gefüllt und Gewinnmargen von über 20 Prozent keine Seltenheit. Doch nun scheint auch die junge Branche von der globalen Wirtschaftskrise getroffen zu sein. Dies betrifft nicht nur kleine Hersteller, sondern auch die großen Produzenten in Sachsen-Anhalt.
"Wir spüren eine saisonal bedingte schwächere Nachfrage", sagte Theodor Scheidegger, Chef von Sovello aus Bitterfeld-Wolfen. Schnee und Eis seien kein gutes Wetter, um Solardächer zu bauen. Das ist jedoch eine neue Erfahrung für das Unternehmen mit derzeit rund 1 100 Mitarbeitern. Bisher gab es einen reißenden Absatz der Solarmodule - unabhängig von der Jahreszeit. Das Unternehmen rechnet jedoch mit wieder steigenden Absätzen im Frühjahr.
Auch an den Ausbauplänen mit der Eröffnung eines dritten Werks im Frühjahr 2009 hält Sovello laut Scheidegger fest. Insgesamt sollen dann 2009 rund 500 000 Solarmodule mit einer Spitzenleistung von etwa 120 Megawatt produziert werden. Kurzarbeit ist nach Worten von Theodor Scheidegger kein Thema.
Ähnlich äußert sich auch Weltmarktführer Q-Cells. Das Unternehmen mit 2 300 Mitarbeitern hält daran fest, seine Kapazitäten in diesem Jahr auf 800 bis 1000 Megawatt zu erhöhen, sagte Konzernsprecher Stefan Dietrich. Allerdings sei die angekündigte Expansion mit dem Bau eines Werkes in Mexiko derzeit auf Eis gelegt.
In der Branche herrscht große Unsicherheit, wie sich der Markt weiter entwickelt. Nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle drohen der Branche massive Überkapazitäten. Einer weltweiten Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen von 4,9 Gigawatt stünden angekündigte Produktionsmengen von 9,2 Gigawatt gegenüber. "Einige Solarmodule sind in den letzten Monaten um 20 Prozent billiger geworden", schreiben die Experten vom Solarfachmagazin Photon. "Dass es eine Konsolidierung in der Branche geben wird, war jedem klar", meint Q-Cells-Sprecher Dietrich. Durch den Einbruch der Konjunktur werde diese nun schneller als gedacht stattfinden.
Trotz befürchteter Überkapazitäten hält das österreichische Unternehmen Intico Solar dennoch an seiner Großinvestition von rund 600 Millionen Euro in eine Solarfabrik in Halle fest. "Die Finanzierung für das Projekt steht", sagte Intico-Sprecher Peter Peschel der MZ. Das Unternehmen wolle seine Pläne noch in den nächsten Wochen öffentlich vorstellen. Nach MZ-Informationen sind die Landesbank Nord / LB und die Europäische Investitionsbank zuletzt als Kreditgeber eingestiegen.
Mittelfristig hofft die Branche weiter auf ein hohes Wachstum. Denn durch den Preisverfall lohnt sich die Anschaffung von Solaranlagen mehr denn je. "Eine Solaranlage schont nicht nur die Umwelt, sondern ist auch eine sichere Geldanlage", meint daher auch Sovello-Chef Scheidegger. Denn durch staatliche Programme werde etwa in Deutschland eine feste Einspeisevergütung für 20 Jahre garantiert.
www.mz-web.de/servlet/...29852996532&calledPageId=987490165154