Unsicherheit treibt Preise für WarrantsxxxxxxxxxxxxxxxxxVon Matthias Schmitt
Der Kursrückgang im August und September dieses Jahres hat, verbunden mit den hohen
Schwankungen nach dem Terrorakt gegen die Vereinigten Staaten, zu deutlich höheren
Optionspreisen geführt. Für den Dax spiegelt das der VDax wider. Er zeigt die impliziten
Volatilitäten von Dax-Optionen am Geld mit einer Restlaufzeit von 45 Tagen an. Diese lagen
Anfang August noch in der Nähe ihres langjährigen Mittels bei rund 20 Prozent und
schossen in den vergangenen Wochen auf bis zu 43 Prozent nach oben. Dieses Niveau
hatte der VDax seit seiner Einführung im Jahr 1992 bisher nur zwei Mal erreicht, nämlich
1997 nach der Krise in Asien sowie 1998 nach den Krisen in Russland und Lateinamerika.
Hohe implizite Volatilitäten hielten sich in der Vergangenheit meist nur kurz. Diesmal sollte
es nicht anders sein. Sobald sich die Lage an den Märkten nur ein wenig beruhigt, wird der
VDax seine Spitzenwerte von mehr als 40 Prozent recht schnell verlassen. Inhaber von
Optionen und Optionsscheinen – unabhängig davon, ob es sich um Calls oder Puts handelt
– werden davon hart getroffen. Denn die Vola ist eine der wichtigsten Einflussfaktoren bei
der Ermittlung des Preises eines Warrants. Je höher die erwartete Schwankungsbreite,
desto teurer ist unter sonst gleichen Bedingungen das Hebelinstrument. Diese
Abhängigkeit gilt natürlich auch umgekehrt. Der Grund für diesen Zusammenhang liegt
darin, dass mit einer erhöhten Volatilität des zu Grunde liegenden Basisinstruments auch
die Wahrscheinlichkeit zunimmt, dass der Schein bis zum Ende der Laufzeit an innerem
Wert gewinnt. Hiergegen muss sich der Optionsscheinemittent absichern, indem er den
Preis des Scheins anhebt, also eine höhere Volatilität einpreist.
Eine Beruhigung der Märkte
kann dann sogar dazu führen, dass in den kommenden Monaten sowohl die Preise für
Calls als auch für Puts sinken. Wie sich die Volatilität direkt auf den Preis des Warrants auswirkt, ist in der
nebenstehenden Tabelle aufgezeigt. Der Berechnung zu Grunde liegen
Verkaufsoptionsscheine auf den Dax mit Basispreisen von 3800 beziehungsweise 4400
Punkten. Bei der Berechnung der unterschiedlichen Preise der Warrants wurde lediglich
eine andere Vola angenommen. Die Laufzeit (30. Juni 2002), das Bezugsverhältnis (eins zu
100), der Dax-Stand (4116 Punkte) sowie der Basispreis (3800 beziehungsweise 4400
Punkte) blieben in dieser Modellrechnung hingegen unverändert. So führt bei dem
3800er-Put eine Zunahme der Schwankungsbreite – wie von Mitte August bis Mitte
September gesehen – von rund 25 auf 35 Prozent zu einem Kursanstieg von rund 1,78 auf
3,05 Euro . Tatsächlich zogen die Preise von Puts noch viel deutlicher an, da der Dax rasant
in den Keller ging.
Der 4400er-Verkaufsoptionsschein verteuert sich in unserer Modellrechnung hingegen bei
einer Zunahme der Volatilität von 25 auf 35 Prozent „nur“ von 4,71 auf 6,14 Euro . Hieraus
wird ein weiterer Zusammenhang ersichtlich: Je tiefer ein Put im Geld ist, desto geringer
reagiert er prozentual auf Veränderungen der impliziten Volatilität.
Der Zusammenhang zwischen Veränderung von Vola und Kurs wird in der Kennzahl „Vega“
ausgedrückt und gibt an, um wie viel in absoluten Zahlen sich der Preis des Warrants
verändert, wenn die Volatilität um einen Prozentpunkt ansteigt. Ein hohes Vega deutet darauf
hin, dass ein Warrant sehr stark auf eine Zu- oder Abnahme der
erwartetenSchwankungsbreite reagiert. Einewichtige Rolle spielt dabei auch die
Restlaufzeit des Warrants. Langlaufende Optionsscheine reagieren auf eine veränderte
Schwankungsbreite stärker als Kurzläufer. Sein Maximum erreicht das Vega bei
Optionsscheinen, die am Geld liegen und zudem lange laufen.
Da derzeit die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die Volatilität in den kommenden
Monaten deutlich zurückgehen wird, ist es ratsam, Bestände an Put-Optionen auf
Aktienindizes und Einzelwerte zu verkaufen. Wer dennoch nicht auf eine Absicherung seines
Depots verzichten möchte, der sollte auf Verkaufsoptionsscheine zurückgreifen, die sehr tief
im Geld sind, also über einen hohen Basispreis verfügen und nicht mehr allzu lange laufen.
Bei ihnen ist das Vega, sprich die Reaktion auf Veränderungen der Volatilität, deutlich
geringer als bei Scheinen am oder aus dem Geld.
Gruß Dr. Broemme